Wer wird ein Fall für die Ernäh­rungs­be­ra­tung?
Die Begeg­nung klingt nach Haute Cui­sine; nach Gän­se­leber roh mari­niert mit Gua­naja-Zart­bit­ter­scho­ko­lade, Roter Bete und Pop­corn­schaum; nach sil­bernem Besteck und gestärkten Tisch­de­cken. Cham­pions-League-Teil­nehmer gegen Cham­pions-League-Teil­nehmer, der Rück­run­den­beste gegen den Rück­runden-Zweit­besten. In Wirk­lich­keit ist Bayern gegen Schalke seit Mitt­woch­abend doch wieder nur der übliche Bun­des­liga-All­tags­fraß aus der Fri­teuse, den Bay­erns Trainer Pep Guar­diola schon jetzt ein biss­chen über hat. Immer gewinnen ist eben wie jeden Tag Ham­burger. Dem Gaumen des Gour­mets Guar­diola wird nur in der Cham­pions League noch geschmei­chelt – zumin­dest ab dem Vier­tel­fi­nale, wenn die Schalkes dieser Fuß­ball­welt nicht mehr dabei sind.

Wer freut sich auf den Liga-Alltag?
Anders als Pep Guar­diola ist Jürgen Klopp ein großer Anhänger der Bun­des­liga, seit seiner Dienst­reise nach St. Peters­burg in dieser Woche viel­leicht sogar noch ein biss­chen mehr. In der Bun­des­liga wird aus­schließ­lich Deutsch gespro­chen, da muss sich der Trainer von Borussia Dort­mund nicht den Künsten eines Dol­met­schers aus­lie­fern, dessen Über­set­zungen ihm offen­kundig wenig geheuer sind. Klopp sah sich in Russ­land mit der Frage kon­fron­tiert, wie er mit der Epi­demie von Trau­mata“ umgehen wolle. Viel­leicht holt ihn das Thema am Wochen­ende noch einmal ein – falls die Dort­munder nach dem 0:3 in Ham­burg auch gegen den 1. FC Nürn­berg, den nächsten Abstiegs­kan­di­daten, ver­lieren sollten.

Wer muss um seinen Platz in der Geschichte fürchten?
Egon Coordes muss sich ernst­haft um seinen Nach­ruhm sorgen. Der preis­ge­krönte Schleifer hat den VfB Stutt­gart zwar nur eine Saison (1986÷87) trai­niert, hält aber bis heute einen Ver­eins­re­kord. Coordes hat mit den Stutt­gar­tern sieben Mal hin­ter­ein­ander ver­loren. Diese Best­marke könnte am Sonntag Geschichte sein – und Coordes damit wohl end­gültig der Ver­ges­sen­heit anheim fallen. Aller­dings spielt der VfB bei Ein­tracht Frank­furt. Da hat er in den ver­gan­genen 20 Jahren nur ein ein­ziges Mal ver­loren. Glück für Coordes also.

Was macht Tim Wiese?
Kann offenbar zau­bern. Vor einem Monat hat die TSG Hof­fen­heim ver­kündet, der frü­here Natio­nal­tor­hüter ver­lasse den Klub mit sofor­tiger Wir­kung. Und? Wiese ist mit sofor­tiger Wir­kung immer noch da. Sein Ver­trag wurde gar nicht auf­ge­löst, son­dern nur in eine Art Ruhe­zu­stand ver­setzt. Der Tor­hüter erhält wei­terhin ein – wenn auch stark redu­ziertes – Gehalt, dafür ver­bleiben die Trans­fer­rechte für Wiese bei der TSG. Das ist natür­lich sehr weit­sichtig von den Hof­fen­hei­mern, die schließ­lich ihren Ruf als Pfen­nig­fuchser zu ver­tei­digen haben (Wir geben nur das aus, was wir nie­mals ein­ge­nommen haben). Den Markt für Tor­hüter, die seit mehr als einem Jahr nicht mehr gespielt haben (und davor ziem­lich schlecht), die seit Monaten keinem gere­gelten Trai­ning mehr nach­gehen und ver­mut­lich auch wei­terhin ein üppiges Mil­lio­nen­ge­halt ver­dienen wollen, diesen Markt sollte man wirk­lich nicht der Kon­kur­renz über­lassen.

Und sonst?
Ist das Nord­derby wieder das, was es im ver­gan­genen Jahr­zehnt war. End­lich wieder Spit­zen­spiel! Am Samstag geht es im Weser­sta­dion um Platz zwei in der Bun­des­liga. Genauer gesagt um Platz zwei in deren ewiger Tabelle. 2586 Punkte hat Werder Bremen in 49,5 Jahren gesam­melt, 2580 der Ham­burger SV in 50,5. Zum 100. Mal treffen beide Mann­schaften in der Bun­des­liga auf­ein­ander. Drei­stellig, das hat es noch nie gegeben. Viel­leicht gerade noch recht­zeitig.