Manuel Schmie­de­bach, ist das Leben als Fuß­ball­profi so, wie sie es sich früher vor­ge­stellt haben?
Ehr­lich gesagt, hatte ich keine kon­krete Vor­stel­lung. In meiner Jugend­zeit bei Hertha BSC hatte ich einen guten Kumpel – Elias Pech. Wir haben uns oft dar­über unter­halten: Was meinst du, wie sieht es in fünf Jahren aus? Haben wir es dann geschafft oder nicht? Aber wir hatten beide keine Idee, wie das Leben als Fuß­ball­profi aus­sieht.

Was haben Sie denn bei Hertha von diesem Leben mit­be­kommen?
Man sieht die Autos der Profis auf dem Hof.

Sie haben weder ein Auto noch einen Füh­rer­schein – und gelten schon fast als Son­der­ling, weil Sie leere Pfand­fla­schen zum Super­markt zurück­bringen.
Das ist Quatsch, das machen die anderen doch genauso.

Ist es für einen Fuß­baller ein Nach­teil, wenn er für die Öffent­lich­keit als anders gilt?
Nor­ma­ler­weise sollte es kein Nach­teil sein, als boden­ständig zu gelten. Spieler, die ein biss­chen aus­ge­flippter sind, haben eher ein Pro­blem, weil sie in einer bestimmten Schub­lade ste­cken. Und hier in Han­nover weiß sowieso jeder, wie ich ticke, wie man mit mir umzu­gehen hat, wie man mich zu nehmen hat.

Pflegen Sie Ihr Image bewusst?
Über­haupt nicht. Es ist ja mitt­ler­weile eher so, dass ich nur wenige Inter­views gebe. Dass ich mit Ihnen dieses Inter­view mache, ist eher eine Aus­nahme.

Warum?
Die ersten zehn Inter­views gingen nur darum, dass ich keinen Füh­rer­schein habe, dass ich mit dem Bus zum Trai­ning komme, wie viele Natio­na­li­täten ich habe. Immer die­selben Fragen. Da hätte ich auch einen Sprach­com­puter auf den Tisch legen und wieder gehen können. Irgend­wann hast du da ein­fach keine Lust mehr darauf. Ich habe sogar schon über­legt, dass ich ein­fach sage: Ich habe meinen Füh­rer­schein gemacht – nur damit ich meine Ruhe habe.

Es ist halt immer noch etwas Beson­deres, wenn ein Fuß­baller kein dickes Auto fährt, son­dern öffent­liche Ver­kehrs­mittel nutzt.
Wieso? Marco Reus fährt doch auch mit der Bahn! (Lacht) Nein, im Ernst, was ist denn beson­ders daran? Für mich ist das ein­fach prak­tisch. Wenn ich nach Berlin zu meiner Familie will, brauche ich mit dem Zug aus Han­nover eine Stunde zwanzig bis Spandau. Mit dem Auto wäre ich drei Stunden unter­wegs. Ich habe ja sogar mal ange­fangen, den Füh­rer­schein zu machen. Das war noch in Berlin. Da musste ich aus Geld­mangel auf­hören. Die 1000 Euro hatte ich ein­fach nicht.