Seite 2: „Die Kabine nach dem Champions-League-Sieg war eine einzige Party“

Fehlt Ihnen und der Mann­schaft Bas­tian Schwein­s­teiger manchmal?
Ich bin stolz auf alle meine Mit­spieler, die ich bisher hatte. Aber wenn Spieler gehen, treten andere an ihre Stelle. Basti und auch Philipp (Lahm, d. Red.) waren wichtig für die Mann­schaft. Jetzt sind Thomas Müller, Manu und Lewy sehr wichtig für den Zusam­men­halt in der Kabine. Aber wenn sie gehen, werden andere an ihre Stelle treten. So ist der Kreis­lauf. Auch ohne Basti läuft beim FC Bayern im Mit­tel­feld einiges an Qua­lität herum.

Wie erlebten Sie ihr erstes Jahr beim FC Bayern?
Mein ganzes Leben hat sich damals durch den Transfer ver­än­dert. Ich bin von Bilbao nach Mün­chen gezogen, bin zu einer der größten Mann­schaften der Welt gewech­selt. Ich hatte großes Glück, zum FC Bayern zu kommen. Und noch mehr Glück, zum ersten Mal in der Geschichte das Triple zu holen. Wir waren eine groß­ar­tige Truppe. Die Kabine nach dem Cham­pions-League-Sieg war eine ein­zige Party. Die Jungs hatten ein paar schlechte Jahre hinter sich. Es hat sich ange­fühlt wie eine Befreiung.

Wie haben Sie den Titel gefeiert?Ich habe den Titel mit meiner Familie gefeiert. Sie war, wie bei allen wich­tigen Spielen, im Sta­dion. Nicht nur ich habe sehr hart gekämpft, um dahin zu kommen, wo ich jetzt bin, son­dern meine ganze Familie. Meine Mutter hat auf­ge­hört zu arbeiten, um mich ständig zum Trai­ning fahren zu können. Die Cham­pions League war ein Titel für uns alle.

Sie sind in einem kleinen Dorf mit 1000 Ein­woh­nern auf­ge­wachsen. Wie wird ein Junge aus der spa­ni­schen Pro­vinz zum Fuß­ball­profi?
Der Fuß­ball fließt seit meiner Geburt durch meine Adern. Ich und meine Kum­pels haben durch­ge­hend Fuß­ball gespielt. Den ganzen Tag nur Fuß­ball. Wir kannten keinen anderen Sport, keine andere Art zu leben. Wir sind aus der Schule raus und haben ein­fach gespielt. Stun­den­lang. Unsere Eltern mussten uns jedes Mal abholen, damit wir zum Essen kommen. Wir hätten es sonst ver­gessen. Für uns gab es nichts anderes, nur Fuß­ball, Fuß­ball, Fuß­ball, Fuß­ball. Zum Glück war der Platz relativ nah bei unserem Haus.

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Niklas Niessner

Was war das für ein Platz?
Ein Rasen­platz, der oft in einem furcht­baren Zustand war. Es hat viel geregnet. Und jedes Mal, wenn es geregnet hatte, war der Platz unter Wasser. Wir mussten dann auf einen Acker gehen, auf dem überall Steine lagen und der bergauf ging. Aber in dem Alter ist dir eigent­lich alles egal. Du willst spielen und du willst Spaß haben. Es geht nicht darum, ob du irgendwas lernst, oder irgendwas trai­nierst. Du willst den Fuß­ball genießen.

Haben Sie noch Kon­takt zu den Freunden von damals?
Klar, sie kommen mich oft besu­chen und ich fahre, wenn ich frei habe, so oft wie mög­lich in mein Hei­mat­dorf. Wenn ich meine Kar­riere beende, will ich auch wieder dorthin zurück.

Wie hat sich der Fuß­ball für Sie ver­än­dert, als Sie vom Bolz­platz in Ihren ersten Verein nach Logroño gewech­selt sind?
Die Trainer wurden besser, das Niveau höher, du lernst deut­lich mehr. Aber ich wollte Fuß­ball spielen, um Spaß zu haben. Ich bin oft nach den Spielen zu meiner Mutter gelaufen und habe gefragt: Mama, habe ich gut gespielt?“ Die Ant­wort war immer die gleiche: Hat­test du Spaß?“ Wenn ich ja sagte, sagte sie: Na dann hast du gut gespielt.“