Wer sind die Favo­riten?
Allein aus his­to­ri­schen Gründen sollte man den 1. FC Nürn­berg auf der Rech­nung haben. Die Franken sind nicht nur der Rekord­ab­steiger der ersten (achtmal), son­dern auch Rekord­auf­steiger der zweiten Liga (sie­benmal) – wobei sie sich letz­teren Titel noch mit Arminia Bie­le­feld teilen müssen. Viermal schaffte der FCN den direkten Wie­der­auf­stieg, der neue Coach Valé­rien Ismael geht fest von Nummer fünf aus: Für uns kann das Ziel natür­lich nur der Wie­der­auf­stieg sein.“ Die Vor­aus­set­zungen stimmen, der Kader der Franken hat einen Markt­wert von 23,5 Mil­lionen Euro – Liga­spitze.

In besagter Liste folgen dem FCN übri­gens For­tuna Düs­sel­dorf, der 1. FC Kai­sers­lau­tern, die SpVgg Greu­ther Fürth, der TSV 1860 Mün­chen und Ein­tracht Braun­schweig. Genau die Ver­eine, die wohl auch zum erwei­terten Favo­ri­ten­kreis der Liga zählen. Wun­der­dinge darf man von den Mün­chener Löwen erwarten. Deren neuer Trainer Ricardo Moniz erklärte jeden­falls kürz­lich bei Sky: Wir müssen Meister werden, fertig. So ein­fach ist das.“

Natür­lich wollen wir auch die Wun­der­tüte aus Leipzig auf der Rech­nung haben. Doch ist das Team wirk­lich schon so weit, um ernst­haft ins Auf­stiegs­rennen ein­zu­greifen? Nein, wenn man einer Umfrage unter den Zweit­liga-Trai­nern glaubt. Nur zwei legten sich auf Leip­zigs Auf­stieg fest.

Was machen die Absteiger?
Kann man beim 1. FC Nürn­berg über­haupt noch vom selben Team wie im ver­gan­genen Jahr spre­chen? 15 Neue ersetzen 17 Abgänge. Die großen Fragen sind: Kommen die Stur­m­ein­käufe Peniel Mlapa, Jakub Syl­vestr und Niclas Füll­krug gemeinsam auf die Tor­quote von Josip Drmic, der in Lever­kusen anheu­erte? Wer ver­wan­delt Stan­dards so kon­se­quent zu tor­ge­fähr­li­chen Szenen wie Neu-Han­no­ve­raner Hiroshi Kiyotake? Und läuft Jan Polak wieder zur Form seines ersten Enga­ge­ments im Fran­ken­land auf?
In Braun­schweig war der Ader­lass kleiner. Der Abgang meh­rerer Stamm­kräfte tat weh, aber zumin­dest auf der Trai­ner­bank ist mit Torsten Lie­ber­knecht wei­terhin Kon­stanz. Die Ein­tracht muss sich nicht kom­plett neu erfinden.

Welche Chancen haben die Neu­linge?
Der 1. FC Hei­den­heim stieg sou­verän als Tabel­len­erster in die zweite Liga auf, 2007 spielte der Klub noch in der Ober­liga Baden-Würt­tem­berg. Trotzdem: Die Mann­schaft des ehe­ma­ligen Aachen-Profis Frank Schmidt dürfte es schwer haben. Es wird nur wenige Mann­schaften geben, die am Schluss froh sind, wenn sie drei andere Teams hinter sich gelassen haben“, erklärte Schmidt kürz­lich, der ein Team ohne echten Star aufs Feld schickt. Iden­ti­fi­ka­ti­ons­figur und Leis­tungs­träger ist Kapitän Marc Schnat­terer, den die Fans lie­be­voll MS7“ nennen und so Hei­den­heim einen Hauch von Cris­tiano Ronaldo ver­passen. Anders als in Madrid geht es für die Auf­steiger aber nicht um Zau­ber­fuß­ball, son­dern ums Drin­bleiben.

Über diesen Vor­satz kann man bei RB Leipzig nur lachen. Bei den Rasen­ball­sport­lern“ sieht man die zweite Liga nur als Durch­gangs­sta­tion. Das Bus-Kenn­zei­chen des Brause-Fabri­kanten lautet L‑RB-21, dem­entspre­chend schnell soll es in die Bun­des­liga und Europa gehen. Dafür haben Sport­di­rektor Ralf Rang­nick und Trainer Alex­ander Zor­niger keine Kosten gescheut. Stolze elf Mil­lionen Euro gab RB für Neu­zu­gänge aus, wei­tere Inves­ti­tionen bis Ende August sind nicht aus­ge­schlossen. Etwa genau so viel inves­tierte der Rest der Liga zusammen in seine Kader. Zahlen sich die Inves­ti­tionen direkt aus? Nach dem Auf­takt­pro­gramm (Aalen, 1860 Mün­chen, Aue, FSV Frank­furt) wissen wir mehr.

