Blöde Sache mit dem Glad­ba­cher Siegtor, findet Markus Babbel. Ja, der Marco Reus sei schon ein groß­ar­tiger Fuß­ball­spieler, sagt der Trainer von Hertha BSC, aber beim Siegtor hat er natür­lich auch Glück, dass ihm der Ball auf den Fuß fällt“. Da ist was dran. Denn eigent­lich hätte Marco Reus dieser Ball gar nicht auf den rechten Fuß fallen dürfen, weil der rechte Fuß mut­maß­lich grün und blau leuch­tete und dem­nach denkbar unge­eignet hätte sein können für wei­tere Kon­takte mit dem Ball. Her­thas Ver­tei­diger Maik Franz hatte alles in seiner grät­schenden Macht ste­hende getan, den talen­tier­testen und gefähr­lichsten Fuß auf dem Platz aus­zu­schalten. Es hat nicht gereicht. 



Maik Franz erzählt oft und gern, er sei eigent­lich ein lie­bens­werter Kerl und das ganze Kno­chen­bre­cher-Image eine Erfin­dung miss­güns­tiger Zeit­ge­nossen wie Mario Gomez. In seinem jetzt vier Monate wäh­renden Ber­liner Enga­ge­ment hat er sich vor­wie­gend durch das sanfte Ver­schulden von Gegen­toren her­vor­getan. Gegen Mön­chen­glad­bach aber zeigt er, dass er das Treten noch nicht ganz ver­lernt hat. Maik Franz ist der unschlag­bare Beweis für die These des Ber­liner Mana­gers Michael Preetz, dass in dieser Hertha-Mann­schaft nichts mehr drin­steckt aus der Zeit des Ästheten Lucien Favre. 

Die Rück­kehr des Tre­ters

Das Pri­vat­duell zwi­schen Maik Franz und Marco Reus beginnt nach einer guten halben Stunde. Patrik Herr­mann spielt den Ball im per­fekten Moment mit per­fektem Tempo in den Rücken der Ber­liner Abwehr. Reus ist schneller als Franz, er läuft noch ein paar Meter und schießt. Der grät­schende Franz bekommt noch die Fuß­spitze an den Ball und gibt ihm den Effet für seinen Flug in die rechte Ecke des Tores zum 1:1. Fern­seh­bilder zeigen Franz, wie er wütend die Lippen auf­ein­ander presst. Das soll, das darf ihm nicht noch mal pas­sieren. Drei Minuten später kommt es zum nächsten Kon­takt. Im Nie­mands­land zwi­schen Mit­tel­linie und Straf­raum. Marco Reus steht mit dem Rücken zum Ber­liner Tor und läuft scheinbar unbe­drängt dem Ball ent­gegen, aber da kommt schon Maik Franz heran geflogen mit einer selten gese­henen Spe­zia­lität, der beid­fü­ßigen Grät­sche. Mit dem rechten Fuß tou­chiert er den Ball, die Spitze des linken bohrt sich in den rechten Knö­chel des hilf- und ahnungs­losen Glad­ba­chers. Reus über­schlägt sich, er schreit und fasst sich mit beiden Händen an den Kopf, der zwar nicht schmerzt und doch signa­li­siert, dass mög­li­cher­weise etwas Schwer­wie­gendes pas­siert ist. Franz’ Stie­fel­spitze hat den unge­schützten Teil des Fußes getroffen, die Stelle zwi­schen Schien­bein­schoner und Schaft des Schuhs. Diese Links-Rechts-Kom­bi­na­tion ist viel zu gut aus­ge­führt, als dass man ihr die mil­dernden Umstände des unglück­li­chen Zufalls zuspre­chen kann.

Zu diesem Spieler muss man nichts mehr sagen“

Wütend bedrängen die Glad­ba­cher den Schieds­richter. Tobias Welz hat zwar sofort gepfiffen und auf Foul ent­schieden, aber den Kar­ten­satz in seiner Brust­ta­sche lässt er unan­ge­tastet. Der Mainzer Eugen Polanski ist am Freitag beim 3:1 über den VfB Stutt­gart nach einem ver­gleich­baren Tritt mit Dun­kelrot vom Platz geflogen. Maik Franz kommt mit ein paar ermah­nenden Worten davon. War wohl ein Foul“, sagt er später. So was pas­siert.“ Marco Reus ent­gegnet, dass man zu diesem Spieler eigent­lich nichts mehr sagen muss“. Und sagt dann doch etwas: Ich habe schon geahnt, dass er in dieser Szene von hinten kommt. Aber dass er so durch­zieht…“ Und: Eigent­lich wissen die Schieds­richter, dass Maik Franz so spielt, aber sie gehen nicht dagegen vor.“ Reus hum­pelt vom Platz, und für ein paar Minuten sieht es so aus, als sei das Spiel für den Glad­ba­cher Tor­schützen beendet. Würde sich per­fekt fügen in seine per­sön­liche Kran­ken­akte, der immer dann ein neues Kapitel hin­zu­ge­fügt wird, wenn gerade ein Län­der­spiel ansteht. Am Freitag tritt die deut­sche Natio­nal­mann­schaft in Kiew gegen die Ukraine an, Marco Reus ist nomi­niert, also ist eigent­lich mal wieder eine Ver­let­zung fällig. 

Doch nach ein paar ewigen Minuten der Behand­lung kehrt Reus zurück. Er ver­gisst den Schmerz und bleibt das frei schwe­bende Ele­men­tar­teil­chen des Glad­ba­cher Spiels. Mit seiner Leicht­fü­ßig­keit und seinem Ide­en­reichtum macht Marco Reus den Unter­schied. Bei so ziem­lich jedem Konter und natür­lich beim Siegtor, als ihm der Ball im Ber­liner Straf­raum auf den rechten Fuß fällt und der gran­diose Abschluss ver­gessen lässt, dass da mal ein schmerz­hafter Kon­takt war mit einem gewissen Maik Franz.