Ich will den Fans ans Herz legen, weiter zu hoffen. Wir geben unser Bestes, um sicher­zu­stellen, dass sie nächste Saison Spiele von ihrem Klub sehen können.“ Bedroh­li­cher konnten die Aus­sagen von Insol­venz­ver­walter Gerald Krasner am Don­nerstag im BBC Bre­ak­fast kaum wirken, als er sich an die Fans von Wigan Ath­letic wandte. Als erstes müsse sicher­ge­stellt sein, dass Wigan die Saison zu Ende spielen kann und dass wir Inter­es­senten finden, die Wigan Ath­letic retten wollen und die Jobs der Men­schen, die für den Klub arbeiten“, sagte Krasner. Gemeinsam mit seinen Kol­legen Paul Stanley und Dean Watson soll Krasner als Insol­venz­ver­walter den Verein vor dem Unter­gang bewahren.

Der Tabellen-Sech­zehnte der Cham­pi­onship ist der erste Profi-Klub in Eng­land, der nach der Unter­bre­chung des Spiel­be­triebs den Schritt in die Insol­venz geht. Als Grund gibt der Verein feh­lende Ein­nahmen auf­grund der Geis­ter­spiele an. Doch Recher­chen zeigen, daran liegt die finan­zi­elle Not­lage nicht.

Gerüchte über dubiose Abstiegs­wetten

Die Eng­lish Foot­ball League (EFL), unter der die Ligen zwei bis vier in Eng­land orga­ni­siert sind, hat bereits erklärt, Wigan noch in der lau­fenden Saison zwölf Punkte abzu­ziehen. Sollten die Latics, wie das Team genannt wird, jedoch rein sport­lich ohnehin aus der Cham­pi­onship absteigen, so müssten sie die Punkt­strafe zu Beginn der kom­menden Saison hin­nehmen. Bei fünf ver­blei­benden Spielen und nur sechs Punkten Vor­sprung auf die Abstiegs­ränge kann Wigan Ath­letic mit der ver­hängten Strafe den Abstieg wohl kaum noch ver­hin­dern. Doch ein Blick auf die ver­gan­genen zwei Jahre des Klubs legt den Ver­dacht nahe, dass manche Leute von einem mög­li­chen Abstieg sogar pro­fi­tieren würden.

Diesen Ver­dacht hegt mitt­ler­weile auch der Geschäfts­führer der Eng­lish Foot­ball League Richard Parry. In einem heim­lich auf­ge­nom­menen Video sagte er zu einem Wigan-Fan: Es gibt Gerüchte, dass auf den Phil­ip­pinen auf ihren [Wigan Ath­le­tics] Abstieg gewettet wurde, weil der vor­he­rige Besitzer Anteile an Glücks­spiel­un­ter­nehmen auf den Phil­ip­pinen hat.“ Mitt­ler­weile bestä­tigte die EFL die Echt­heit des Videos, wies aber auch darauf hin, das Zitat stamme aus einer aus­führ­li­cheren Unter­hal­tung. Sollte an diesen Gerüchten, die offenbar auch schon in den höchsten Gre­mien des eng­li­schen Fuß­balls ange­kommen sind und dort wohl auch ernst genommen werden, etwas dran sein, wäre die Insol­venz von Wigan Ath­letic ein inter­na­tio­naler Wett­skandal. Denn offenbar befindet sich Wigan inmitten eines Geflechts dubioser Geschäfte. 

Feh­lende Gelder der Klub­be­sitzer

Soweit sich die Insol­venz­ver­walter um Gerald Krasner einen Über­blick ver­schaffen konnten, waren weder die zahl­rei­chen Auf- und Abstiege aus den ver­gan­genen Jahren noch die Aus­wir­kungen der Corona-Krise auf den Pro­fi­fuß­ball aus­schlag­ge­bend für die Insol­venz. Ich glaube nicht, dass das einen starken Ein­fluss darauf hatte, wie der Klub geführt wurde“, sagte Paul Stanley im BBC Radio Man­chester und erklärte statt­dessen: Die fäl­ligen Gelder der Besitzer kamen nicht an. Ich weiß nicht warum, ich hatte keinen Kon­takt zu den Besit­zern. Es könnte mit dem Coro­na­virus zu tun haben, ich weiß es ein­fach nicht.“

Das nötige Geld hätte von der Next Lea­dership Fund Limited Part­nership (NLF) kommen sollen, die erst seit einem Monat Mehr­heits­ei­gen­tümer des Klubs ist. Seit 1995 war Dave Whelan Inhaber von Wigan Ath­letic und machte den Verein nach 25 Jahren Dritt- und Viert­klas­sig­keit im Jahr 2005 zu einem Pre­mier-League-Klub. Mit seinem Geld war er auch maß­geb­lich am größten Erfolg der Ver­eins­ge­schichte, dem FA-Cup-Sieg 2013, betei­ligt.