Peter Neururer, was halten Sie als Trainer von Psy­chotricks?
Die psy­cho­lo­gi­schen Spiel­chen werden von der Öffent­lich­keit häufig ganz anders wahr­ge­nommen, als sie intern bespro­chen werden. Aller­dings steht auch fest, wenn man vorher ein paar Dinger raus­haut und man gewinnt das Spiel, dann war es eine tolle Ange­le­gen­heit. Aber wehe, das Spiel geht in die Hose, dann gilt die gleiche Aus­sage als Sprü­che­klop­ferei.

Wie am 31. Spieltag 2004/2005?
In dem Fall ist der Psy­chotrick bekann­ter­maßen ganz gewaltig nach hinten los­ge­gangen.

Mit einem Sieg hätten Sie sich und den VfL Bochum noch retten können. Und sie kün­digten vor dem Spiel an, den Verein zu ver­lassen, sollte er absteigen.
Ich hatte noch drei Jahre Ver­trag in Bochum und bin davon aus­ge­gangen, dass ich durch diese Aus­sage die Jungs noch ein biss­chen kit­zeln kann. Schließ­lich hatten wir zusammen wun­der­bare Jahre.

Wie konnte es dann zur 2:6‑Niederlage kommen?
Da sind ver­schie­dene Dinge zusam­men­ge­kommen. Unser Tor­hüter Rein van Dui­jn­hoven ist aus­ge­fallen und Chris­tian Vander sollte ihn ver­treten. Eigent­lich war Chris­tian damals schon besser als Rein, aber er hatte einen raben­schwarzen Tag. Von den sechs Toren, die wir uns gefangen haben, waren im End­ef­fekt fünf mehr als haltbar.

Dabei sah es zur Halb­zeit noch ganz gut aus.
Es stand 1:1 und wir waren voll in der Spur. Aber dann kamen Minuten, die ich nicht mehr ver­gessen werde. Schuss – Treffer. Wenn Mainz noch fünf oder sechsmal mehr auf das Tor geschossen hätte, dann hätten wir zehn Dinger gekriegt.

Und am Ende musste der VfL den bit­teren Gang in die zweite Liga antreten.
Außerdem machte Chris­tian Vander kein Spiel mehr für den VfL Bochum und ich war meinen Job bei meiner großen Liebe los.

In der Öffent­lich­keit hieß es, sie seien ent­lassen worden?
Nein, ich habe meinen Job vor dem Spiel zur Ver­fü­gung gestellt, um einen zusätz­li­chen posi­tiven Schub zu erzielen. Von daher kann man schon sagen, dass der Psy­chotrick voll in die Hose gegangen ist – auch in meine eigene. Wer gibt schon gerne einen Job bei seiner großen Liebe auf?

War dieser Moment der bit­terste ihrer Kar­riere?
Auf jeden Fall. Ich habe ohne Not meinen Platz beim VfL Bochum her­ge­geben und musste zu meiner Ankün­di­gung stehen – ein Rück­tritt vom Rück­tritt kam für mich nicht in Frage. Im Nach­hinein bereue ich diese Aus­sage natür­lich, da ich beim VfL Bochum einen Arbeits­platz hatte, der kaum schöner hätte sein können.

Wird Ihnen manchmal noch schwin­delig, wenn Sie daran denken, wie schnell der sport­liche Abstieg beim VfL Bochum gegangen ist? Im Jahr davor wurde der VfL Fünfter und spielte im UEFA-Cup, im nächsten Jahr folgte der Abstieg.
Die Mann­schaft hat auch im Abstiegs­jahr noch sehr schönen Fuß­ball gespielt. Aber plötz­lich haben wir Spiele in der Nach­spiel­zeit ver­loren, nur noch Pfosten oder Latte getroffen oder Schieds­rich­ter­ent­schei­dungen sind gegen uns getroffen worden. Am Ende guckt man auf die Tabelle und denkt, das kann doch wohl nicht wahr sein.