An seinem ersten Arbeitstag als neuer Uefa-Prä­si­dent hatte Alek­sander Ceferin gleich einen traum­haften Aus­blick. Das Exe­ku­tiv­ko­mitee des euro­päi­schen Fuß­ball-Ver­bands kam am Don­nerstag im luxu­riösen Astir Palace Hotel süd­lich von Athen zusammen. Und vom Kon­fe­renz­raum blickten der Slo­wene und seine Uefa-Kol­legen direkt auf die dun­kel­blauen, in der Sonne glit­zernden Wellen des Saro­ni­schen Golfes und den hell­blauen, wol­ken­losen Himmel.

In dieser ange­nehmen Atmo­sphäre bot sich Ceferin die Gele­gen­heit, einem Gast der Sit­zung spe­zi­elle Auf­merk­sam­keit zu schenken: Andrea Agnelli. Der Prä­si­dent von Juventus Turin gehört als Vor­stands­mit­glied der Euro­pean Club Asso­cia­tion (ECA) an, der Ver­ei­ni­gung der füh­renden euro­päi­schen Ver­eine. Und er ist Mit­glied im Uefa-Exe­ku­tiv­ko­mitee. Agnelli und die anderen Chefs der großen Klubs werden der­zeit von der Uefa beson­ders umgarnt.

Die Uefa will die guten Bezie­hungen mit den nam­haften Ver­einen auf­recht­erhalten

Sprach man rund um den Kon­gress mit hohen Ver­bands­funk­tio­nären, so ging es schnell immer wieder um ein Thema: Die Uefa müsse unbe­dingt die guten Bezie­hungen mit den nam­haften Ver­einen auf­recht­erhalten, sagten sie. Das sei die wich­tigste Auf­gabe für den neuen Prä­si­denten, der am ver­gan­genen Mitt­woch gewählt wurde.

Denn es geht ein Gespenst um im euro­päi­schen Fuß­ball: Es heißt Super­liga. Eine Liga, in der sich die größten Ver­eine des Kon­ti­nents zusam­mentun und nur noch gegen­ein­ander spielen. Eine Liga, die welt­weit gran­dios ver­marktet werden könnte. Eine Liga, die den Klubs astro­no­mi­sche Ein­nahmen bescheren würde – und die die Cham­pions League kolossal abwerten würde. Die Super­liga würde der Cham­pions League jede Bedeu­tung ent­reißen. Das Inter­esse an dem Pre­mi­um­wett­be­werb der Uefa würde zusam­men­bre­chen, wenn Ver­eine wie Real Madrid, der FC Bar­ce­lona, Man­chester City und Bayern Mün­chen dort nicht mehr antreten, weil sie in einer eigenen, noch ein­träg­li­cheren Liga spielen, für die sie sich außerdem nicht jedes Jahr aufs Neue qua­li­fi­zieren müssten.

Eine Super­liga wird immer wahr­schein­li­cher

Die Idee einer Super­liga kam in den ver­gan­genen Jahren bereits häufig auf, wirk­lich kon­kret war sie jedoch nie. Damit ist es nun vorbei. Es gibt zahl­reiche Hin­weise, dass eine Super­liga in naher Zukunft immer wahr­schein­li­cher wird. Das zeigt sich vor allem an der Angst vieler Uefa-Funk­tio­näre, ihre lukra­tivsten Gewinn­bringer zu ver­lieren, näm­lich die großen Ver­eine. Nicht umsonst wählten sie zuletzt dras­ti­sche Worte. Als Krieg gegen die Uefa“, bezeich­nete Ceferin eine mög­liche Super­liga. Und der unter­le­gene Prä­si­dent­schafts­kan­didat Michael van Praag sagte: Es gab eine wirk­liche Bedro­hung einer Super­liga.“