Die Ent­schei­dung für den Erhalt von 50+1 ges­tern hat eines gezeigt: Nur weil sich der Pro­fi­fuß­ball mehr und mehr von der Basis ent­fernt, ist es noch nicht zu spät, ihn – zumin­dest teil­weise – wieder ein­zu­fangen. Für diese Erkenntnis sollten wir den Akti­visten, die in den ver­gangen Wochen durch die Grün­dung der 50+1 bleibt“-Initiative Kräfte gebün­delt und sich dadurch Gehör in der Öffent­lich­keit ver­schafft haben, ehr­lich dankbar sein.

Sie haben gezeigt, was auch im Jahr 2018 noch mög­lich ist. Wenn man sich orga­ni­siert, wenn man mit Argu­menten statt Gezeter die eigene Mei­nung ver­tritt und wenn man ver­deut­licht, dass sich eigene Anliegen nicht ein­fach klein­reden oder weg­wi­schen lassen. Auch, weil die Initia­toren Aus­rut­scher ins Niveau­lose ver­mieden – und sich dadurch von den 50+1‑Gegner nicht angreifbar machten. Statt­dessen haben sie die ent­schei­denden Leute in ihren Ver­einen, in den Medien und in der Szene angepikst, um im rich­tigen Moment Schwung zu holen. Und ob sich ein­zelne Ver­eine nur für den Erhalt der Rege­lung aus­spra­chen, um sich so den schnellen Applaus bestimmter Fan-Gruppen zu sichern“ – wie es Mat­thias Brü­gel­mann in der BILD“ so wun­derbar schwach­sinnig for­mu­lierte (um sich den Applaus bestimmter Leser-Gruppen zu sichern?) – ist in der End­ab­rech­nung weder billig noch ver­ant­wor­tungslos, son­dern schlichtweg die rich­tige Ent­schei­dung.

Es gibt noch genug zu tun

Weil es manchmal nicht schaden kann, Kritik als kon­struktiv zu ver­stehen und auf diese dann auch ent­spre­chend zu reagieren. Dar­über hinaus liegt es ja durchaus im Bereich des Mög­li­chen, dass sich ein­zelne Ver­einen schlicht aus Über­zeu­gung für den Erhalt von 50+1 ent­schieden haben, voll­kommen unab­hängig vom Applaus-Poten­zial aus den eigenen Reihen.

Was außerdem viele noch immer nicht ver­standen haben: Den Befür­wor­tern der 50+1‑Regelung geht es nicht darum, anderen Fans den sport­li­chen Erfolg der eigenen Mann­schaft zu ver­bauen oder zu dik­tieren, wel­cher Investor wie­viel Geld in wel­chen Verein pumpen darf. Es geht einzig und allein darum, dass diese Fragen auch zukünftig noch auf Mit­glie­der­ver­samm­lungen dis­ku­tiert werden können. Wenn sich die Mehr­heit der Mit­glieder dann wie in Köln oder Bochum dafür ent­scheidet, Klub­an­teile zu ver­kaufen, dann ist das in Ord­nung. Aber man sollte ihnen diese urei­gene Wahl auch in Zukunft noch zuge­stehen.

Was dank des Pro­testes, dank der unzäh­ligen Banner und Sprech­chöre in den Sta­dien der Repu­blik und dank der Soli­da­rität unter­ein­ander nun glück­li­cher­weise so bleiben wird. Ein Erfolg der Basis, der Mut macht. Und der allen, die zuletzt das Bedürfnis hatten, ob der teil­weise gro­tesken Ent­wick­lungen im Fuß­ball den Kopf in den Sand zu ste­cken, neue Moti­va­tion ver­schaffen sollte. Damit auch wei­terhin eine Gegen­öf­fent­lich­keit ent­stehen kann, damit es laut laut wird und laut bleibt. Denn, 50+1 hin oder her, es gibt noch genug zu tun. Genug Dinge, die schief laufen. Genug Druck, den es auf­zu­bauen oder auf­recht­zu­er­halten gilt. Ob Anstoß­zeiten im All­ge­meinen, Mon­tags­spiele im Spe­zi­ellen oder dubiose Aus­nah­me­re­ge­lungen für Red Bull: Es ist noch nicht zu spät, um Ein­fluss zu nehmen.