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3. Liga

Markus Schwabl, Sie haben gegen Ein­tracht Braun­schweig aus 35 Meter eine Direkt­ab­nahme in den Winkel geknallt. Der Treffer ist zum Tor des Monats nomi­niert. Was haben Sie sich dabei gedacht?
Meine Frau ist schwanger. Sie wollte eigent­lich, dass das noch nicht so viele Leute erfahren und ich wollte es am liebsten sofort jedem erzählen. Das dürfe ich nur, wenn ich ein Tor schieße, sagte meine Frau. Sie müssen wissen, dass ich mein letztes Tor vor acht Jahren geschossen habe. Dann fällt mir einer vor die Flinte und ich dachte mir: Das pro­biere ich jetzt ein­fach.“ Als der Ball noch in der Luft war, habe ich schon gewusst, dass der rein­geht und mich umge­schaut, wo ich so schnell wie mög­lich einen Ball her­be­komme, den ich mir wie bei einem Baby­bauch unters Trikot stopfen kann.

Nach Ihrem frühen 1:0 gegen Braun­schweig ist Ihre Mann­schaft ein­ge­bro­chen und hat 1:3 ver­loren. War dieses Spiel sinn­bild­lich für die Saison mit Unter­ha­ching?
Wir haben nach dem Restart gleich das erste Spiel aus­wärts 2:0 gewonnen. Gegen Braun­schweig sind wir dann daheim zweimal aus­ge­kon­tert worden. Wir sind danach nicht mehr in die Spur gekommen und haben in den letzten drei Aus­wärts­spielen jedes Mal auf den Sack bekommen.

Der Verein hat alles dafür getan, dass wir Erfolg haben. Und wir haben es dann kom­plett ver­geigt“

Sie haben 0:4 gegen Duis­burg und jeweils 0:3 gegen 1860 Mün­chen und Meppen ver­loren. Dabei waren Sie zehn Spiel­tage vor Sai­son­ende Zweiter. Was ist in den Wochen nach dem Restart pas­siert?
Der Verein hat alles dafür getan, dass wir Erfolg haben. Und wir haben es dann kom­plett ver­geigt. Ich bin mir nicht sicher, ob für manche der Druck zu groß war. Es war wirk­lich ekla­tant, wie viele indi­vi­du­elle Fehler wir gemacht haben. Ich bin maßlos ent­täuscht. Es heißt, dass auf Haching ein Rück­run­den­fluch liegt, weil wir in den letzten Jahren immer zur Win­ter­pause ein­ge­bro­chen sind. Das kann ich nicht mehr hören.

Das wäre die nächste Frage gewesen.
Bitte nicht.

Hatten Sie die letzten Rück­runden denn im Hin­ter­kopf?
Wir gingen diesmal in die Rück­runde und hatten uns geschworen: Zu 100 Pro­zent – Dieses Jahr pas­siert uns das nicht“. Dann haben wir das erste Spiel nach der Win­ter­pause ja auch gewonnen und es ist bis zur Corona-Pause relativ gut gelaufen. Da dachte keiner mehr an einen Fluch. Aber jetzt, nachdem das erneut so beschissen gelaufen ist, passt das wieder ins Bild.

Im 11FREUNDE-Inter­view vor einem Jahr haben Sie erzählt, Sie würden mit Ihrem Abwehr­kol­legen Marc Endres gelassen hinten drin stehen und Ihren Vor­der­leuten fas­zi­niert zusehen. Unter­ha­ching hat nur 50 Tore in 38 Spielen geschossen. Warum hat Ihre Mann­schaft so wenig Schlag­kraft nach vorne ent­wi­ckelt?
In diesem Jahr haben wir den Fokus auf eine sta­bile Defen­sive gelegt. Das hat eigent­lich gut funk­tio­niert, wir hatten lange eine der besten Abwehr­reihen der Liga. Aber sowas geht natür­lich auf Kosten der Offen­sive. Und die Mann­schaften, die in den letzten Jahren auf­ge­stiegen sind, hatten immer einen Schlüs­sel­spieler. Braun­schweig hatte zum Bei­spiel Martin Kobyl­anski oder Karls­ruhe ver­gan­gene Saison Marvin Pourié. So ein Spieler hat uns gefehlt.

Die 3. Liga war in dieser Saison aus­ge­gli­chen wie nie. Woran liegt das?
In der Liga spielen Ver­eine wie Braun­schweig, Duis­burg, Kai­sers­lau­tern oder 1860 Mün­chen – alles Mann­schaften, die vom Ruf her nichts in dieser Liga ver­loren haben. Die können Spieler ver­pflichten, die sich ein klei­nerer Verein nicht leisten kann. Mitt­ler­weile sind es zehn Ver­eine, die so ein Image haben, die auf­steigen können und damit die ganze Liga stärker machen.