Bin klamm gerade. Gibt es aktuell gute Finanz­tipps aus der Fuß­ball­branche?
Gutes Timing, denn gerade erst Anfang der Woche gab es super Finanz­tipps aus Leipzig, als RB-Boss Oliver Mint­z­laff den anderen Klubs den Rat­schlag gab, wer klamm sei, solle ein­fach nicht immer alles so auf Kante nähen. Super Tipp, bei dem einem zwar das Gehirn ein­schläft und man aus den Ohren zu bluten beginnt, wenn man zu lange drüber nach­denkt. Wacht man dann aber sab­bernd wieder aus der Ohn­macht auf, ent­faltet sich eine fas­zi­nie­rende Wenn du arm bist, hab ein­fach Geld“-Logik, die sich nahtlos auch auf andere Lebens­be­reiche über­tragen lässt. Wenn du nichts zu essen hast, hab ein­fach keinen Hunger. Hast du keine Arme? Mach ein paar Lie­ge­stütze. Ist es dir zu hell? Stich dir doch die Augen aus. Zieht dich der Erd­kern mit seiner unab­läs­sigen Gra­vi­ta­tion nach unten? Dann spring ein­fach kräftig ab und flieg wie ein süßer Vogel, fröh­lich zwit­schernd immer höher und allen Pro­blemen davon. Toll. Tschilp, tschilp.

Mara­dona ist tot. Warum bin ich denn so traurig, der hat doch nie für meinen Wurst­klub gespielt?
Uns geht es ja ganz genauso. Aber es ist so: Diego Mara­dona ist stets das jung­ge­blie­bene Kind gewesen, was wir alle immer sein wollten. Jedes mal, wenn wir Diego spielen sahen, sahen wir uns selbst, wie wir einen Ball, eine Cola­dose, ein Was-auch-immer gegen das Gara­gentor kickten, das Herz voller Freude und die Welt um uns herum offen wie eine kurz bevor­ste­hende, lie­bende Umar­mung. Wir hörten irgend­wann mit dem Spielen auf, weil die Welt grau und fies wurde. Wo einst dein Gara­gentor stand, ist jetzt ein Star­bucks. Die lie­bende Umar­mung ist längst ein Schwitz­kasten aus Ver­pflich­tungen. Aber Diego machte ein­fach weiter, spielte und spielte, mit dem Ball, den Drogen, dem Leben. Wir dachten ja alle, das ginge ewig so weiter, durch ihn auch ein biss­chen für uns, oder hofften es zumin­dest. Jetzt ist er tot und mit ihm all die Illu­sionen. Dass das Leben irgend­wann wieder ein Spiel wird. Dass alles wieder so wird wie es einmal war. Warm und schön, leicht und lustig. Wenn dich das traurig macht, dann haben wir Ver­ständnis dafür. Und einen guten Tipp: Schnapp dir einen Ball und geh ihn ein wenig vor ein Gara­gentor kicken. Das sind meist auch Orte, an denen man in Ruhe ein wenig weinen kann.

Moment, der Süle soll über­ge­wichtig sein? Was bin ich dann?
Ja gut, für Otto­nor­ma­lottos wie uns, deren Spei­se­plan größ­ten­teils daraus besteht, was wir in unseren Brust­haaren finden, wenn wir auf der Couch liegen, ist manchmal schwer zu beur­teilen, welche Kate­go­rien all­ge­mein­gültig sind und welche nur für den Fuß­ball gelten. So gilt ja der ein oder andere Spieler in der Fuß­ball­welt auch als gau­di­haft-lustig, wäh­rend man außer­halb dieser Welt lieber eine Hand­voll benutzte Pflaster essen würde, als über einen Müller-Gag auch nur zu schmun­zeln.

In diesem Sinne gilt das auch fürs Gewicht. Die selige Zeit, als Fuß­baller noch aus­sahen wie der ört­liche Metz­ger­meister, sind leider unwie­der­bring­lich ver­loren. Mitt­ler­weile sieht ein ganz nor­maler Typ, der jetzt gerade irgendwo zum Bei­spiel einen 11freunde-Text schreibt oder so, neben Süle aus, als hätte jemand Koch­käse in einen fleisch­far­benen Plas­tik­sack gefüllt und damit vage ver­sucht, einen Men­schen­affen zu model­lieren. Steht Süle im Fuß­ball­kon­text aber neben, sagen wir, Cris­tiano Ronaldo, und hat zu lange an ein Käse­sand­wich gedacht, schraubt das seinen BMI direkt um 0,00003 Pro­zent hoch und er sieht in Rela­tion aus wie Ailton 2004 am Hotelbuffet. Daher die Auf­re­gung.

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Will bald wieder angreifen: Niklas Süle.

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