Seite 2: Große Verletzungsgefahr und überraschende Gewinner

4. Die Ver­let­zungs­ge­fahr ist riesig
Es ist ja nicht so, dass die Spieler aus acht Wochen Pause kommen und salopp gesagt aus den Flip-Flops in die Fuß­ball­schuhe steigen“, hat Markus Krö­sche, Sport­di­rektor bei RB Leipzig, in dieser Woche gesagt. Ich glaube, dass jeder Fuß­baller bei jedem Verein eine ver­nünf­tige Grund­fit­ness hat.“ Ver­mut­lich ist die Grund­fit­ness sogar sehr gut und den meisten Spie­lern hat die Pause gut getan. Den­noch droht eine Ver­let­zungs­welle. Die Mehr­zahl der Spieler sorgt sich daher auch weniger weniger vor einer Infek­tion mit Covid-19 als vor schweren Sport­ver­let­zungen. Was näm­lich auf Mann­schaften ins­ge­samt zutrifft, gilt in beson­derem Maße auch für die ein­zelnen Spieler. Nach zehn Tagen Mann­schafts­trai­ning fehlt das genaue Timing für Zwei­kämpfe, der Körper ist noch nicht wieder auf die vielen fuß­ball­ty­pi­schen Bewe­gungen ein­ge­stellt, auf all die abrupten Stopps und Dre­hungen, die kein Ein­zel­trai­ning simu­lieren kann. Des­halb drohen Ver­let­zungen durch unge­wollte Fouls und Mus­kel­ver­let­zungen, die sonst ver­mieden würden. Es wird weniger bei den Infek­tionen mit der Gesund­heit der Spieler gezockt als durch den Kalt­start in die Höchst­leis­tung.

5. Mainz und Hof­fen­heim pro­fi­tieren von den fünf Aus­wechs­lungen
1967 durfte erst­mals in der Bun­des­liga ein Spieler aus­ge­wech­selt werden, ein Jahr später zwei und seit 1994 ein dritter. Als stilles Ein­ge­ständnis, dass die Belas­tung der Profis im Moment zu hoch ist, werden ab diesem Wochen­ende ins­ge­samt fünf Aus­wech­se­lungen mög­lich sein. Doch für wen ist das von Vor­teil? Einer­seits sicher­lich für die Spit­zen­teams, die noch einen wei­teren Star oder hoch­ta­len­tierten Nach­wuchs­spieler ein­wech­seln können. Das eng­li­sche Unter­nehmen 21st Club“, das Fuß­ball­ver­eine berät, kam aber noch zu einem anderen Schluss. Es stellte die These auf, dass Teams mit einem beson­ders gleich­mäßig besetzten Kader pro­fi­tieren würden, wenn das Leis­tungs­ver­mögen des fünften Ein­wech­sel­spie­lers nicht weit unter dem des Stamm­spie­lers liegt. Da 21st Club“ auch indi­vi­du­elle Bewer­tungen von Spie­lern vor­nimmt, iden­ti­fi­zierten sie die Top Five der fünf großen euro­päi­schen Ligen. Vorne lag Girondins Bor­deaux, aber dahinter schon zwei Bun­des­li­gisten: die TSG Hof­fen­heim und Mainz 05. Sie könnten also die großen Gewinner der beiden zusätz­li­chen Wechsel werden.

6. Und noch ein Gewinner: der Video­be­weis
Viele Fans hatten gehofft, dass bei Geis­ter­spielen wenigs­tens der Kölner Keller geschlossen und auf den VAR ver­zichtet werden würde. Aber längst sind dort Ple­xi­glas­wände zwi­schen den Arbeits­plätzen gezogen und die kali­brierte Linie wird nun mit Mund­schutz gezogen. Aller­dings wird er ver­mut­lich deut­li­cher weniger nerven, weil er sowieso eher zum Fern­seh­fuß­ball als zum Sta­di­on­er­lebnis passt. So wird es im Geis­ter­fuß­ball kein Publikum geben, das auf den Rängen jubelnd über­ein­ander stürzt, um dann fest­zu­stellen, dass es sich zu früh gefreut hat. Es werden auch keine Fans unge­duldig pfeifen, weil sie nicht wissen, was los ist. Vor dem Fern­seher ist das halb so nervig. Inso­fern ist der VAR als Gewinner sogar ein schönes Symbol für ein seiner Emo­tion weit­ge­hend beraubtes Spiel.