Seite 2: Etwas hat sich verändert

Damals war Arsenal ein Mit­tel­klas­se­klub, der von ver­blasstem Ruhm lebte. Hornby ver­glich die Bezie­hung zwi­schen dem Team und seinen Anhän­gern mit einem Ehe­alb­traum: Ein Partner ver­sagte jäm­mer­lich beim Ver­such, dem anderen zu gefallen, und dieser andere drehte das Gesicht zur Wand, zu ange­wi­dert, um über­haupt noch hin­zu­schauen.“

Leid­prü­fung

Als Fever Pitch“ 1992 erschien, konnten sich Anhänger anderer Ver­eine mit der zen­tralen Beob­ach­tung iden­ti­fi­zieren, dass das Leben als Fan zwangs­läufig ein Elend war. Bald schlossen sich die Macher von Fan­zines und die User der frühen Mess­a­ge­boards der Idee an, dass es gera­dezu bewun­derns­wert ist, ein leid­ge­prüfter“ Fan zu sein.

Doch das Fan-Sein hat sich ver­än­dert. Das klarste Anzei­chen dafür ist wohl die Tat­sache, dass heute auf jeden Sta­di­ongänger, der das Spiel ver­folgt, ein anderer kommt, der nur auf sein Smart­phone blickt. Der Autor und Arsenal-Fan John Foot sagt: Früher gingen ein paar Leute ins Sta­dion, die meisten schauten sich die High­lights im Fern­sehen an. Heute kann jeder jedes Spiel live sehen – und dabei Kom­men­tare hin­ter­lassen. Das wird zur zen­tralen Akti­vität. Es erzeugt nar­ziss­ti­sche Ten­denzen, wes­halb die Leute gar nicht mehr über Arsenal oder Liver­pool reden. Es geht nur noch um ›mich‹, um ›meine Mei­nung‹.“ Unter­hal­tungen und Gefühle, die früher in Raum und Zeit gefangen waren – dem Sta­dion und der Dauer des Spiels –, sind heute endlos und all­ge­gen­wärtig. Spieler, Trainer und Offi­zi­elle werden ständig beur­teilt und meis­tens als man­gel­haft bewertet. Sitz­blo­ckaden mögen in Deutsch­land ein alter Hut sein, doch Briten waren früher stolz darauf, ihr Team bedin­gungslos zu unter­stützen. Heute umla­gern Anhänger von Aston Villa den Mann­schaftsbus und schleu­dern den Spie­lern Obszö­ni­täten ent­gegen.

Kei­nerlei Anstand

Etwas Grund­le­gendes scheint sich ver­än­dert zu haben. Die letzten Jahre von Brian Clough als Trainer in Not­tingham waren geprägt von Alko­ho­lismus, Ver­hal­tens­auf­fäl­lig­keiten und dem Abstieg – doch nie­mand wünschte diesem ver­dienten Trainer Krank­heit oder gar Tod. Die Wenger-Hasser hin­gegen werfen ihm schon vor, dass er seit 2004 die Pre­mier League nicht mehr gewonnen hat, obwohl er in dieser Zeit mit weniger Geld als die Kon­kur­renz sein Team an der Spitze hielt und drei Pokal­siege ein­fuhr.