Seite 3: „Ich habe so gut wie keine Erinnerung“

Danach begann ein sehr schneller Auf­stieg. Mit 15 spielten Sie in der dritten Liga, ein Jahr später zahlte Ath­letic Bilbao sieben Mil­lionen Euro für sie. Mit 17 debü­tierten Sie in der Pri­mera Divi­sión. Wie erin­nern Sie sich an dieses Spiel?
Es war ein 1:1 gegen Real Sociedad. An viel mehr kann ich mich nicht erin­nern.

Wirk­lich nicht? An ihr Debüt?
Ich kann mich an solche emo­tio­nalen Momente nicht erin­nern. Ich weiß nicht, woran das liegt. Mir geht es genauso mit dem WM-Finale und dem Cham­pions-League-Finale. Ich habe so gut wie keine Erin­ne­rung an diese Spiele.

Liegt das am Druck?
Kann sein. Aber ich weiß es wirk­lich nicht. Ich schätze mal, ich bin bei diesen wich­tigen Spielen so kon­zen­triert, dass ich ein­fach alles aus­blende.

An Ihre erste Saison gene­rell können Sie sich aber bestimmt noch erin­nern, oder?
Ath­letic war im Abstiegs­kampf. Das war etwas His­to­ri­sches. Bilbao, Real Madrid und FC Bar­ce­lona sind die ein­zigen Ver­eine, die noch nie aus der ersten Liga abge­stiegen sind, und wenn in so einem Verein nicht alles nach Plan läuft, gibt es Druck. Ich war 17 Jahre alt und hatte ein Gefühl von Macht­lo­sig­keit, weil wir ein­fach nicht so spielten, wie wir sollten. Die Saison war für mich wie ein Mas­ter­stu­dium in Per­sön­lich­keits­ent­wick­lung und Reife.

Wie haben Sie diese Phase durch­ge­standen?
Im Abstiegs­kampf ist das Wich­tigste, dass die Kabine zusam­men­hält. Wir waren ein echter Freun­des­kreis, jeder hat auf den anderen geschaut, ihn unter­stützt. Ich glaube, in jedem anderen Verein hätte ich deut­lich mehr gelitten.

Haben Sie in ihrer Kar­riere jemals wieder einen der­ar­tigen Druck gespürt?
Nein. Dieser Druck, wenn es darum geht, abzu­steigen… Das ist etwas kom­plett eigenes. Das hat nichts mit dem Druck zu tun, den du spürst, wenn du um Europa-League-Plätze kämpfst oder darum, die Bun­des­liga zu gewinnen. Dabei leidet man bei weitem nicht so wie im Abstiegs­kampf.

Nicht mal nach einem ver­lo­renen Finale?
Wenn man ein Finale ver­liert, ver­liert man ein Finale. Es sind 90 Minuten. Im Abstiegs­kampf zieht sich dieses Gefühl ein ganzes Jahr lang hin.