Seite 2: Ein Politikum

So habe die Geschäfts­füh­rung die Ver­hand­lungen mit dem jet­zigen Namens­sponsor auf­ge­nommen, ohne den Fan­beirat, bestehend aus Ultras und dem Dach­ver­band Bremer Fan­clubs, dar­über zu infor­mieren – ent­gegen anders­lau­tender vor­he­riger Beteue­rungen. Krass ent­täuscht“ ist daher Mat­this, ein Werder-Ultra. Der Verein brüstet sich seit Jahren seit Jahren mit dem Dialog zwi­schen Verein und Fan­szene. Und dann wird er in einer so wich­tigen Ange­le­gen­heit über­gangen.“ 

Doch auch, wenn der Verein sie zuvor über den Namens­partner in Kenntnis gesetzt hätte, die Ultras hätten sich mit dem neuen Sponsor wohl nicht anfreunden können. Der Schriftzug einer Immo­bi­li­en­firma auf dem pro­mi­nen­testen Platz der Stadt – das ist ein Poli­tikum“, sagt Mat­this. Auch Bremen ist von stei­genden Mieten betroffen. Mit diesem Spon­so­ring öffnet man einem Unter­nehmen, das für Ungleich­heit und Ver­drän­gung steht, die Tür nach Bremen.“

Wir suchen ein Unter­nehmen mit gesell­schaft­li­cher Ver­ant­wor­tung“

Dass Werder Bremen nicht müde wird zu betonen, das SV“ im Ver­eins­namen stehe für soziale Ver­ant­wor­tung“, passt für die Bremer Ultras daher hinten und vorne nicht“. Auch Wer­ders Geschäfts­führer Frank Bau­mann hatte noch vor rund einem Jahr ver­kündet: Wir suchen ein Unter­nehmen mit gesell­schaft­li­cher Ver­ant­wor­tung.“ Für Mat­this ist es nicht nach­voll­ziehbar, nach außen hin solche Aus­sagen zu tätigen, sie dann in letzter Instanz aber nicht umzu­setzen.“

Sport­mar­ke­ting-Experte Rohl­mann sieht in der Wahl des Part­ners eben­falls Gefahren für Werder. Wenn jemand die vom Verein und den Fans getra­genen Werte mit Füßen tritt, indem er etwa ältere Men­schen aus ihren Woh­nungen klagt, um jungen, auf­stre­benden Yup­pies die Mög­lich­keit zu geben, eine tolle Pent­house-Woh­nung zu beziehen, dann ist das nicht ver­einbar.“ 

Daher sieht Rohl­mann das Unter­nehmen nun gemeinsam mit der Ver­eins­füh­rung in der Ver­ant­wor­tung, das Image der Immo­bi­li­en­firma in der Öffent­lich­keit auf­zu­po­lieren. Als Bei­spiel hierfür führt er aus­ge­rechnet Wer­ders Haupt­sponsor Wie­senhof an, der auf­grund seiner Mas­sen­tier­hal­tung bei vielen Fans eben­falls umstritten ist. Doch nach den Pro­testen sei es dem Unter­nehmen gelungen, auf seine Tier­schutz-Bemü­hungen hin­zu­weisen. Ähn­lich könnte sich nun mög­li­cher­weise auch Wohn­in­vest durch sein Enga­ge­ment beim SV Werder öffent­lich rein­wa­schen.