Seite 2: Von Zockern und Geschäftsmännern

Brighton & Hove Albion FC
Wer wissen will, was in Brighton and Hove schon alles ver­kehrt lief, der kauft im Gold­stone Retail Park ein. Viel­leicht ein neues Haus­tier in der Zoo­hand­lung Pets at Home“? Oder ein neues Sofa auf dem DFS Hove“? Jeder Fuß­ballfan dürfte das kalte Kotzen bekommen, wenn er die Ein­gangs­türe dieser Kom­merz­vor­hölle betritt. Keine 20 Jahre ist es her, als der Verein sein Sta­dion, den geschichts­träch­tigen Gold­stone Ground, ver­kaufte. Jener Ground, wo David Beckham sein Debüt als Pro­fi­fuß­baller gab und 1948 die Olym­pi­schen Spiele zu Gast waren. Der Verein war zum Zeit­punkt des Ver­kaufs völlig am Ende, broke, bis ihn 2009 aus­ge­rechnet ein pro­fes­sio­neller Poker­spieler über­nahm. Tony The Lizard“ Bloom, ein Zocker und Geschäfts­mann zugleich. Die rich­tige Mischung, um mit Brighton&Hove zum ersten Mal in der Geschichte in die Pre­mier League ein­zu­ziehen. Mit Uwe Hüne­meier und Pascal Groß stehen auch zwei Deut­sche auf dem Platz. Im brand­neuen Falmer Sta­dium. Hell­blau illu­mi­niert von außen und mit leckerem Ale im Innern. Also alles da, allein die Geschichte fehlt noch.

New­castle United
Was gibt es über diesen eng­li­schen Tra­di­ti­ons­verein noch zu schreiben, der 1905 erst­mals und 1927 zuletzt die Eng­li­sche Meis­ter­schaft gewann. Und der trotzdem zum Inventar der Pre­mier League gehörte, wie das Por­zel­lang­e­schirr in Omas Vitrine. Klar, die Geister von Kevin Keegan, Bobby Robson und Paul Gas­coigne, dessen Kar­riere hier begann, schweben immer noch durch den St. James’ Park. Die großen Zeiten eben, in die sich Ver­ant­wort­liche und Fans so gerne retten, wenn unten auf dem Platz mal wieder nichts funk­tio­niert. Unge­wöhn­lich ist da schon eher, dass Rafael Benitez trotz des Abstiegs im Sommer 2016 Trainer blieb. Eine Erfolgs­stra­tegie, denn die Mag­pies stiegen wie schon nach dem Abstieg von 2009 sofort wieder auf.

Hud­ders­field Town
Wer­bung für die Span­nung, und des­halb auch Wer­bung für die Play-Offs, war es dann schon, so haar­scharf stieg Hud­ders­field Town in die Pre­mier League auf. Erst mit dem letzten Elf­meter, getreten von Ex-1860er Chris­to­pher Schindler, war das Auf­stiegs­fi­nale gegen den FC Rea­ding ent­schieden. Nicht nur Klub­prä­si­dent Dean Hoyle war den Tränen nahe: Ich bin so gerührt. Ich bin seit 1969 Fan dieses Ver­eins. Jetzt ein Pre­mier-League-Team zu sein, da werden Träume war.“ Nein, auch David Wagner, Coach der Auf­stiegself, sagte: Was pas­siert ist, ist eine unglaub­liche Geschichte und ein Mär­chen.“ Mit Schindler, Michael Häfele, Elias Kachunga, Chris Löwe und Collin Quaner spielen gleich fünf Deut­sche für den Auf­steiger. Rea­ding, in der Saison als Vierter genau vier Punkte vor Hud­ders­field plat­ziert, ging leer aus. Schei­terte haar­scharf – und das als Mann­schaft von Jaap Stam.