Dra­ma­ti­scher als Darm­stadt 98 kann man das Ticket für die zweite Bun­des­liga nicht lösen. Erst in der 122. Minute des Rele­ga­tions-Rück­spiels gegen Biel­feld häm­merte der ein­ge­wech­selte Elton da Costa die Lilien“ in die Zweit­klas­sig­keit. Mit dem Klas­sen­er­halt könnte es sich weniger eupho­risch ver­halten: Zwar ver­län­gerte Tor­jäger Dominik Stroh-Engel seinen Ver­trag, als echte Ver­stär­kungen holte Darm­stadt aber nur Dres­dens Roman Bre­gerie und Chris­tian Wetklo. Wenige Tage vor dem Sai­son­start löste der Verein den Ver­trag mit dem ehe­ma­ligen Mainzer Tor­hüter aber auf, es gab wohl interne Dif­fe­renzen. Trainer Schuster appel­liert für das große Ziel Nicht­ab­stieg an den Zusam­men­halt: Wir sind das kleine gal­li­sche Dorf – so wie wir es in der letzten Saison auch waren. Das ist keine Situa­tion, mit der wir unzu­frieden sind.“

Wer ist der Rekord­transfer?
Der Ein­kauf von Mas­simo Bruno und die Gerüchte um Marvin Compper prä­de­sti­nieren die Geld­ver­teiler aus Leipzig zum Titel des Trans­fer­krösus. Doch zum Kauf­haus des Ostens später mehr. In anderen Euro-Sphären hat sich Nürn­berg mit Jakub Syl­vestr die Dienste des Vor­jahres-Tor­schüt­zen­könig gesi­chert, Greu­ther Fürth den Publi­kums­lieb­ling Ste­phan Schröck zurück­ge­holt und der Karls­ruher SC Hiroki Yamada ver­pflichtet, mög­li­cher­weise der nächste Durch­starter aus Japan. Das klingt dann auch schon mehr nach Zweit­li­ga­trans­fers.

Gibt es alte Bekannte?
21 Jahre nach dem Abstieg aus der 2. Liga ist Darm­stadt 98 end­lich wieder im Unter­haus ange­kommen. Neben dem Kampf um den Klas­sen­er­halt und einigen Wie­der­se­hens-Aus­wärts­fahrten gibt es einen wei­teren Saison-Pro­gramm­punkt: In der ewigen Zweit­li­ga­ta­belle liegen die Lilien näm­lich immer noch auf einem akzep­ta­blen 14. Platz. 18 Punkte fehlen auf Duis­burg, 26 auf den 1. FC Saar­brü­cken und und 47 auf die SG Wat­ten­scheid 09. Pro­gnose: Darm­stadt klet­tert in Rich­tung Top 10.

Außerdem gibt Valé­rien Ismael bei Nürn­berg sein Chef­trainer-Debüt. Der wort­ge­wandte Fran­zose war in seiner Kar­riere immer ein zuver­läs­siger Ver­tei­diger – wenn das Knie mit­spielte. Das wird an der Sei­ten­linie glück­li­cher­weise nicht über­mäßig bean­sprucht.

Wer ist der Dau­er­gast?
Wie sind die Schiris so?“, Nach Düs­sel­dorf besser fliegen oder den Bus nehmen?“ oder Wo sind die Toi­letten?“: In Mün­chen kann man alle Fragen zur Zweit­klas­sig­keit kom­pe­tent beant­worten. Seit 2004 ist 1860 nun schon in der Liga, die Löwen gehen somit in ihre elfte Saison, eine Kon­stante zwi­schen all den Fahr­stuhl­mann­schaften. Aber natür­lich wartet man an der Isar trotz Hei­mat­ge­fühlen auf den ganz großen Wurf und will den Titel des Dau­er­gastes“ lie­bend gerne los­werden.

