Das Gespräch mit Javi Mar­tínez fand im Rahmen eines Pres­se­ter­mins mit Oakley“ statt. Mar­tínez ist Mar­ken­bot­schafter und das aktu­elle Gesicht für Oakley-Kor­rek­ti­ons­brillen.

Javi Mar­tínez, würden Sie gerne mal wieder auf der Zehn spielen?
Uff, es ist schon so lange her, dass ich das gemacht habe. Ich habe zwar als Stürmer und später als Zehner ange­fangen, aber im Jugend­be­reich werden die bes­seren Spieler immer vorne rein­ge­stellt. Auf der Sechs und in der Innen­ver­tei­di­gung bin ich sehr zufrieden. Meine Stärke ist das Ver­tei­digen.

Gab es einen Trainer, der Sie end­gültig auf die Sechs gestellt hat?
Nein, das war ein Pro­zess. Je älter ich wurde, desto weiter hinten wurde ich auf­ge­stellt. In meinen ersten Jahren bei Ath­letic Bilbao war ich ein klas­si­scher Box-to-Box-Spieler, hatte offensiv deut­lich mehr Frei­heiten als heute – und habe auch einige Tore geschossen. Aber es gab einen Trainer, der mich zum aller­ersten Mal in die Ver­tei­di­gung gestellt hat: Mar­celo Bielsa.

Wie war es, unter ihm zu trai­nieren?
Die Art, wie er trai­niert, die Anspra­chen… Er ist ein­zig­artig. Er ist ein Trainer, der dich kör­per­lich kom­plett ans Limit bringt. Er weiß ein­fach, wie er alles aus dir her­aus­pressen kann, dich auf dein abso­lutes Topni­veau bringt. Aber ich habe bei ihm nicht nur sport­lich viel gelernt, son­dern bin auch mensch­lich gewachsen. Manchmal dau­erten seine Anspra­chen eine Stunde lang, ohne dass er ein ein­ziges Wort über Fuß­ball ver­loren hätte. Er hat ein­fach nur über das Leben geredet.

Später trai­nierten sie unter Pep Guar­diola. Merkt man, dass Bielsa sein Vor­bild ist?
Als ich unter Pep trai­niert habe, kam er immer wieder zu mir und hat mich über meine Zeit mit Bielsa aus­ge­fragt. Er wollte wissen, wie Bielsa trai­nierte, wie er mit den Spie­lern umging. Aber diese Hoch­ach­tung beruht auf Gegen­sei­tig­keit. Pep bewun­dert Bielsa. Bielsa bewun­dert Pep. Ich kann mich noch an ein Spiel erin­nern, als wir mit Bilbao gegen Bar­ce­lona gespielt haben. San Mamés, Abend­spiel, es hat geregnet, Bielsa gegen Pep. Tak­tisch war das ein­fach unglaub­lich. Es war das schönste Fuß­ball­spiel, das ich in meinem ganzen Leben gesehen habe.

Das sie gesehen haben?
Später, im Fern­sehen.

Hat sich dieses Spiel für Sie auf dem Platz auch so schön ange­fühlt?
Nein. Wenn ich spiele, denke ich nicht nach. Ich spiele ein­fach. Es kommen oft Leute zu mir nach dem Spiel und sagen: Hey, wie gut war denn bitte der heute?!“ Oder: Was hat der denn heute zusam­men­ge­spielt?!“ Ich kann dazu nie etwas sagen. Ich kon­zen­triere mich und schalte alles andere aus.

Wenn man Basti gebraucht hat, war er da und hat dir einen Ret­tungs­ring zuge­worfen.“

Javi Martinez

Aber auf Ihrer Posi­tion muss man doch auf alles achten, was auf dem Spiel­feld pas­siert.
Absolut, aber ich schaue nicht darauf, wie jemand spielt. Unsere Auf­gabe ist es, die gesamte Mann­schaft zu ordnen. Das Wich­tigste für einen Sechser ist, durch­ge­hend kon­zen­triert zu sein. Man darf nie abschalten. Auch wenn der Ball weit weg ist, musst du durch­ge­hend nach­denken, anti­zi­pieren: Wie kann der ball­füh­rende Spieler uns wehtun?

Wie hat sich die Rolle des Sech­sers in den ver­gan­genen Jahren ver­än­dert?
Es gibt kaum noch Mann­schaften, die mit der Doppel-Sechs spielen. Seit vier, fünf Jahren ist eine ein­zelne Sechs mit zwei offen­si­veren Mit­tel­feld­spie­lern zum Stan­dard geworden. Aber der Fuß­ball ver­än­dert sich jedes Jahr. Viel­leicht kommt die Doppel-Sechs irgend­wann wieder.

Sie bil­deten mit Bas­tian Schwein­s­teiger die vor­erst letzte Doppel-Sechs bei Bayern. Wie war es, mit ihm zusam­men­zu­spielen?
Es war unglaub­lich. Basti war jah­re­lang einer der besten Mit­tel­feld­spieler der Welt. Er war überall auf dem Spiel­feld, war tor­ge­fähr­lich, konnte ver­tei­digen. Er war ein kom­pletter Mit­tel­feld­spieler, eine Maschine. Wenn man ihn gebraucht hat, war er da und hat dir einen Ret­tungs­ring zuge­worfen.

War Ihnen von Beginn an klar, dass sie gut zuein­ander passen würde?
Mit Basti zu spielen war sehr ein­fach. Wir brauchten zwar eine kleine Ein­ge­wöh­nungs­phase, aber nach ein paar Monaten wussten wir genau, was der andere braucht und was der andere tun würde. Abseits des Platzes waren wir uns mensch­lich sehr ähn­lich, waren beide sehr extro­ver­tiert, immer gut gelaunt. Und auf dem Platz waren wir beide Spieler, die den ganzen Platz bespielt haben. Wir haben Kilo­meter gefressen.