Ros­tyslav Fook, Sie sind mit Ihrer Band Los Colo­rados“ momentan auf Tour durch Deutsch­land. Ges­tern waren Sie im ZDF Sport­studio, davor sind Sie bei der Musik­sen­dung The Dome“ auf­ge­treten. Für Jungs aus einem 634-Ein­wohner-Dorf ist das bestimmt auf­re­gend?
Ros­tyslav Fook: (lacht) Die alte Geschichte mit dem Dorf Tetyl­kivtsi.

Was hat es damit auf sich?
Ros­tyslav Fook: Wir machen ja eine Art Polka-Folk-Punk, singen über Ackerbau, Trak­toren, Abhängen im Feld. Also schmückten wir einen Teil unserer Vita ein wenig aus. Wir nannten uns fortan the boys from the vil­lage of Tetyl­kivtsi“. Jeder kann natür­lich mit einem Klick im Internet fest­stellen, dass wir aus Tern­opil kommen. Doch wir mögen die Geschichte, diese Legende: Die Jungs vom Land, die Jungs aus Tetyl­kivtsi! Immerhin stammt Olek­sandr aus einem Ort in der Nähe von Tetyl­kivtsi.

Wo liegt Tetyl­kivtsi denn, Olek­sandr Drachuk?
Olek­sandr Drachuk: In der West­ukraine, circa 120 Kilo­meter ent­fernt von Lwiw, 50 Kilo­meter von Tern­opil. Eigent­lich sind wir dem Dorf auch ein Kon­zert schuldig. Das Pro­blem: Du kommst da nicht mit einem gewöhn­li­chen Auto hin, du brauchst einen Jeep mit großen Reifen. Ich war vor einiger Zeit sogar mal dort. Die Ein­wohner fragten mich: Wer ist denn diese Band, die unser Dorf so berühmt macht? (lacht)

In wenigen Tagen beginnt die EM. Wie stehen die Chancen der Ukraine?
Ros­tyslav Fook: Wir errei­chen das Finale, oder?! (lacht) Außerdem hoffe ich auf ein span­nendes Tur­nier. Und dass die Fans die Ukraine in guter Erin­ne­rung behalten.

Sie haben mit Ihrer Band das Lied I like to move it“ von Reel To Reel geco­vert. Nun ist dieser Song die offi­zi­elle EM-Song des ZDF. Wie kam es dazu?
Ros­tyslav Fook: Wir hatten zuvor mit dem Hot n Cold“-Cover von Kate Perry einen kleinen Hit. Das Lied haben wir einst in einem lokalen TV-Studio per­formt. Über You­tube erzielte das Video in Win­des­eile außer­or­dent­lich viele Auf­rufe. Das ZDF ist dann auf uns auf­merksam geworden. Wir trafen uns schließ­lich mit einem Film­team in Kiew, tauschten Geschenke aus und drehten im Früh­sommer das Video zu I like to move it“.

Sie haben zusammen mit Detelv Buck gedreht.
Ros­tyslav Fook: Das war super. Wir drehten in einem großen Son­nen­blu­men­feld, in das die Crew vorher ein Fuß­ball­feld mähte. Das war ver­dammt anstren­gend. Weil das erste Feld die fal­schen Maße hatte, musste ein zweites gezo­egen werden.
Olek­sandr Drachuk: Ja, das war echte Arbeit.
Ros­tyslav Fook: Ja, aller­dings nicht für uns. (lacht)

Mögen Sie eigent­lich Fuß­ball-Tur­nier-Songs?
Ros­tyslav Fook: Was sind Fuß­ball-Tur­nier-Songs?

Lieder, die extra zu seiner EM oder WM geschrieben. Zuletzt bekamen wir den Song Lasst die Bälle hüpfen“ von Matze Matratze feat. Steffi zuge­schickt. 
Ros­tyslav Fook: So was gibt es bei uns auch, klar. Aber das Radio spielt sie. Haupt­sache es geht um die EM oder Fuß­ball.

Wie finden Sie Three Lions (Foot­ball’s coming home)“ von den Light­ning Seeds?

Ros­tyslav Fook: Nun, es ist nicht schlecht, aber zu kom­pli­ziert. Kom­pli­zierter als das Spiel an sich. Zu eng­lisch.

Wussten Sie, dass es in Deutsch­land Fuß­baller gibt, die Lieder auf­nehmen? Bei frü­heren Welt- oder Euro­pa­meis­ter­schaften war es sogar üblich, dass die gesamte Natio­nalelf einen Song im Studio ein­sang.
Ros­tyslav Fook: Absurd.

Von Andrei Shev­chenko ist das nicht zu erwarten?
Ros­tyslav Fook: Nein. Ich bin mal gespannt, wie er sich macht. Unser Lieb­lings­spieler ist aller­dings Ana­toliy Tymosh­chuk.

Auch kein Sänger?
Ros­tyslav Fook: Nein. Aber jetzt erin­nere ich mich an eine ähn­lich gro­teske Epi­sode. Wir hatten mal einen Bür­ger­meister, der ein ganzes Musik­album auf­nahm. Eines Tages stand er auf einem Podium und hielt eine poli­ti­sche Rede. Alle hörten gebannt zu. Plötz­lich blickte er auf und sagte: Das war’s. Nun ein biss­chen Musik.“ Und dann fing er an zu singen.

Was pas­sierte mit ihm?
Ros­tyslav Fook: Man hat ihn nie wieder gesehen.

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Das Album Move It!“ ist bei Motor Music erschienen und ent­hält neben I like to move it“ auch Cover­ver­sionen des Ramm­stein-Songs Du hast“ und MC Ham­mers U can’t touch this“. Mehr Infos auf der offi­zi­ellen Web­site von Los Colo­rados.