Nein, gute Vor­bilder waren die Spieler von Paris Saint Ger­main am Mitt­woch­abend wahr­lich nicht. Da war wieder einmal Neymar, der im Spiel gegen Borussia Dort­mund eine Schau­spiel­ein­lage nach der anderen hin­legte. Da war die kin­di­sche Scha­den­freude, mit der die PSG-Profis nach dem Wei­ter­kommen Erling Haa­lands Medi­ta­tions-Jubel aus dem Hin­spiel kopierten. Und nicht zuletzt war da Layvin Kurzawa, der den Einzug ins Ach­tel­fi­nale Arm in Arm mit den Fans fei­erte.

Nun wäre spe­ziell Kurzawas Aktion nicht weiter ver­werf­lich, im Gegen­teil, ist doch im modernen Fuß­ball jeder Anflug von Nähe zwi­schen Profis und Fans ein höchst sel­tenes Gut. In Zeiten des Coro­na­virus jedoch ist das mit der Nähe aktuell leider keine so gute Idee. Und so geriet die wahr­schein­lich nur gut gemeinte Jubel­ein­lage zur Beloh­nung eines höchst frag­wür­digen Ver­hal­tens.

Denn ent­gegen anders­lau­tender Emp­feh­lungen hatten sich am Mitt­woch sowohl in Paris als auch in Mön­chen­glad­bach zahl­reiche Fans vor den leeren Sta­dien ihrer Mann­schaften ver­sam­melt, um sie von dort aus zu unter­stützen. Und nicht nur in Paris, auch in Deutsch­land rief das bei den Spie­lern Aner­ken­nung hervor.

Die Ver­brei­tung des Virus bewusst in Kauf genommen

Ich finde es beach­tens­wert, dass so viele Men­schen sich im Regen hinter die Nord­kurve stellen und uns feiern“, sagte zum Bei­spiel Chris­toph Kramer nach dem 2:1‑Sieg über den 1. FC Köln im Geis­ter­derby. Beach­tens­wert war das Ver­halten der Glad­ba­cher Fans allemal – aller­dings im nega­tiven Sinne. Denn es ist ja nicht so, als hätten sie durch ihr hel­den­haftes Aus­harren im Regen der Mann­schaft den Der­by­sieg beschert und dafür ledig­lich eine ner­vige Erkäl­tung ris­kiert. Mit ihrer Ver­samm­lung vor, wäh­rend und nach dem Spiel nahmen sie wis­sent­lich in Kauf, dass sich das gras­sie­rende Coro­na­virus weiter ver­breitet.

Und auch, wenn die meisten der anwe­senden Ultras auf­grund ihres Alters und ihrer kör­per­li­chen Ver­fas­sung nicht zur Gruppe der beson­ders Gefähr­deten zählen: Der Gedanke, die schwä­cheren und älteren Mit­glieder der Gesell­schaft zu schützen, wäre in der Situa­tion wahr­schein­lich ein bes­serer Rat­geber gewesen als der selbst auf­er­legte Anspruch, die Mann­schaft trotz der außer­ge­wöhn­li­chen Umstände nach Mög­lich­keit so zu unter­stützen wie es sich für das Derby gehört“.

Soli­da­rität sieht anders aus

Zumal sich gerade die Ultra­szene Soli­da­rität als Mantra der eigenen Bewe­gung auf ihre Fahnen geschrieben hat. Wer jedoch nicht einmal in Aus­nah­me­si­tua­tionen wie der aktu­ellen aus Rück­sicht auf andere auf die übli­chen Rituale ver­zichten kann, muss sich womög­lich zurecht den Vor­wurf gefallen lassen, sich selbst zu wichtig zu nehmen und igno­rant zu han­deln.

Ultras sind das Sprach­rohr der Fan­kurven, sie geben den Ton auf den Tri­bünen an. Das bringt ein großes Maß an Ver­ant­wor­tung mit sich. Wer den­noch in diesen Tagen dazu auf­ruft, sich in großen Gruppen zu treffen, um einer Fuß­ball­mann­schaft einen wür­digen Der­by­emp­fang“ zu bereiten, der wird dieser Ver­ant­wor­tung nicht gerecht. Glei­ches gilt für Fuß­ball­profis, die dieses ver­ant­wor­tungs­lose Han­deln mit ihrer Aner­ken­nung auch noch belohnen.