Wer ist der Zank­apfel?
RB Leipzig. Warum? Besser als Tagesspiegel“-Kollege Stefan Her­manns kann man es nicht aus­drü­cken: Der Verein ist nicht aus Liebe zum Sport, aus Barm­her­zig­keit für die nach pro­fes­sio­nellem Fuß­ball dürs­tende Stadt Leipzig gegründet worden – er dient allein als Mar­ke­ting­in­stru­ment für das Pro­dukt Red Bull. Nie ist ein Fuß­ball­klub in Deutsch­land derart unver­froren zu Wer­be­zwe­cken miss­braucht worden wie RB Leipzig. Red Bull hat die Lücken im System gesucht, gefunden und schamlos aus­ge­nutzt. Der Klub nutzt Mög­lich­keiten, die seine Kon­kur­renten gar nicht haben können und ver­schafft sich auf diese Weise einen ent­schei­denden Wett­be­werbs­vor­teil.“

Wel­ches Sta­dion darf man nicht ver­passen?
Mit dem Auf­stieg von Darm­stadt 98 bekommt die Liga eine neue Spiel­stätte dazu: Das Sta­dion am Böl­len­falltor. Schon von weitem erheben sich die vier großen Flut­licht­masten in den Darm­städter Himmel. Betritt man nach län­gerem Fuß­marsch durch ein Wald­ge­biet den Gäs­te­block, fühlt man sich in eine andere Zeit zurück­ver­setzt. Weite Steh­platz­ränge, nur die Haupt­tri­büne ist über­dacht, Bier und Wurst werden aus kleinen Hütten ver­kauft. Im Sommer hat die Stadt das 1921 eröff­nete Sta­dion für 2,2 Mil­lionen auf­hüb­schen lassen. Dar­unter fielen vor allem der Einbau einer Rasen­hei­zung, der Aus­tausch der Rasen­fläche, die Über­da­chung der Roll­stuhl­fah­rer­plätze und der Aus­tausch der Dixi-Klos im Gäs­te­be­reich gegen fest instal­lierte Toi­let­ten­an­lagen. Auch die Stim­mung am Böl­len­falltor kann sich hören lassen. Zwar geht im Gäs­te­block wegen des feh­lenden Daches ein biss­chen Dampf ver­loren, Charme hat das Sta­dion trotzdem. Spä­tes­tens im Herbst 2015 soll das alte Böl­len­falltor einer modernen Arena wei­chen. Des­halb umso drän­gender: Der Sta­di­on­be­such in Darm­stadt ist ein Muss der kom­menden Zweit­li­ga­saison.

Für welche Spiele sollte man sich frei­nehmen?
Liga­über­grei­fend sollte man diese drei Par­tien aber kei­nes­falls ver­passen: Da ist an erster Stelle natür­lich das Fran­ken­derby. 11,3 Kilo­meter liegen die Sta­dien vom 1. FC Nürn­berg und der SpVgg Greu­ther Fürth aus­ein­ander. 1900 bzw. 1903 gegründet, ent­wi­ckelte die beiden Klubs schnell eine beson­dere Riva­lität. Eine der bekann­testen Anek­doten: Zu einem Län­der­spiel 1924 gegen die Nie­der­lande waren in der deut­schen Natio­nal­mann­schaft aus­schließ­lich Nürn­berger und Für­ther Spieler nomi­niert. Obwohl Deutsch­land gewann, ver­brachten die Natio­nal­spieler die Rück­fahrt in nach Ver­einen getrennten Zug­ab­teilen. Nürn­berg dürfte diese Saison extrem moti­viert sein: Von den ver­gan­genen vier Duellen verlor der Club zwei, dazu gab es zwei Remis.

Als wei­teres Spiel mit einer Menge Zünd­stoff wollen wir euch den Klas­sen­kampf zwi­schen dem FC St. Pauli und RB Leipzig ans Herz legen. Kiez-Klub trifft auf Mil­lionen-Kon­zern. Das könnte lustig werden.

Übri­gens: Zum Start der Zweit­li­ga­saison darf sich der Fan auf einen Klas­siker freuen. Am Frei­tag­abend emp­fängt For­tuna Düs­sel­dorf den Absteiger aus Braun­schweig. Zwei Ver­eine mit einer Menge Iden­ti­fi­ka­tion, zahl­rei­chen Fans und ganz pas­sa­blen Mann­schaften. Vor ziem­lich genau zehn Jahren (6. August 2004) trafen beide Ver­eine noch in der Regio­nal­liga Nord auf­ein­ander. End­stand damals: 3:1 für For­tuna. Zuschauer: 6.800. Am Freitag dürften ein paar mehr zuschauen.

Mit wel­cher Trai­ner­type kann man gut ein Bier trinken?
Ganz klar Frank Schmidt. Der Hei­den­heimer über­zeugte schon in Aljoschas Pauses Doku Trainer“ als unnach­gie­biger Antreiber und vom Ehr­geiz zer­fres­sener Cha­rak­ter­kopf. Beim Mau-Mau-Spiel, so die Legende, brach seine Tochter in Tränen aus, weil sie Runde um Runde verlor. Papa Schmidt lässt eben nie­manden aus Mit­leid gewinnen Wenn ich spiel, dann gibt’s nichts zu ver­schenken!“ So viel Vater­liebe muss belohnt werden. Das erste Bier geht auf uns!