Tommi Schmitt, wissen Sie, wie viele Kilo­meter zwi­schen Köln und Mön­chen­glad­bach liegen?
Ich schätze mal so um die 40. Kommt das hin?

Es sind knapp 55. In Ihrem Pod­cast Gemischtes Hack“ kün­digten Sie kürz­lich an, im Falle einer Glad­ba­cher Meis­ter­schaft die gesamte Strecke mit Joko Win­ter­scheidt zu Fuß gehen zu wollen.
(Lacht.)
Die Idee ist nach dem Last-Minute-Sieg gegen Bayern im Eifer des Gefechts ent­standen. Da steckte auch viel Übermut und Euphorie hinter. Außerdem haben wir uns ja ein Hin­ter­tür­chen gelassen: Von wo genau wir los­gehen wollen, haben wir noch nicht fest­ge­legt.

Clever.
Obwohl 55 Kilo­meter ja sogar fast zu schaffen wären. Ich bezweifle aller­dings, dass wir diese Wette über­haupt ein­lösen müssen.

Weil es am Ende doch wieder die Bayern machen?
Ich befürchte es. In der letzten Spiel­zeit sah es ja noch weniger danach aus, Dort­mund hatte zur Win­ter­pause sogar sechs Punkte Vor­sprung. Sandro Wagner war damals der Ein­zige, der ganz selbst­ver­ständ­lich gesagt hat: Natür­lich wird Bayern noch Meister.“ Das wirkte zu dem Zeit­punkt fast anma­ßend.

Letzt­end­lich hat er Recht behalten.
Genau. Ich weiß aber auch noch, wie er lan­des­weit für diese Aus­sage aus­ge­lacht wurde. Als Bayern dann tat­säch­lich die Meis­ter­schaft gewann, hatten Fans und Medien das schon wieder völlig ver­gessen. Heut­zu­tage geht eben alles sehr schnell.

Ein Postbote will nach Feierabend auch nicht über neue Briefformate sprechen“

Grund­sätz­lich haben Sie in ihrem Berufs­leben wenig mit Fuß­ball zu tun, als TV-Autor schreiben Sie vor allem für Come­dy­for­mate. Fehlt Ihnen da manchmal was?
Das frage ich mich häufig. Ich habe ja mal kurz in der Fuß­ball­branche gear­beitet, mein Volon­ta­riat nach dem Bachelor ver­lief in der Pres­se­ab­tei­lung von Borussia Mön­chen­glad­bach.

Der Traum eines jeden Fans?
Natür­lich ist es auf­re­gend, für seinen Lieb­lings­klub zu arbeiten. Ande­rer­seits geht dadurch auch schnell der Zauber, das Auf­re­gende an der Sache ver­loren. Hinter dem Spek­takel auf dem Platz ist ein Fuß­ball­klub schließ­lich ganz banal und seriös auf­ge­baut, wie eine gut geführte Firma.

Haben Sie ein paar Profis ken­nen­ge­lernt?
Im Grunde die gesamte Mann­schaft. Aber amü­santer finde ich die Per­so­nalie Chris­to­pher Lenz: Der läuft inzwi­schen für Union Berlin auf, hat aber in seiner Jugend für Glad­bach gespielt. Damals mussten einige Nach­wuchs­spieler neben der fuß­bal­le­ri­schen Aus­bil­dung auch Prak­tika in ver­schie­denen Berei­chen des Ver­eins absol­vieren, Chris­to­pher kam zu uns in die Pres­se­ab­tei­lung.

Haben Sie immer noch Kon­takt?
Beim Aus­wärts­spiel an der alten Förs­terei stand ich im Gäs­te­block. Chris­to­pher hat an dem Tag stark gespielt und großen Anteil daran gehabt, dass wir mit 0:2 ver­loren. Darauf war ich fast ein wenig stolz und habe die Geschichte anschlie­ßend im Pod­cast erzählt. Ein paar Tage später berich­tete er mir dann, dass einige Team­kol­legen ihn auf die Erwäh­nung im Pod­cast ange­spro­chen hätten. Das fühlte sich fast nach ver­tauschten Rollen an – schließ­lich ist er ja der Bun­des­li­ga­spieler.

Was sind Fuß­baller für Gesprächs­partner?
Ziem­lich nette. Aber bei Profis denken immer alle – mich ein­ge­schlossen – sie müssten das Gespräch zwang­haft aufs Thema Fuß­ball“ lenken. Total irra­tional, ein Post­bote will ja auch nicht nach Fei­er­abend noch über neue Brief­for­mate spre­chen. Es gibt eine sehr lus­tige jerks“-Folge, die das fan­tas­tisch the­ma­ti­siert. Hertha-Fan Chris­tian Ulmen fragt Arne Fried­rich da dau­ernd nach Ber­liner Ver­eins­in­terna aus, obwohl sie etwas ganz anderes zu bespre­chen haben. Das trifft es ziem­lich im Kern. Fuß­ballfan bleibt man eben immer.