Es gibt genau einen Men­schen, der Bernd Fucker für einen jungen Kerl hält: Bernd Fucker. Alle anderen finden zwar, dass sich der Mann erstaun­lich gut gehalten habe und nun wirk­lich nicht aus­sehe wie 71, für einen Tor­hüter in der Kreis­liga sei er aber, nun ja, uralt. Bernd Fucker aller­dings sagt von sich selbst: Am 26. August hatte ich Geburtstag. Da wurde ich zehn.“ Was wie­derum wun­der­li­cher klingt, als es eigent­lich ist.

Im August 2007 isst Fucker an einem Frei­tag­abend zu Abend, es gibt Tor­tel­lini. Bernd Fucker mag das. Eigent­lich. Doch plötz­lich bekommt er Bauch­schmerzen. Bauch­schmerzen, wie er sie vorher noch nie hatte. Er über­legt, in die Not­auf­nahme zu fahren, beißt aber auf die Zähne. Bis Montag, da geht er zu seinem Haus­arzt, der ihm Koh­leta­bletten gibt. Fucker kotzt sie aus. Danach reicht es ihm, am Dienstag fährt er ins Kran­ken­haus nach Hanau. Dort wird er geröntgt, in den CT geschoben, per Ultra­schall durch­leuchtet, das volle Pro­gramm.

Zwei Wochen im Koma

Am Abend schließ­lich die Dia­gnose: Darm­ver­schluss. Ein Geschwulst, groß und fest wie ein Hand­ball, mitten in seinem Bauch. Für mich war die Sache klar: Das über­lebe ich nicht.“ Doch die Ärzte glauben an Fucker. In der Nacht wird er not­ope­riert, später kommt es zu Kom­pli­ka­tionen, die Bauch­decke wird im OP von Neuem auf­ge­rissen. Danach bekommt er Blut­trans­fu­sionen, 19 Stück ins­ge­samt. Aber von all diesen Dingen weiß Fucker nur aus Erzäh­lungen. Denn aus der Nar­kose wacht er nicht auf – zwei Wochen lang. Er liegt im Koma, bis zum 26. August 2007. Wes­wegen das Datum für ihn sein zweiter Geburtstag ist. Ich glaube, dass das Blut von einem jungen Kerl kam. Nach der Ope­ra­tion hatte ich mehr Energie als davor. Ich fühle mich jetzt viel besser als mit 60.“ Was ein ulkiger Satz ist, wenn man ihn aus dem Zusam­men­hang reißt und daran denkt, dass der Mann in der Kreis­liga B im Tor steht.

Fang­si­cher­heit, gute Reflexe und die Spiel­über­sicht, ja, so könne man seine Stärken beschreiben, sagt Fucker. Es ist Juli, knapp vier Wochen vor seinem zehnten Geburtstag“, und Fucker – Western­bart, gol­denes Arm­band, braun gebrannt – sitzt auf der Ter­rasse seines Rei­hen­hauses in Ober­ro­den­bach. Nur einen Stein­wurf ent­fernt liegt der Sport­platz des FCE Ober­ro­den­bach, also der Sport­platz, auf dem er sich seit diesem Sommer wieder in den Dreck schmeißt. Und auf dem er nur über Umwege lan­dete.