Hen­rikh Mkhi­ta­ryan, haben Sie jemanden, mit dem Sie in Dort­mund Schach spielen können?
Bis­lang noch nicht. Nur am Com­puter. Aber nicht online, was ja auch sehr ver­breitet ist. Ich spiele immer nur gegen den Com­puter.
 
Ich habe auch nie­manden. Wenn Sie möchten, können wir eine Partie spielen.
Nicht jetzt, dafür reicht die Zeit nicht, weil ich gleich Trai­ning habe. Aber viel­leicht beim nächsten Mal.

Im Gegen­satz zu den meisten Ihrer Kol­legen sind Sie ja kein Freund der Play­Sta­tion.

Das stimmt. Ich spiele nicht gerne Play­Sta­tion, weil mich das nervös macht. (lacht) Wenn etwas nicht klappt, regt mich das auf.
 
Was uns zu Felix Magath bringt. Er unter­stützt gerade eine Kam­pagne, die auch in Deutsch­land Schach in die Schulen bringen will. Die Idee dahinter ist, dass Kinder durch Com­puter, Spiel­kon­solen und Smart­phones die Fähig­keit ver­lieren, sich länger auf etwas zu kon­zen­trieren. Und Schach trai­niert diese Fähig­keit.
Da hat er sicher Recht. Heute sind alle nur noch an tech­ni­schen Geräten inter­es­siert. Selbst wenn gespielt wird, pas­siert das am Com­puter oder am Telefon. Viel­leicht ist das nicht gut, aber die Ent­wick­lung schreitet voran und man muss mit­gehen.
 
Wie kam es dazu, dass Monica, Ihre Schwester, nicht mehr Ihre Bera­terin ist, son­dern dass Sie nun beim Star-Agenten Mino Raiola sind?
Meine Schwester hat ihn für mich gefunden. Ich bin froh, dass ich ihn getroffen habe, denn er ist ein sehr guter Berater und vor allem auch ein guter Typ. Ich bin froh, dass ich mit ihm arbeiten kann, und ich bin ihm dankbar, denn er hat bei meinem Wechsel zu Borussia Dort­mund einen guten Job gemacht. Es war ein kom­pli­zierter Transfer.
 
Weil die Trans­fer­rechte bei meh­reren ihrer ehe­ma­ligen Klubs lagen und weil meh­rere Klubs Ihnen Ange­bote machten. Sie aber wollten immer nach Dort­mund, oder?
Ja, ich hatte mir Dort­mund aus­ge­sucht, weil ich die Art mochte, wie sie dort spielen. Die Spieler gefielen mir auch – und dann war da natür­lich noch der groß­ar­tige Trainer, Jürgen Klopp.
 
A cool guy“, wie ein anderer Klient von Raiola kürz­lich sagte, Zlatan Ibra­hi­mović.
Ja, ein toller Trainer. Nachdem ich mit ihm gespro­chen hatte, war die Ent­schei­dung für mich gefallen. Da wollte ich nur noch nach Dort­mund.
 
Lag es auch daran, dass dieser Verein viel­leicht ein biss­chen fami­liärer ist als andere große Klubs?
Er ist mehr als eine Familie. Ich hatte keine Vor­stel­lung davon, wie gut die Stim­mung im Klub und die Atmo­sphäre im Sta­dion ist. Jeder hatte mir davon erzählt, aber ich habe es nicht so richtig geglaubt. Jetzt wo ich hier bin, kann ich sagen, dass der Verein mehr als eine Familie für mich ist. Wir haben alle ein sehr enges Ver­hältnis hier.
 
Hatten Sie schon mal einen Trainer, der Ihnen gesagt hat, dass Sie zu nett sind? Dass Sie auf dem Platz aggres­siver sein sollten?
Das haben alle Trainer gesagt. (lacht) Alle haben mir gesagt, dass ich zu viel für die Mann­schaft spiele und dass es manchmal gut sein kann, ego­is­ti­scher zu sein. Also ver­suche ich, ein Egoist zu sein. Aber nur auf dem Platz! Und wenn ich sehe, dass ein Mit­spieler besser steht, werde ich sicher nicht ego­is­tisch sein.

Das muss schwierig sein – zu ver­su­chen, ein Egoist zu sein, wenn es dem Cha­rakter wider­spricht.
Trotzdem muss man es tun. Als ich nach Dort­mund kam, hat Jürgen Klopp mir gesagt, dass ich auch los­lassen muss und dass es nicht gut ist, immer nur an Fuß­ball zu denken. Ich habe ange­fangen zu ver­stehen, was er damit meint, und so langsam hat sich dieser Teil von mir hier ver­än­dert. (lacht) Wenn er mir jetzt sagt, dass ich zu mann­schafts­dien­lich bin, dann ver­suche ich, ein Egoist zu sein. Es ist nicht ein­fach, aber man muss sich auch ver­än­dern können.
 
Fühlen Sie so etwas wie Druck hier?
In den ersten sechs Monaten, ja. Da fühlte ich mich unter Druck. Aber das ist nicht mehr so. Jetzt bin ich locker und denke ich nicht mehr daran, son­dern nur noch ans Trai­ning, an die Spiele und daran, wie gut das Leben ist. Der Trainer wusste, dass ich mich unter Druck setze und zu viel über mich und meine Leis­tung nach­dachte. Des­wegen hat er mir gesagt, ich sollte ent­spannter sein. 
 
Stimmt es, dass sie neben dem Fuß­ball ein Wirt­schafts­stu­dium absol­vieren?
Ich habe vor­letztes Jahr damit ange­fangen. Ich bin in Arme­nien ein­ge­schrieben und wenn ich Urlaub habe, im Sommer und im Winter, ver­suche ich, hin­zu­fahren und recht­zeitig meine Prü­fungen abzu­legen. Aber es ist natür­lich ein biss­chen schwierig, in Deutsch­land zu sein und in Arme­nien zu stu­dieren. Es ist ein Fern­stu­dium. Ich habe alle Bücher, die ich brauche, hier in Dort­mund und kann lernen. Ich hoffe, dass ich in zwei Jahren fertig bin.
 
Machen Sie das, um sich zu beschäf­tigen, oder wollen Sie das später mal nutzen?
Ich tue es, damit ich etwas habe, wenn die Fuß­ball-Kar­riere vorbei ist, damit ich viel­leicht noch einen neuen Beruf ergreifen kann.
 
Vielen Dank für das Gespräch. Und beim nächsten Mal spielen wir Schach!
Abge­macht.

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