Seite 2: Warum sich Chris verliebte

Zwar ist der inzwi­schen zwei­fache Vater vor ein paar Jahren mit seiner Familie zurück nach Eng­land gezogen, doch Pon­fer­rada wird für immer seine zweite Heimat bleiben. Chris hat wei­terhin eine Dau­er­karte bei seinem Klub. Bis zum Aus­bruch der Pan­demie flog er zwi­schen zehn- und 14-mal pro Saison nach Nord­spa­nien, um die Blan­quiazul“ (Blau-Weißen) zu unter­stützen. Im Gepäck hatte er meist sein blaues Riesen-Banner mit der Auf­schrift No one likes us – we don’t care“.

Die Leute in Eng­land fragen Chris oft, warum er damals nach Spa­nien gezogen sei. Etwa wegen der Sonne? Aber nein, es ist eher kühl dort und sehr bergig“, klärt er auf. Es gibt zahl­reiche Flüsse und eine Temp­ler­burg aus dem 12. Jahr­hun­dert. Ins­ge­samt ist es ein­fach eine mär­chen­hafte Gegend. Ich sehe dort Schön­heit in jeder Ecke und ich mag es, in den Bergen wan­dern zu gehen oder die Pilger zu treffen, die durch die Stadt ziehen. Ich liebe die Men­schen, die Herz­lich­keit, das Essen.“ Und nun, da seine Tochter dort geboren wurde, sei die Bin­dung sowieso ewig.

Ein Hei­liger in der Kabine

Stadt und Verein haben Chris Pidgeon ihrer­seits längst adop­tiert – und ein Stück weit zum Hei­ligen erklärt. Als SD Pon­fer­ra­dina im Mai 2019 die Play­offs zum Auf­stieg in die 2. Liga erreicht hatte, flog der Edelfan natür­lich zum Heim­spiel ein. Vor dem Anpfiff durfte er die Mann­schaft in der Kabine besu­chen. Als der Auf­stieg geschafft war, war das Mär­chen-Fee­ling für Chris kom­plett: Ich wurde ein­ge­laden, den Bür­ger­meister zu treffen. Sie baten mich, vom Rat­haus-Balkon aus zu den Fans zu spre­chen.“ Wäh­rend­dessen begannen die Spieler, Chris is on Fire!“ zu singen, nach der Melodie des Dance-Hits Freed From Desire“ von Gala. Es war eine absolut krasse Erfah­rung“, erin­nert sich der Gefei­erte. Ich kneife mich heute noch manchmal.“

Als im März 2020 klar wurde, dass Fuß­ball-Reisen für län­gere Zeit unmög­lich sein würden, fasste Chris einen spon­tanen Ent­schluss: Er flog zum Aus­wärts­spiel bei CD Tene­riffa, wo ihn wegen der Pan­demie jedoch kein Hotel mehr beher­bergen wollte. Die Nacht ver­brachte er auf einer harten Bank in der zugigen Kälte vor dem Flug­hafen-Gebäude. Erst am Morgen erbarmten sich ein paar Jungs und reichten Chris einen heißen Kaffee sowie ein paar Sand­wi­ches: Es waren die Profis von SD Pon­fer­ra­dina, die soeben gelandet waren.

Am 3. Oktober will El Inglés“ sein Team end­lich wieder live spielen sehen – zu Hause, gegen Real Val­la­dolid. Schließ­lich feiert SD Pon­fer­ra­dina bald sein 100-jäh­riges Bestehen. Ins­ge­heim lieb­äu­gelt der Pro­vinz­klub sogar mit dem Auf­stieg in die Pri­mera Divi­sión. Chris Pidgeon sollte schon mal an seiner nächsten Rede feilen.