Andreas Hinkel, Ihr ehe­ma­liger Verein, der FC Sevilla, könnte gegen den FC Liver­pool zum dritten Mal in Folge die Europa League gewinnen. Es wäre der fünfte Titel in den ver­gan­genen zehn Jahren. Sind Klub und Wett­be­werb für­ein­ander gemacht?
Scheint so. Aber das bezieht sich nicht nur auf die Europa League. Sevilla ist ein Klub, der in Wett­be­werben mit K.o.-Spielen immer auf­trumpft. Sie stehen dieses Jahr auch wieder im spa­ni­schen Pokal­fi­nale, nächstes Wochen­ende geht es da gegen den FC Bar­ce­lona. Egal ob Copa del Rey, Super Cup, Europa League – in ein oder zwei Spielen ist Sevilla nur sehr schwer zu schlagen.

Gibt es dafür eine Erklä­rung?
Ich hab auch schon dar­über nach­ge­dacht, die Mann­schaft ver­än­dert sich ja ständig. Die Spieler sind andere und trotzdem ist Sevilla kaum aus­zu­schalten. Das liegt auch an der Stim­mung, an der Men­ta­lität, die im Klub vor­ge­lebt und wei­ter­ge­geben wird. Wenn du da hin­kommst, spürst du ein Ver­trauen in die eigene Stärke. Etwa so: ›Mach dir keine Sorgen. Wir sind der FC Sevilla, wenn es drauf ankommt, sind wir da, dann gewinnen wir.‹ 

War das schon so, als Sie 2006 in Sevilla ankamen?
Da ging es gerade los. Der Klub hatte wenige Monate vorher den Uefa-Cup gewonnen. Es war der erste inter­na­tio­nale Titel der Ver­eins­ge­schichte, in der Stadt waren alle unheim­lich stolz. Überall wur­dest du als Spieler ange­spro­chen. Auf der Straße, in den Tapas­bars. Gleich­zeitig herrschte so ein Gefühl, nach dem Motto: ›Jetzt wollen wir mehr.‹

So kam es dann auch. Gleich in Ihrem ersten Jahr konnten Sie den Uefa-Cup-Sieg wie­der­holen.
Nicht nur das. Wir haben gleich zu Sai­son­be­ginn den Uefa-Supercup gegen Bar­ce­lona gewonnen. 3:0, ein echtes Aus­ru­fe­zei­chen. Später dann noch den spa­ni­schen Pokal. Aber der Uefa-Cup war der Titel, der am meisten gefeiert wurde.

Warum?
Ich hatte das Gefühl, die Leute sind stolz darauf, dass ihr Klub end­lich auch in Europa bekannt ist. In Spa­nien ist es unheim­lich schwer, aus dem Schatten von Barça und Real Madrid zu treten, die natio­nalen Wett­be­werbe sind dort für Klubs aus der zweiten Reihe fast schwerer zu gewinnen als inter­na­tio­nale Titel. Wenn du einen Euro­pa­pokal gewinnst, gehörst du auto­ma­tisch zu den Großen. Auf dieses Gefühl mussten sie in Sevilla lange warten.

Im Gegen­satz zu den Spielen davor durften Sie im Finale gegen Espanyol Bar­ce­lona nicht spielen. Schmerzt das noch immer?
Sicher, aber ich habe auch so meinen Teil bei­getragen. Unsere dama­lige Mann­schaft war ein­fach unglaub­lich stark und Spiel­zeit zu bekommen schwer. Ich denke, das war der beste Kader, den Sevilla je hatte. Dani Alves, Jesus Navas, Luis Fabiano, Fre­deric Kanoute, Renato, Adriano – man muss sich ja nur mal anschauen, bei wel­chen Klubs die später gelandet sind. Das waren Spieler, die immer, wirk­lich immer, gewinnen wollten. Des­wegen konnten wir auch den Uefa-Cup ver­tei­digen.