Zum ersten Mal hat sich der Fan­szenen Deutschland”-Zusammenschluss, in dem die meisten Ultra­grup­pie­rungen des Landes ver­treten sind, zu den Vor­komm­nissen des ver­gan­genen Wochen­endes und wäh­rend des DFB-Pokals gemeldet. Aus dem von Funk­tio­nären erhofften Burg­frieden zwi­schen Fans, Ver­einen und Ver­bänden dürfte es damit nichts werden. Denn die Fans kün­digen an, sich nicht von Spiel­un­ter­bre­chungen abhalten lassen zu wollen, um für unsere Sache ein­zu­stehen”. Ganz kon­kret wird auch ange­kün­digt, Spiel­ab­brüche in Kauf nehmen zu wollen.

Kol­lek­tivstrafen und Dop­pel­moral

Als ein Haupt­grund für den anhal­tenden Pro­test wird das Fest­halten sei­tens des DFB an den Kol­lek­tivstrafen für Fans von Borussia Dort­mund genannt, die bis 2022 kein Aus­wärts­spiel in Sins­heim besu­chen dürfen. Aber die Ultras nennen wei­tere Gründe, wie die Zensur ver­schie­dener Pla­kate ohne Belei­di­gungen und werfen Ver­einen und Ver­bänden Dop­pel­moral vor. Das State­ment endet mit einem Fick dich DFB!”.

Die Mit­tei­lung der Fan­szenen Deutsch­land im Wort­laut:

Kol­lek­tivstrafen zum Schutze” eines Mil­li­ar­därs – der DFB zeigt erneut sein wahres Gesicht

In den ver­gan­genen Wochen wurde die Fuß­ball­öf­fent­lich­keit erneut Zeuge der Dop­pel­moral und Demo­kra­tie­feind­lich­keit der Ver­treter des soge­nannten modernen Fuß­balls“. Ihren Höhe­punkt erreichte die Absur­dität vor­erst am ver­gan­genen Wochen­ende.

Sich gegen­seitig über­tref­fend fabu­lierten Dietmar Hopp, Karl-Heinz Rum­me­nigge und der DFB selbst, neben abge­half­terten D‑Prominenten des Fuß­balls über Würde“, Moral“ und Respekt“. Die­selben Per­sonen, die im Falle Hopp daran arbeiten, dass der Fuß­ball der Zukunft von hoch­ge­züch­teten Retor­ten­ver­einen mit unkri­ti­schem Klatsch­pu­blikum beherrscht wird und der unge­be­tenen Mei­nungen gerne mit einem Hoch­fre­quenz­gerät begegnet, wel­ches Kör­per­ver­let­zungen nach sich zieht. Oder die, im Fall Rum­me­nigge, Trai­nings­lager in Katar abhalten, einem Land, wel­ches Men­schen­rechte und somit die oben erwähnten Werte mit Füßen tritt. Ein Land, wel­ches auch auf­grund der DFB-Funk­tio­näre die Welt­meis­ter­schaft 2022 aus­tragen wird. In Anbe­tracht der nicht auf­ge­klärten gekauften WM 2006 ist auch hier davon aus­zu­gehen, dass sich die Herren das einige teure Uhren haben kosten lassen.

Diese mora­lisch alles andere als inte­gren Per­sonen und Struk­turen wollen uns Fans nun erzählen, was Anstand ist und stören sich an der zuge­spitzten Wort­wahl, mit der wir unsere Kritik äußern. Nur, wenn es keine Mög­lich­keit gibt, grund­le­gende Ver­än­de­rungen im deut­schen Fuß­ball zu errei­chen, müssen wir eben zu dras­ti­scheren Maß­nahmen greifen. Dass es keine andere ziel­füh­rende Mög­lich­keit gibt, haben die von uns geführten Gespräche mit den Ver­bänden gezeigt, die letzt­lich nicht mehr waren als ein großer Schein­dialog.

Die tat­säch­liche Schande der ver­gan­genen Wochen liegt im Ver­halten der Ver­bände, allen voran des DFB. Zuerst wurden die öffent­lich­keits­wirksam aus­ge­setzten Kol­lek­tivstrafen wieder ein­ge­führt. Wohl­ge­merkt, in einer von einem Fuß­ball­ver­band geschaf­fenen Par­al­lel­justiz. Diese ver­fas­sungs­wid­rige Art der Bestra­fung ist mit unserem Ver­ständnis von Demo­kratie nicht in Ein­klang zu bringen. Indem der DFB diese nun wieder aus­spricht, offen­bart er nicht nur erneut sein ver­zerrtes Bild von Rechts­staat­lich­keit, son­dern beweist auch ein­drück­lich, dass er nur solange an Ver­än­de­rungen und Dialog inter­es­siert ist, solange sein Geschäft nicht ernst­haft gestört wird. Nicht einmal die wenigen Fan­or­ga­ni­sa­tionen, die noch mit dem DFB im Dialog stehen, wurden über die neue Linie” des Ver­bandes infor­miert, geschweige denn, deren Mei­nung ein­ge­holt. Der DFB zeigt wie­der­holt, dass er kein ernst­haftes Inter­esse an einem Dialog mit Fans ver­folgt. Unter Fritz Keller scheint sich auch hier leider nichts zum Posi­tiven ver­än­dert zu haben.

