Eigent­lich könnte sich Romário de Souza Faria zurück­ziehen und von den guten alten Zeiten schwärmen. Den Zeiten, in denen er als Welt­klas­se­stürmer die Selecao erst zum Welt­meis­ter­titel 1994 und dann sich selbst zu Welt­ruhm geschossen hat. Doch der hinter Pelé, Ronaldo und Neymar viert­beste Tor­jäger in der Geschichte der Selecao, der nach eigener Zäh­lung auf 1002 Pro­fitore kommt, lehnt sich nicht zurück. Im Gegen­teil: Er greift nach der Macht.

Romario, mitt­ler­weile 52 Jahre alt, will Gou­ver­neur des Bun­des­staates Rio de Janeiro werden. Was sich mit dem Amt eines Minis­ter­prä­si­denten in Deutsch­land ver­glei­chen lässt. Glaubt man den Umfragen, hat er heute eine rea­lis­ti­sche Chance, in die Stich­wahlen ein­zu­ziehen. Sein Gegner in diesen wäre wohl ein poli­ti­sches Schwer­ge­wicht: Edu­ardo Paes, dem Rest der Welt als Bür­ger­meister Rio de Janeiros wäh­rend der WM 2014 und der Olym­pi­schen Spiele 2016 bekannt.

4.683.963 Stimmen für Romario

Ich habe Kan­di­daten und all das unter­stützt, was mir und der Bevöl­ke­rung ver­spro­chen wurde. Aber sie haben nichts davon ein­ge­löst. Also habe ich mich ent­schlossen, selber anzu­treten. Nach vier Jahren als Abge­ord­neter und vier Jahren als Senator fühle ich mich legi­ti­miert, als Gou­ver­neur zu kan­di­dieren“, begründet das ehe­ma­lige Straf­raum­genie seine Ent­schei­dung. Bai­xinho“ (der Kurze) ist dabei, in der Politik Kar­riere zu machen. Gewinnt er die Wahlen im Bun­des­staat Rio de Janeiro, ist viel­leicht irgend­wann noch mehr mög­lich.

Seine Haupt­mo­ti­va­tion schöpft Romario aus dem Kampf für seine Tochter Ivy, die am Down-Syn­drom leidet. Der Kampf für die Rechte von Behin­derten ist einer seiner poli­ti­schen Stütz­pfeiler, der ihm viel Popu­la­rität ein­ge­bracht hat. Im Oktober 2014 bei der Wahl zu einem Sitz im bra­si­lia­ni­schen Senat sam­melte Romario beein­dru­ckende 4.683.963 Stimmen (63,43 %) ein.

Wie in Bra­si­liens Politik üblich, wech­selte auch Romario schon oft die Partei. Heute gehört er der Partei Podemos an, die nach eigenen Angaben weder links noch rechts ist. Kri­tiker werfen ihr vor, keine Posi­tion beziehen zu wollen. Romario führt das Kon­strukt in Rio als Vor­sit­zender an, sie ist seine Macht­basis. Zur umstrit­tenen Kan­di­datur des rechts­ex­tremen Prä­si­dent­schafts­kan­di­daten Jair Bol­so­naro hat sich Romario bis­lang nicht posi­tio­niert, obwohl dessen schwu­len­feind­liche Sprüche inzwi­schen zu homo­phoben Gesängen auf den Tri­bünen der bra­si­lia­ni­schen Serie A führen.