So eine Welt­meis­ter­schaft ist immer auch eine Abschieds­orgie. Favo­riten ver­ab­schieden sich von ihren Titel­träumen, Länder von ihren Trai­nern und Spieler von ihrer Natio­nal­mann­schafts­kar­riere. Ob auch Deut­sche unter den Opfern sein werden, ist noch unbe­kannt. Von Rück­tritten drängte noch nichts an die Öffent­lich­keit. Aber: andere Länder, andere Sitten. Elf Spieler haben ihren Dienst am Fuß­ball-Land bereits quit­tiert. Fünf von ihnen wird die Welt ganz beson­ders ver­missen.

Andres Iniesta
Über 700 Spiele für den FC Bar­ce­lona, achtmal Spa­ni­scher Meister, viermal Cham­pions-League-Sieger, Welt­meister, Euro­pa­meister und, und, und. 31 Titel ins­ge­samt. Kein Spa­nier war je erfolg­rei­cher. Und, ach ja, das Siegtor zum WM-Erfolg 2010 hat er auch noch geschossen. Dazu die unzäh­ligen Hymnen zu seinen Ehren. Xavi, Du wirst mich in Rente schi­cken, aber er wird uns alle in den Ruhe­stand schi­cken“, soll Pep Guar­diola über den 17 Jahre alten Iniesta gesagt haben.

Über den rechten Fuß Gottes, den Bon­bon­ver­teiler“, wie ihn sein Ex-Coach Frank Rij­kaard nannte, weil er so unge­mein viele, schöne Pässe an die Kol­legen bringe. Dabei wirkte er dann immer ganz unbe­tei­ligt. Selten hatte es den Anschein, als begreife er, was er stets war – ein Künstler. Dann tat er wieder so, als sei das doch nunmal das Spiel, als sei das, was er auf den Rasen bringe, ganz normal im Fuß­ball. War es nicht. War es nie. Jetzt ver­ab­schiedet er sich nicht nur von seinem FC Bar­ce­lona, trotz Ver­trag auf Lebens­zeit, geht nicht nur nach Japan, zum Klub von Lukas Podolski, Vissel Kobe, und nicht nur, weil die Bewer­bung seines eigenen Wein­guts Teil des Deals war. Nein, Iniesta sagt auch der spa­ni­schen Natio­nal­mann­schaft adios. Was über­setzt heißen sollte: schade.

Rafael Mar­quez
Auch Mexikos Legende spielte mal beim FC Bar­ce­lona, auch er wurde einst von Trainer-Ikone Pep Guar­diola geadelt: Es gibt auf der Welt nur zwei oder drei Spieler, die in der Lage sind, Mit­spieler durch ihre Pässe besser zu machen.“ Mar­quez war einer von ihnen. Doch der Mann, den sie in Anleh­nung an Franz Becken­bauer El Kaiser“ nennen in der Heimat, und der inzwi­schen stolze 39 Jahre alt ist, sorgte zuletzt vor allem abseits des Platzes für Schlag­zeilen.

Stroh­mann eines Dro­gen­kar­tells soll er sein, seine ame­ri­ka­ni­schen Konten sind ein­ge­froren. Kann man nur hoffen, dass sich die Vor­würfe bald schon als haltlos oder zumin­dest halb so wild ent­kräften lassen. Denn auch wenn Mar­quez bei dieser WM in vier Spielen nur 83 Minuten gespielt hat, war sie his­to­risch für ihn. Schließ­lich war es seine fünfte Teil­nahme an einer Welt­meis­ter­schaft. Das schafften vor ihm nur Antonio Car­bajal und ein gewisser Lothar Mat­thäus.