Jürgen Gra­bowski, wir haben Ihnen etwas mit­ge­bracht: Erkennen Sie das Auto auf diesem Foto?
Natür­lich. Ein Opel Bitter, benannt nach dem Renn­fahrer Erich Bitter. Wun­der­schön, oder?

Bernd Höl­zen­bein hat gesagt, diesen Wagen seien in den sieb­ziger Jahren nur er, Paul Breitner und Sie gefahren.
Das stimmt. Meiner war sil­ber­grau, der Holz“ hatte einen in hell­grün-metallic. Den wäre ich sicher­lich nicht gefahren.

Wieso?
Hell­grün-metallic? Mir muss gefallen, was ich sehe und das ist nicht meine Farbe. Nichts gegen den Wagen vom Holz, aber manche Men­schen kaufen sich ein Auto und freuen sich, wenn es fährt. Bei mir muss auch die Optik stimmen.

Sie sind ein Ästhet.
Ich weiß schon, worauf Sie hinaus wollen. Der Tech­niker Gra­bowski, der den Ball lieber strei­chelte, als blind nach vorne zu bolzen. Aber ich sage Ihnen mal was: 15 Jahre lang war ich Profi und in diesen 15 Jahren hatte ich in jedem Spiel einen Son­der­be­wa­cher. Das bedeu­tete 90 Minuten lang Horst-Dieter Höttges, Berti Vogts und all die anderen Experten in Atem­nähe. Wenn ich ver­sucht hätte, solche Spieler nur mit schönem Spiel zu bekämpfen, wäre meine Zeit als Profi schneller vorbei gewesen, als Sie Opel Bitter“ sagen können.

Trotzdem bringt man Sie heute eher mit ele­ganten Außen­ris­t­pässen und schnellen Dribb­lings in Ver­bin­dung. Stört Sie dieses Image etwa?
Ganz und gar nicht. Diese tollen Dop­pel­pässe oder die raf­fi­nierten Flanken in den Lauf habe ich ja geliebt. Die Zuschauer in Frank­furt haben solche Sachen auch von mir erwartet. Wenn Gra­bowski auf dem Platz stand, hatte er auch so zu spielen. Aller­dings hatte ich das große Glück ganz am Anfang meiner Kar­riere einen Trainer zu haben, der meine Spiel­weise bedin­gungslos unter­stützte.

Sie wech­selten 1965 vom FV Biebrich zu Ein­tracht Frank­furt.
Trainer dort war Elek Schwartz, ein Ungar, der zuvor Euse­bios Ben­fica Lis­sabon ins Euro­pa­po­kal­fi­nale geführt hatte. (Ben­fica unterlag 1965 Inter Mai­land mit 0:1, d. Red.). Schwartz liebte den tech­nisch guten Fuß­ball, und obwohl ich gerade erst vom Ama­teur­verein Biebrich 02 zur Ein­tracht gewech­selt war, war ich bei ihm von Anfang an gesetzt.

Welche Methoden hatte Schwartz, um Ihnen das nötige Selbst­ver­trauen ein­zu­flößen?
Er hat mich stark geredet. Noch vor Sai­son­be­ginn stellte er sich vor die Presse und sagte: Der Junge ist in einem Jahr Natio­nal­spieler!“ Die Jour­na­listen haben ihn für ver­rückt erklärt. Aber ich hatte die ganz breite Brust. Gleich im ersten Spiel gegen den HSV gewannen wir mit 2:0 und ich fei­erte gegen den gefürch­teten Jürgen Kurb­juhn ein anstän­diges Debüt. Acht Monate später war ich Natio­nal­spieler.

Wie groß war die Gefahr, bei dieser rasanten Ent­wick­lung den Boden unter den Füßen zu ver­lieren?
Sehr gering. Ein Bei­spiel: Im Sep­tember 1968 spielten wir vor 60 000 Zuschauern zu Hause gegen Bayern Mün­chen. Für das 1:1‑Unentschieden gab es pro Spieler 125 DM Prämie. Brutto. Ich genoss zwar das Pri­vileg vor Zehn­tau­senden zu spielen, aber reich wurde ich dadurch nicht, was die Chancen des Abhe­bens“ deut­lich ver­rin­gerte.

War Elek Schwartz der wich­tigste Trainer Ihrer Kar­riere?
Sicher­lich einer der wich­tigsten. Neben ihm, Erich Rib­beck, Diet­rich Weise, Hans-Dieter Roos, Dettmar Cramer, Otto Kne­fler und Friedel Rausch, war Gyula Lorant aber ein ganz beson­ders wich­tiger.