Seite 4: „Wir sind auf einem guten Weg“

In den letzten Monaten schienen Sie aber auch zu leiden, weil Niko Kovac nicht mehr auf Sie baute.
Ich war natür­lich frus­triert. Ich war oft der Mei­nung dass ich der Mann­schaft auf dem Platz hätte helfen können. Das war es, was mich am trau­rigsten gemacht hat. Aber ich habe immer daran geglaubt, dass irgend­wann meine Zeit wieder kommen würde.

Mit Hansi Flick hat sich nicht nur Ihre Situa­tion geän­dert. Die Mann­schaft wirkte in den ersten Spielen wie aus­ge­wech­selt.
Die größte Ver­än­de­rung ist, dass wir wieder höher ver­tei­digen. Dieses 10 – 15 Meter höhere Pres­sing erstickt den Gegner prak­tisch. Irgendwo habe ich gelesen, dass wir in den ersten vier Spielen unter Flick drei Schüsse auf Tor zuge­lassen haben. Das ist sym­pto­ma­tisch. Das zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind.

Ist es für Sie als Sechser nicht deut­lich schwie­riger, wenn die Mann­schaft so hoch ver­tei­digt?
Für mich bedeutet das, dass ich sehr viel mehr Eins-gegen-Eins-Situa­tionen habe. Und in diesen direkten Zwei­kämpfen fühle ich mich wohl. Mir gefällt diese Ver­ant­wor­tung, zu wissen, dass ich der letzte Mann bin, dass wenn ich einen Fehler mache, ein Tor fallen wird. Dadurch kann ich 120 Pro­zent geben, gehe mit mehr Inten­sität in einen Zwei­kampf, in dem es um alles geht.

Sie sind jetzt seit acht Jahren in Mün­chen. Helfen Ihnen die Berge vor der Haustür dabei, sich hei­misch zu fühlen?
Absolut. Ich komme aus einer sehr ber­gigen Gegend in Spa­nien. Bevor ich zu Bayern gewech­selt bin, haben mir viele Leute gesagt: Mach’s nicht. Es ist zu kalt in Mün­chen.“ Aber für mich war es nicht schwer, mich ein­zu­ge­wöhnen. Das Wetter ist ähn­lich wie da, wo ich her­komme.

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Niklas Niessner

Gehen Sie oft in die Berge?
Auf jeden Fall. Ich habe schon gesagt, dass ich nach meiner Kar­riere mit der spa­ni­schen Snow­board-Natio­nal­mann­schaft her­um­reisen will. Ich liebe die Berge, ich liebe den Schnee und ich liebe Sport­arten mit Adre­nalin, gehe Berg­steigen und Moun­tain­biken. In den Bergen fühle ich mich frei, es gibt immer etwas Neues zu ent­de­cken und ich kann meinen Körper an sein Limit führen. Des­wegen bin ich richtig froh, dass ich jetzt eine Part­ner­schaft mit Oakley ein­ge­gangen bin. Als Jugend­li­cher habe ich immer die Snow­board- und Fahr­rad­brillen gekauft. Und die Kor­rek­ti­ons­brillen, die ich für die aktu­elle Kam­pagne tragen darf, passen per­fekt in meinen aktiven Alltag zwi­schen Sport und Pri­vat­leben.

Werden wir Sie dem­nächst mit Brille auf dem Rasen sehen, so wie einst Edgar Davids?
Ehr­lich gesagt würde ich das richtig gerne machen. Ich habe mich tat­säch­lich schon infor­miert, aber man braucht eine ärzt­liche Bestä­ti­gung, dass man tat­säch­lich die Brille braucht.

Haben Sie sonst noch Pläne für Ihre Zeit nach dem Fuß­ball?
Das ist mir jetzt zu viel Gerede über mein Kar­rie­re­ende. Ich bin 31! (Lacht.) Nein, im Ernst. Ich will unbe­dingt reisen. Klar, als Fuß­baller reise ich viel, aber ich sehe den Flug­hafen, das Hotel und das Sta­dion. Wir können die Städte nicht besich­tigen. Ich bin ständig an so coolen Orten, aber ich kann nichts davon wirk­lich sehen, oder die Kultur ken­nen­lernen, weil ich mich auf das Spiel kon­zen­trieren muss. Aber ich habe schon eine Liste mit Orten, die ich nach meiner Kar­riere abar­beiten werde.

Welche Orte stehen denn da drauf?
Ganz oben: New York, Mexiko, Los Angeles, Rom und viele, viele mehr. Die Welt ist groß­artig.

Ihre Familie hat ein Restau­rant in Ihrem Hei­mat­dorf. Ist das auch eine Alter­na­tive für das Kar­rie­re­ende?
Ich arbeite dort jetzt schon ab und zu als Kellner. Aber die Gäste beschweren sich immer über meinen Ser­vice. Aber nur, um mich auf­zu­ziehen, mein Ser­vice ist über­ra­gend. Und das Restau­rant ist wirk­lich groß­artig. Die Albon­digas, die Bohnen, die Schne­cken – unglaub­lich. Hier isst man keine Schne­cken, oder?

Nein, eher selten. Ver­missen Sie das spa­ni­sche Essen in Mün­chen?
Meine Mutter besucht mich min­des­tens einmal pro Monat und kocht genug, dass es für den Rest des Jahres rei­chen würde. Und ich koche selber sehr gerne..

Haben Sie schon Mal für Ihre Mit­spieler gekocht?
Klar, erst vor wenigen Wochen habe ich in der Bay­ern­kan­tine für alle Tor­tilla gemacht. Aber es war wäh­rend der Län­der­spiel­pause, des­wegen musste ich nicht ganz so viel kochen.