Es ist Montag, kurz nach Mit­ter­nacht. Auf dem Park­platz neben dem Sta­dion von Legia War­schau fährt ein Bus vor. Die Stim­mung darin ist desas­trös. Ein paar Stunden ist es nur her, da haben die Spieler von Legia War­schau 0:3 gegen Erz­ri­vale Lech Posen ver­loren. Sie haben schwach gespielt, das wissen sie. Wie so oft in den ver­gan­genen Wochen. Im August sind sie in der Qua­li­fi­ka­tion zur Cham­pions League gegen FK Astana aus­ge­schieden. Kurze Zeit später endete der Traum von Europa ganz und gar. End­sta­tion in der Europa League-Qua­li­fi­ka­tion: She­riff Tiraspol. 

Das kratzt nicht nur am Selbst­be­wusst­sein, das bedeutet vor allem auch große, finan­zi­elle Ver­luste. Und es ging immer so weiter. Bis zum ver­gan­genen Wochen­ende. Legias neuer Trainer, Romeo Jozak, sagte nach der Nie­der­lage gegen Lech, dass Fuss­ball ein Spiel für Männer sei, nur habe seine Mann­schaft wie Mäd­chen gespielt habe: Viele Frau­en­mann­schaften hätten mehr Ehr­geiz und Kraft auf dem Spiel­feld gezeigt, als wir in Posen. Ich fühle mich, als ob die Spieler mich ver­raten haben. Sie haben nicht gespielt, wie sie es mir ver­spro­chen haben“. Das Ver­hältnis zwi­schen Spie­lern und Trainer soll schon nicht mehr das beste sein. Ver­ständ­lich.

Diesmal kein Gespräch

Aber zurück auf den Park­platz vor dem Legia-Sta­dion. Der Bus bleibt stehen. Ein Mann mar­schiert hinein, befiehlt alle Spieler heraus, auf den Park­platz. Die Spieler ver­muten, dass ihre Fans ein so genanntes Moti­va­ti­ons­ge­spräch“ mit ihnen führen wollen. Solche Gespräche“ finden in Polen relativ oft statt, wenn die Mann­schaften ein schlechte Leis­tungen zeigen. 

Doch diesmal war alles anders. Die Legia-Ultras wollten nicht mit den Spie­lern spre­chen. Sie wollten ihnen wehtun. Eine Gruppe von unge­fähr 50 Männer umgibt die Spieler und beginnt, die Profis in die Gesichter und Nacken zu schlagen. Mit offenen Händen, damit es keine Spuren gäbe. Sie wollen die Spieler demü­tigen, aber nicht zu schwer zu ver­letzen. Der Spuk dauert acht Minuten. Danach, so sagen die Spieler, hätten die Schläger gedroht: Wenn ihr gegen Lechia Danzig nicht besser auf­tretet, kommen wir zurück.“

Erst Schläger, dann Desi­gner

Ein ist gerade ein Jahr her, da war die Stim­mung rund um Legia ganz anders. War­schau war der erste pol­ni­sche Klub seit zwanzig Jahren, der es in die Cham­pions League geschafft hatte. Legia würde die pol­ni­sche Liga lange Zeit domi­nieren, da waren sich alle Experten einig. Boguslaw Les­no­dorski, damals Legias Geschäfts­führer, sah Legia als pol­ni­sches Pen­dant zum FC Bayern Mün­chen. Doch der erste Auf­tritt Legias in der Königs­klasse wurde zum Anfang einer Kata­strophe. 

Beim Heim­spiel gegen Borussia Dort­mund (0:6) ran­da­lierten die pol­ni­schen Fans auf den Tri­bünen. Beim Aus­wärts­spiel in Madrid (1:5) trugen sie die Unruhen auf die Straßen der spa­ni­schen Haupt­stadt. Also sperrte die UEFA das Sta­dion gegen Real (3:3) für die Zuschauer. Vor allem auch mit seinen Ultras hat Legia seit Jahren schon Pro­bleme. 2011 etwa atta­ckierte ein Fan, den alle nur Staruch“ („Der Alte“) nennen, Legias Innen­ver­tei­diger Jakub Rzez­niczak, und schlug ihm im Sta­di­on­tunnel ins Gesicht. Unter­nommen wurde nichts. Weder vom Spieler, noch von Ver­eins­seite. Staruch“ hat später sogar das Klub-Mas­kott­chen ent­werfen dürfen.