Seite 2: „Die Hools haben der Demo zum Erfolg verholfen"

Aber was treibt diese Hoo­li­gans nun aus­ge­rechnet auf die Demos von Corona-Leug­nern und selbst­er­nannten Quer­denken?
Denen geht es nicht um Besitzer kleiner Läden, die durch die Corona-Maß­nahmen in ihrer Exis­tenz bedroht sind. Ins­ge­samt haben wir eine men­schen­ver­ach­tende Demons­tra­tion gesehen, auf der Leute, die Masken trugen massiv ange­gangen wurden. Ihnen ist die Gesund­heit gefähr­deter Gruppen egal. Diesen Sozi­al­dar­wi­nismus teilen die Coro­na­skep­tiker mit den rechten Hools. Aus der Hoo­ligan-Szene gab es für Leipzig keinen ein­zigen inhalt­li­chen Aufruf, keine inhalt­liche Aus­ein­an­der­set­zung. Für rechte Hoo­li­gans sind solche Demos will­kom­mene Anlässe, poli­ti­sche Krisen zu eska­lieren und Kon­flikte unter Anwen­dung von Gewalt gesell­schaft­lich zuzu­spitzen.

Klingt nach der Sehn­sucht nach dem großen Umsturz.
Der stand am Samstag in Leipzig natür­lich nicht bevor. Aber: Was gewalt­tä­tige Rechts­ex­treme immer umtreibt, ist ihr Hass auf die libe­rale Demo­kratie und auf alles, was sie mit sich bringt: Geschlech­ter­gleich­stel­lung, inter­na­tio­nale Migra­tion, Min­der­hei­ten­schutz oder eben kom­pli­zierte Aus­hand­lungs­pro­zesse von Corona-Maß­nahmen. Das Fern­ziel bleibt die Errich­tung einer auto­ri­tären Gesell­schafts­form.

Wie haben sich die übrigen Teil­nehmer der Demons­tra­tion zu den Hoo­li­gans ver­halten?
Einige Redner auf der Bühne haben sich zumin­dest verbal von Rechts­ex­tre­mismus und Natio­nal­so­zia­lismus distan­ziert. Diese Distan­zie­rungen blieben letzt­end­lich aber fol­genlos. Das waren leere Wort­hülsen. Zumal es die Hools waren, die der Demo letzt­end­lich zum Erfolg ver­holfen haben.

Also haben die Orga­ni­sa­toren von der Anwe­sen­heit der Hoo­li­gans pro­fi­tiert?
Wir sollten nicht dem Ein­druck auf­sitzen, dass die Demo ohne die Hoo­li­gans eine men­schen­freund­liche Ver­an­stal­tung gewesen wäre. Es gab viel­fach anti­se­mi­ti­sche, ver­schwö­rungs­theo­re­ti­sche und wei­tere sehr auto­ri­täre, men­schen­feind­liche Posi­tionen. Da lief zum Bei­spiel jemand mit einem T‑Shirt herum, auf dem Markus Söder mit Hit­ler­bart abge­bildet war und Södolf genannt wurde. Durch so eine Sym­bolik werden die Corona-Maß­nahmen in die Nähe natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Juden­ver­fol­gung gerückt. In deren Denke ist eine Maske ein Davids­stern. Völ­liger Irr­sinn.

Hoo­li­gans haben das Gewalt­mo­nopol“

Was folgt daraus für die Bewer­tung dieser Bewe­gung?
Wir sollten nicht for­dern, dass sich eine auto­ri­täre und men­schen­ver­ach­tende Bewe­gung von rechten Schlä­gern abgrenzt. Damit kommen wir nicht weiter. Wir sollten viel­mehr die Arbeits­tei­lung sol­cher rechten Auf­mär­sche in den Blick nehmen.

Wie sieht die aus?
Hoo­li­gans haben das Gewalt­mo­nopol und stellen die Mus­kel­kraft für solche Auf­mär­sche. Reden halten, Info­ti­sche orga­ni­sieren – das machen andere.

Was erwarten Sie von den kom­menden Wochen und Monaten? Wird die Szene weiter erstarken?
Das hängt von meh­reren Fak­toren ab. Zum einen natür­lich von der wei­teren Ent­wick­lung der Bewe­gung, die gegen die Corona-Maß­nahmen pro­tes­tiert. In welche Rich­tung ent­wi­ckeln sie sich inhalt­lich? Geht es um den Pro­test gegen kon­krete Maß­nahmen? Oder um Wis­sen­schafts- und Demo­kra­tie­feind­lich­keit? Die Ten­denz geht ein­deutig zu Letz­terem. Wie geht die Politik mit wei­teren Auf­mär­schen um? Wie geht die Polizei damit um? Und wann beschäf­tigen sich Sport­po­litik und Kampf­sport end­lich nach­haltig mit Prä­ven­tion? Fest steht: Wenn nie­mand ein­schreitet, wird die Gewalt weiter eska­lieren.