Weshalb Griechenlands Fußball kriselt

Warum die Nationalmannschaft Stadionverbot hat

Die wenigen, die gekommen sind, können in der 86. Minute nur den Kopf schütteln. Griechenland ist im Ballbesitz, als Routinier Andreas Samaris vollkommen ohne Gegnerdruck einen Fehlpass in die Füße eines Liechtensteiners spielt. Dieser nimmt den Ball an und hebelt mit einem präzisen wie simplen Pass die komplette griechische Abwehr aus. Zwei Verteidiger der Griechen sehen dabei besonders alt aus: Der Ex-Dortmunder Sokratis Papastathopoulos und Kostas Manolas von der SSC Neapel stehen schlecht und können das Tempo des liechtensteinischen Stürmers Dennis Salanovic nicht mithalten. In der Wiederholung ist zu sehen, wie Manolas in der Verzweiflung den Mund weit aufreißt und dem Liechtensteiner irgendetwas hinterher zu schreien scheint – kurz bevor dieser den Ball durch die Beine des griechischen Torhüters ins Tor schiebt.

Der Fairness halber sei erwähnt, dass Griechenland in den Quali-Spielen gegen Finnland und Liechtenstein auf Toptorjäger Konstantinos Fortounis verzichten musste, der bislang drei Tore erzielt hatte und nun mit einem Kreuzbandriss lange Zeit ausfällt. Aber: Das Prunkstück der griechischen Nationalmannschaft war nie die Offensive. Die Europameisterschaft 2004 gewann sie mit pragmatischem Verteidigen und knappen Siegen. Ins Achtelfinale der Weltmeisterschaft 2014 kam das Team mit nur vier Punkten und zwei Toren. Und in genau in dieser Defensive machen mit Sokratis, Manolas und Samaris ausgerechnet die erfahrensten und prominentesten Spieler der griechischen Auswahl grobe Fehler gegen vermeintlich schwache Gegner.

Keine Spiele in Piräus

Die Goldene Generation um Angelos Charisteas, Giorgos Karagounis und Kostas Katsouranis ist längst Vergangenheit. Der ehemalige Mannschaftskapitän Karagounis trat 2014 nach dem WM-Aus im Achtelfinale gegen Costa Rica aus der Nationalmannschaft zurück und beendete seine Karriere, Katsouranis tat es ihm ein Jahr später gleich. Die Generation danach kann bislang nicht begeistern und genießt wenig Unterstützung von den Rängen.

So auch am Sonntagabend. Dass die Partie überhaupt im riesigen Olympiastadion stattfand, war ursprünglich eigentlich gar nicht vorgesehen: Normalerweise trägt die Nationalmannschaft ihre Heimspiele im Karaikasis-Stadion von Olympiakos Piräus aus. Dessen Betreiber lässt aber keine Länderspiele mehr zu, weil Fans von AEK Athen und Panathinaikos dabei in der Vergangenheit, sozusagen getarnt als Fans der Nationalmannschaft, die Sitzplätze des Erzrivalen beschädigten.