Gestatten, FC Bayern!

Selbst­be­wusst, arro­gant, domi­nant, ehr­lich, arbeitsam, inno­vativ, aber auch warm und fami­liär – ich erkenne meine Per­sön­lich­keit in diesen Begriffen.“ Mit diesen Worten skiz­zierte Louis van Gaal an seinem ersten Arbeitstag in Mün­chen den Cha­rakter seines neuen Arbeit­ge­bers – und den eigenen gleich mit. Zumin­dest für den Verein soll diese Beschrei­bung in naher Zukunft wieder zutreffen, nachdem das eigene Selbst­ver­ständnis zum Ende der Ära Klins­mann in Trüm­mern lag. Mann­schaft und Trainer schienen von­ein­ander weiter ent­fernt zu sein als die Abwehr vom Mit­tel­feld, was in der ver­gan­genen Saison einiges über die Miss­stände aus­sagte. Mit van Gaal wurde nun wunsch­gemäß ein Fuß­ball­lehrer ver­pflichtet und zudem, eben­falls wie immer nach einer titel­losen Saison, für sehr viel Fest­geld der Kader ver­stärkt. Van Gaal und die Bayern, eine per­fekte Sym­biose? Momentan ver­spre­chen sie sich einmal mehr berau­schenden Offen­siv­fuß­ball und reani­mieren das bewährte Mir-san-mir-Gefühl. Ob all das auch so bleiben wird, ob die Spieler auch dann noch von van Gaals offener Art begeis­tert sind, wenn es sie selber auf die Ersatz­bank ver­schlägt und ob der Nie­der­länder nicht doch auch auf den alt­be­kannten Ergeb­nis­fuß­ball umstellt, wenn es um den eigenen Job geht, wird sich erst im Sai­son­ver­lauf zeigen – wie immer bei den Bayern.



Die erstaun­liche Zahl

1000 Mes­sungen pro Sekunde schafft das neue Trai­nings­ana­ly­se­pro­gramm der Bayern. Dazu gehören auch meh­rere Kameras, die auf den Trai­nings­plätzen neu instal­liert wurden und die Lauf­wege der Spieler über­wa­chen. Des­wegen ist es eigent­lich ein wenig schade, dass Podolski zurück nach Köln gegangen ist – der Spieler, dem bis­lang noch jeder Trainer beschei­nigt hat, er müsse an seinen Lauf­wegen arbeiten. Ver­schwunden sind dafür die Buddha-Sta­tuen, das DJ-Pult und die – wie man mun­kelt kaum genutzte – Spie­ler­bi­blio­thek.


Das pro­phe­zeit der Lokal­jour­na­list

Der FC Bayern wird auf jeden Fall Deut­scher Meister. Zum einen, weil sich die Spieler nicht die Blöße geben wollen, zwei Jahre hin­ter­ein­ander den Titel zu ver­passen, zum anderen, weil ich glaube, dass van Gaal die Mann­schaft sehr stark ver­bes­sern wird, vor allem im tak­ti­schen Bereich. Man sah schon nach den ersten Trai­nings­ein­heiten, dass jetzt ein ganz anderes Kon­zept vor­handen ist, an das die Spieler glauben. Pedan­tisch lässt van Gaal jeden Tag kurze, schnelle Pässe trai­nieren und unter­bricht oft. Die Spieler machen das alles ohne Murren mit, man sieht ihnen richtig an, dass sie lernen wollen und viel moti­vierter sind. Das hat auch damit zu tun, dass van Gaal und sein Team große Erfolge vor­weisen können. Beim Stab des letzten Jahres gab es viele Leute, die keiner kannte und die noch nichts erreicht hatten. Spieler haben viel mehr Respekt vor jemandem, der schon die Cham­pions League gewonnen hat.“ Mario Volpe (tz)


So wollen sie spielen

Noch hat sich Louis van Gaal nicht fest­ge­legt, mit wel­cher tak­ti­schen Aus­rich­tung er in die Saison starten will. Er ließ ledig­lich wissen, dass er das System wählen werde, das den indi­vi­du­ellen Fähig­keiten seiner Spieler am besten gerecht wird. Grund­sätz­lich favo­ri­siert er, wenig über­ra­schend, das in den Nie­der­landen beliebte 4−3−3. Darin würde Ribéry, wenn er denn bleibt, den linken Außen­stürmer geben. Frag­lich ist aller­dings, ob van Gaal Klose oder Olic zutraut, den Gegen­part auf der rechten Seite zu spielen. Wahr­schein­li­cher ist des­wegen ein 4−4−2 mit Raute oder drei Mit­tel­feld­spie­lern auf einer Linie vor dem neuen Sechser Timoscht­schuk.

Das sagt Philipp Lahm

Für mich war die Sai­son­pause dieses Jahr so lang wie noch nie. Wir hatten vier Wochen Urlaub, so dass ich mich zum Start der Sai­son­vor­be­rei­tung wieder richtig auf das Trai­ning gefreut habe. Durch den neuen Trainer hat sich hier einiges geän­dert, wir haben mehr Ord­nung auf dem Platz und trai­nieren alles mit Ball, auch die Fit­ness. Das Ziel Nummer 1 ist, in allen Wett­be­werben mög­lichst weit vorne zu landen.“


Wer führt Mario Gomez ins P1 ein?

So er denn beim FC Bayern bleibt, bietet sich dafür unbe­dingt Chris­tian Lell an. Der kennt sich als Mün­chener aus wie kein Zweiter, weiß, was die Frauen hier so brau­chen und hat nächste Saison aller Vor­aus­sicht nach nichts, aber auch gar nichts anderes zu tun.


Wird Uli Hoeneß in Zukunft auf der Tri­büne sitzen?

Zumin­dest hat er sich das fest vor­ge­nommen. Unklar ist bis dato aller­dings, wer sich frei­willig neben Hoeneß plat­zieren und bei jedem Tor würgen lässt. Der eigent­lich dafür vor­ge­se­hene David Carra­dine fällt leider aus.


Braucht Her­mann Ger­land bei Pres­se­kon­fe­renzen ein Mikro?

Eigent­lich nicht. Der Co-Trainer ist meis­tens sehr sparsam mit seinen Aus­sagen, mehr als ein ja“ oder nein“ ist ihm selten zu ent­lo­cken. Hier könnte der Verein einen Teil seiner Aus­gaben kom­pen­sieren.


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