Dar­über hinaus sollen von nun an zum Wohle eines Mil­li­ar­därs sämt­liche Dis­kri­mi­nie­rungen“ und Belei­di­gungen“ sank­tio­niert werden, bei Wie­der­ho­lungen droht ein Spiel­ab­bruch. Eine Selb­stof­fen­ba­rung seiner eigenen Unab­hän­gig­keit lie­ferte der DFB bereits, in dem er im Vor­feld des Spiel­tags eine Ein­fluss­nahme von Ver­eins­funk­tio­nären und Abspra­chen zuließ. Der erste Spieltag mit dieser Rege­lung hat gezeigt, worum es den Ver­ant­wort­li­chen und dem DFB wirk­lich geht, um schlichte Zensur. Anders ist die Unter­bre­chung in Meppen nicht zu erklären. Auch, wenn die Ver­bände jetzt wieder ein Stück weit zurück­ru­dern, zeigt sich klar, in welche Rich­tung es gehen soll und wird.

Wir sind nicht gut­gläubig und waren es auch nie. Und so lassen wir uns auch diesmal nicht blenden. Es geht hier weder um anti­ras­sis­ti­sches Enga­ge­ment, noch um Dis­kri­mi­nie­rung und schon gar nicht um Anstand und Werte. In diesem Falle hätte sich der DFB in der Ver­gan­gen­heit ent­schie­dener, auch im eigenen Dunst­kreis, posi­tio­nieren müssen. Dieses geschah, wie zu erwarten nicht. Es geht schlichtweg um die Bekämp­fung unserer Fan­kultur und unserer Werte. Die Pro­fi­teure des Geschäfts Fuß­ball“ ver­su­chen mit diesem scheinbar ver­fäng­li­chen Thema die Fan­kurven zu spalten, um letzt­lich die aktiven Fan­szenen zu ent­fernen. Denn diese sind es, die stets den Finger in die Wunde legen und sich für demo­kra­ti­sche Ver­eine, effek­tive Mit­be­stim­mung im Fuß­ball, für den Erhalt der 50+1 Regel, für bezahl­bare Ein­tritts­karten und fan­ge­rechte Anstoß­zeiten ein­setzen und somit letzt­lich für das, was uns Fans die Iden­ti­fi­ka­tion mit diesem Sport noch halb­wegs gelingen lässt.

Aber dieses Enga­ge­ment ist dem DFB und seinen Ver­bün­deten ein Dorn im Auge, wel­chen es zu bekämpfen gilt. Diesen Kampf nehmen wir auch wei­terhin gerne an, denn wir haben keine andere Wahl, als ihn zu führen, wenn wir unseren Fuß­ball zumin­dest teil­weise noch erhalten wollen. Dieser Kampf kann pla­kativ, zuge­spitzt und pro­vo­kant geführt werden oder tief­gründig und dif­fe­ren­ziert – wichtig ist, dass wir ihn führen!

Denn wir Fans sind die Basis und die Seele des Fuß­balls und wir lassen uns weder von Kol­lek­tivstrafen, noch von Spiel­un­ter­bre­chungen davon abhalten, für unsere Sache ein­zu­stehen.

Wir for­dern und erwarten daher:

Kol­lek­tivstrafen abschaffen! Es wird Zeit, dass der DFB sein mit­tel­al­ter­li­ches Rechts­ver­ständnis für alle Zeit hinter sich lässt und Kol­lek­tivstrafen nicht nur aus­setzt, son­dern seine Rechts- und Ver­fah­rens­ord­nung dies­be­züg­lich ändert und damit das Instru­ment der kol­lek­tiven Bestra­fung abschafft. Im glei­chen Zuge erwarten wir die sofor­tige Auf­he­bung der gegen Borussia Dort­mund aus­ge­spro­chenen Zuschau­er­aus­schlüsse.

Die wirk­lich häss­li­chen Gesichter des Fuß­balls bekämpfen! Der Fuß­ball ist kaputt. Wirt­schaft­liche Inter­essen werden hofiert, das System sorgt dafür, dass reiche Clubs immer rei­cher werden, in den Ver­bänden steht Kor­rup­tion an der Tages­ord­nung und um Men­schen­rechts­ver­let­zungen schert man sich einen Dreck. Nicht erst seit den Foot­ball Leaks“- Ent­hül­lungen ist bekannt, dass Ver­bände und Ver­eine sich an diesen Zuständen nicht stören – im Gegen­teil, sie för­dern sie sogar. Hier muss end­lich gegen­ge­steuert werden, sollte den Herren wirk­lich etwas am Fuß­ball liegen!

Wer nur am maxi­malen Profit ori­en­tiert ist, Werte des­halb nur zu seinem (Wettbewerbs-)Vorteil benennt und sich mit jah­re­langer Kritik von Fans nicht ehr­lich aus­ein­an­der­setzt, macht sich lächer­lich, wenn er sich als Hüter der Moral insze­niert. Wir Fans werden die Praxis vom letzten Spieltag nicht ein­fach so hin­nehmen und im Zweifel weiter Unter­bre­chungen und auch Abbrüche in Kauf nehmen.

Fick dich DFB!

Fan­szenen Deutsch­lands im März 2020