Herr Münch, kennen Sie noch Aca­ten­ango, den berühm­testen Galopper der acht­ziger Jahre?
Klar, das ist so, als würden Sie mich nach Franz Becken­bauer fragen.

Sind Sie denn früher schon in der Sport­schau beim Galopper des Jahres“ hängen geblieben?
Ich bin zwar als Kind ein biss­chen geritten, aber wäh­rend der Kar­riere habe ich keine Zeit mehr gehabt. Im Fern­sehen habe ich manchmal die Tele­wette“ geschaut, das war alles.

Sie hatten also nicht schon länger den Plan, einen Renn­stall zu gründen?
Nein, ich wollte nur auf dem Höhe­punkt auf­hören, und die Zeit bei Pan­athi­naikos Athen in der Cham­pions League war für mich das höchste Level. Als ich dort relativ spontan mit dem Fuß­ball auf­ge­hört habe, gab es keinen Plan B. Die Pferde kamen ein, zwei Jahre später.
Wann sind Sie erst­mals mit dem Galopp­sport in Kon­takt gekommen? Als ich bei Borussia Mön­chen­glad­bach spielte, habe ich in Düs­sel­dorf ganz nah am Gra­fen­berg gewohnt. Wenn sonn­tags kein Trai­ning war, bin ich mit meiner Familie immer auf die Galopp­renn­bahn gegangen. Ein­fach, um eine Brat­wurst zu essen und eine gute Zeit zu haben. So um 2002 hat mir ein Freund die Hälfte eines Pferdes geschenkt, damit war ich plötz­lich Mit­be­sitzer. Weil ich damals aber noch Fuß­ball spielte, habe ich Basimah relativ selten gesehen.

Zurück aus Grie­chen­land änderte sich das?
Ja, ich hatte plötz­lich viel mehr Zeit, habe das Pferd öfter besucht und war fas­zi­niert, als ich fest­stellte, dass Galopp ein rich­tiger Leis­tungs­sport ist. Da hat mich der alte Ehr­geiz gepackt, gewinnen zu wollen.

Was mussten Sie erlernen, um Ihren heu­tigen Job machen zu können?
Ich habe 2006 in Köln-Wei­den­pesch den ganz nor­malen Trai­ner­lehr­gang besucht. Weil ich keine rich­tige Erfah­rung hatte, habe ich die Kon­takte zu Jockeys genutzt, die ich aus meiner Pro­fi­zeit kannte. Ich habe mir Trai­nings­quar­tiere in ganz Europa ange­schaut und von jedem Trainer etwas mit­ge­nommen. Ich war auch mit Andreas Schütz befreundet, der später als Trainer nach Hong­kong gegangen ist. Sein dama­liger Stall­jo­ckey Andrasch Starke ist heute das Maß aller Dinge in Deutsch­land.

Ihr Stall MM-Racing resi­diert heute auf der Galopp­renn­bahn in Frank­furt-Nie­derrad. Wie groß ist er inzwi­schen?
Wir haben mit zwei, drei Pferden in Mann­heim ange­fangen, waren gleich im ersten Jahr unwahr­schein­lich erfolg­reich und sind immer größer geworden. Im Moment haben wir 32 Pferde im Trai­ning, über­wie­gend junge. Unsere Phi­lo­so­phie ist es, Talente zu ent­de­cken, sie aus­zu­bilden und auf grö­ßere Events vor­zu­be­reiten.

Das hätte in abge­wan­delter Form auch ein Bun­des­li­ga­ma­nager sagen können.
Da gibt es durchaus Par­al­lelen. Wenn in Baden-Baden die Jähr­lings­auk­tion statt­findet, kommt der Zucht­ex­perte von einem Scheich ein­ge­flogen und sucht sich die vier, fünf teu­ersten heraus. Für uns ist es deut­lich schwie­riger, Talente im unteren Seg­ment zu finden und einen Treffer zu landen. Wir sind sozu­sagen der SC Frei­burg, Scheich Al Maktum aus Dubai ist Bayern Mün­chen.

Gibt es denn Ideen, die Sie aus dem Fuß­ball auf den Galopp­sport über­tragen konnten?
Vor zwanzig Jahren wurde im Fuß­ball über Lak­tat­wert-Mes­sungen gelacht. Ich hatte die Idee, das auch mal bei unseren Pferden zu messen – und wir haben das dann auch ver­sucht. Es exis­tieren aber ins­ge­samt zu wenige Werte, die man ver­glei­chen kann. Wenn wir im Trai­nings­alltag mehr Zeit hätten, würden wir das öfter machen.

Was war Ihr größter Erfolg?
Wir haben mal ein Pferd günstig erworben und zwei Jahre später nach Frank­reich an André Fabre ver­kauft, einen der renom­mier­testen Trainer in Europa. Jetzt ist Intarsia Teil seiner Mut­ter­auf­zucht­s­herde in Paris.

Sie sind nicht der ein­zige Fuß­baller, der sich für Galopp­sport begeis­tert. Was ist daran eigent­lich so fas­zi­nie­rend?
Stimmt, ich sehe Klaus Allofs alle paar Wochen auf der Renn­bahn. Er ist schon seit Jahr­zehnten in diesem Sport zu Hause. Claudio Pizarro und Thomas Müller haben ein paar Pferde in Mün­chen stehen. In Eng­land, wo der Sport eine andere Tra­di­tion hat, gibt es kaum einen Fuß­baller, der kein Renn­pferd hat. Die große Kunst an diesem Sport ist es, am Pferd abzu­lesen, was es in diesem Moment braucht. Das Schöne ist, dass klei­nere Stal­lungen immer wieder die Chance haben, die großen zu schlagen.

Sind die Farben Ihres Stalls eigent­lich vom Fuß­ball beein­flusst?
Das waren sie wirk­lich, anfangs hatten wir ein schwarzes Trikot mit einem grünen Klee­blatt, inspi­riert von Pan­athi­naikos. Inzwi­schen haben wir seit Jahren blau-rote Rauten, das ist aber kein Bay­ern­trikot.

Sie wurden 2011 im Stall von einem Pferd getreten und lan­deten auf der Inten­siv­sta­tion. Ist ihr neuer Beruf gefähr­li­cher als Ihr alter?
Wer mit Pferden arbeitet, ist nie sicher. Ein Pferd kann zehn Jahre lang brav sein und irgend­wann erschreckt es sich und tritt nach hinten aus. Ich konnte mich zwar noch weg­drehen, hatte aber drei Rip­pen­brüche. Nicht so dra­ma­tisch eigent­lich, die Wucht war jedoch so groß, dass ich ein Leber­hä­matom bekam. Dadurch bestand die Gefahr, dass die Leber platzt, und so stand ich etwas länger unter Beob­ach­tung. Es hat mich aber nicht abge­schreckt.