Weshalb die Premier-League-Klubs wieder auf englische Trainer setzen

Zurück zur Passion

Die Premier League hat lange fast nur auf ausländische Trainer gesetzt, doch nun kehren die Engländer zurück. Das ist kein Zufall.

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Als Ralph Hasenhüttl vor ziemlich genau einem Jahr Trainer beim FC Southampton wurde, ersetzte er den englischen Trainer Mark Hughes. Zu diesem Zeitpunkt hatten nur noch fünf von 20 Trainern in der Premier League einen britischen Pass, und das passte ganz gut ins Bild der letzten Jahre, schließlich ist Englands Eliteklasse die zweifellos am meisten globalisierte Fußballliga. Die Besitzer der Klubs kommen aus aller Welt, wie auch die Arbeitskräfte auf dem Rasen. Und das Publikum schaut nicht nur in London oder Liverpool zu, sondern auch in Bangkok oder Boston. Einen Meistertitel hat abgesehen vom Schotten Alex Ferguson in der Premiere League kein britischer Trainer gewonnen. Im Zuge der Globalisierung galten sie im Vergleich zu ihren ausländischen Kollegen lange als unzeitgemäß und unterqualifiziert. 

Doch in den letzten zwölf Monaten hat sich die Situation deutlich verändert. Derzeit sind zehn von 18 Trainern in der Premiere League Briten, die Jobs in Everton und beim FC Arsenal sind im Moment nur interimistisch besetzt. Trainer wie Eddie Howe beim AFC Bournemouth und Sean Dyche in Burnley sind schon seit Jahren die entscheidenden Männer hinter den Erfolgsgeschichten ihrer Klubs. Frank Lampard war in dieser Woche der erste englische Trainer seit acht Jahren, der einen englischen Klub in der Vorrunde der Champions League in allen Gruppenspielen betreute und seine Mannschaft in die KO-Runde führte. Chris Wilder hält Aufsteiger Sheffield United mit erstaunlichen taktischen Ideen aus dem Abstiegskampf heraus, Brendan Rodgers ist mit Leicester City gerade Liverpools einziger echter Verfolger und das Urgestein Steve Bruce hat erstaunlicher Weise das dauerkriselnde Newcastle United stabilisiert. 

»Benebelnde Faszination für die mitgebrachte Armeen von Übersetzern und Missverständnissen«

Der Zauber der Fachkräfte aus Übersee hingegen ist leicht verflogen, wozu zuletzt Unai Emery beim FC Arsenal beigetragen hat. Über seine Sprachbemühungen witzelte der Guardian: »Gelegentlich vermittelten die Ergebnisse den Eindruck, als würde er das, was er sagt, durch eine Art Echtzeit-Google-Translate laufen lassen.« Derlei Geholper mag egal sein, wenn die Ergebnisse stimmen, was bei Arsenal aber nicht der Fall war. Der Spanier ist daher bei den Londonern inzwischen Geschichte, aber das gilt für die Faszination für Trainer mit begrenzter Mitteilungsfähigkeit ebenfalls.

»In jenen schwindelerregenden Anfangszeiten, als die ersten Manager aus Übersee ihre Flaggen wie Pilger in den Boden rammten, gab es eine benebelnde Faszination für die mitgebrachte Armeen von Übersetzern und Missverständnissen. In diesem Jahrzehnt hat sich unsere Geduld mit den Ausländern, die die Sprache der Königin meucheln, offensichtlich abgenutzt«, schrieb der Guardian.