Müssen die Deut­schen sich vor den USA fürchten?
Lässt man die güns­tige Kon­stel­la­tion außer Acht, dass die Natio­nal­mann­schaft sich viel­leicht sogar eine knappe Nie­der­lage erlauben darf: im Prinzip ja. Vor einem Jahr haben die Deut­schen zuletzt gegen die Klins­mann­schaft gespielt und in Washington 3:4 ver­loren. Von den damals ein­ge­setzten sieb­zehn Spie­lern haben es aller­dings nur sechs in den aktu­ellen WM-Kader von Bun­des­trainer Joa­chim Löw geschafft. Bei Welt­meis­ter­schaften ist die Bilanz der Deut­schen sogar noch poren­tief rein: zwei Spiele (1998, 2002), zwei Siege, 3:0 Tore. Trotzdem werden die Ame­ri­kaner“ (DFB-Jargon) als extrem unan­ge­nehm ein­ge­schätzt. Das hat natür­lich auch etwas mit ihrem Trainer Jürgen Klins­mann zu tun. Ame­rika lebt in starker Weise von der Aggres­si­vität“, sagt Löw. Wir haben unseren Spie­lern deut­lich gemacht, in wel­chem Maße sie atta­ckieren. Da müssen wir in der Lage sein, uns zu hun­dert Pro­zent zu wehren.“ Ein junges und aggres­sives Team hat sich der frü­here Bun­des­trainer Klins­mann geschaffen, das aber auch tak­tisch und spie­le­risch Fort­schritte gemacht hat. Man hat gesehen, wie sie mar­schieren“, sagt Team­ma­nager Oliver Bier­hoff. Und der Jürgen wird sie schon heiß machen.“ Davon ist aus­zu­gehen.

Wie gut sind die Deut­schen wirk­lich?
Mats Hum­mels hat das wahre Leis­tungs­ver­mögen der Natio­nal­mann­schaft irgendwo zwi­schen dem Por­tugal- und dem Ghana-Spiel“ ver­ortet. An dieser Ein­schät­zung ist wenig aus­zu­setzen, weil die Spanne zwi­schen den beiden Auf­tritten so groß ist, dass sich irgendwo dazwi­schen in der Tat ein schönes Plätz­chen finden lassen sollte. Es gehört zum Wesen einer Welt­meis­ter­schaft, dass die öffent­liche Mei­nung sehr stark vom Moment geprägt wird. Nach dem 4:0 zum Auf­takt waren die Deut­schen auf dem besten Weg, die inter­pla­ne­ta­ri­sche WM locker für sich zu ent­scheiden; seit dem 2:2 gegen Ghana sind sie wieder ein poten­zi­eller Ach­tel­fi­nal­aus­scheider. Ich bin guter Dinge, dass wir den für uns per­fekten Weg finden“, sagt Hum­mels.

Mög­li­cher­weise hilft ihnen sogar das müh­se­lige Spiel gegen die Gha­naer. Die Geschichte großer Tur­niere zeigt, dass Mann­schaften, die regel­recht durch die Vor­runde rau­schen, beim ersten Zei­chen echten Wider­stands nichts zuzu­setzen haben. Siehe: EM 2012, Deutsch­land gegen Ita­lien. Die Geschichte großer Tur­niere zeigt aber auch das Gegen­teil: Wer sich einmal richtig schwer­getan hat, findet gar nicht mehr zur nötigen Leich­tig­keit. Im deut­schen Lager ist man geneigt, die Ange­le­gen­heit eher positiv zu betrachten. Co-Trainer Flick sagt: Die Mann­schaft hat erfahren, dass sie auch beißen muss, wenn alles nicht so rund läuft.“ Die span­nende Frage wird sein, ob auch das Trai­ner­team beißen kann, wenn es nicht so rund läuft.

Muss es per­so­nelle Ver­än­de­rungen geben?
Wenn man die Signale aus der Heimat richtig deutet, bildet sich in Deutsch­land gerade ein Flashmob, der Philipp Lahm aus dem Mit­tel­feld mobben will. Die Mühe kann man sich sparen. Der Kapitän wird sich auch heute wieder vor der Vie­rer­kette ein­ordnen. Ver­än­de­rungen wird es allen­falls um ihn herum geben. Muss es nach den Erfah­rungen aus dem Ghana-Spiel auch. Hans-Dieter Flick hat sich im Blick zurück einen ver­rä­te­ri­schen Ver­spre­cher geleistet: Es war nicht so schlecht, wie das sein sollte“. Ent­schei­dend ist, dass es besser wird, gerade im Mit­tel­feld. Die Frage ist nur: mit wem?

Sami Khe­dira hatte gegen Ghana mehr mit seinem eigenen Körper zu kämpfen als mit seinen Gegen­spie­lern. Für Bas­tian Schwein­s­teiger, der für Khe­dira ein­ge­wech­selt wurde, gilt im Grunde das Gleiche. Zwanzig Minuten stand er auf dem Platz. Anschlie­ßend sah er so aus, als hätten es auch nicht sehr viele Minuten mehr werden dürfen. Einen Rekon­va­les­zenten durch einen anderen Rekon­va­les­zenten zu ersetzen, ist gegen ein phy­si­sches Team wie die USA ganz sicher nicht das schlüs­sigste Kon­zept. Schlüssig wäre es, den jungen Glad­ba­cher Chris­toph Kramer in die Startelf zu beför­dern – einen Spieler, der kör­per­liche Erschöp­fung nur vom Hören­sagen kennt.

Wie wird das Wetter?
Per Mer­te­sa­cker blickte aus dünnen Schlitzen in die Welt, die Worte kul­lerten eher aus seinem Mund, als dass er sie bewusst aus­sprach. Andert­halb Stunden nach dem Spiel gegen Ghana wirkte der deut­sche Innen­ver­tei­diger nur noch müde, sehr, seeeehr müüüüüüüüde. Und er war defi­nitiv nicht der Ein­zige. Die schlechte Nach­richt für die Deut­schen: Die Bedin­gungen in Recife werden noch ein biss­chen schärfer sein als am Wochen­ende in For­ta­leza. Das Spiel wird drei Stunden früher, also zur Mit­tags­zeit, ange­pfiffen. Immerhin sind neben son­nigen Abschnitten auch Wolken und Schauer ange­sagt – bei 29 Grad und 70 Pro­zent Luft­feuch­tig­keit.