Genau genommen spielte George Weah nie Fuß­ball. Er war jeden­falls kein Fili­gran­tech­niker, der an den geg­ne­ri­schen Ver­tei­di­gern vor­bei­tän­zelte. Nein, wenn George Weah Tore schoss, brach er mit seiner schier über­mensch­li­chen Kraft durch die Abwehr­reihen. Er war ein Stürmer, für den Begriffe wie Bomber“ oder Sturm­tank“ erfunden wurden. 1,85 Meter groß, 90 Kilo schwer. Ein Bison“, schrieb die fran­zö­si­sche Zei­tung L’Equipe.

Ende der Acht­zi­ger­jahre kam er nach Europa, auf Emp­feh­lung des fran­zö­si­schen Fuß­ball-Glo­be­trot­ters Claude Le Roy. Der AS Monaco zahlte die (auch damals) lächer­liche Summe von 200.000 Mark. Weah war die große Über­ra­schung“, sagte sein Trainer Arsene Wenger später. Er war der Scho­ko­la­den­hase, den der kleine Junge an Ostern im Garten findet. Ich habe nach ihm nie wieder einen Spieler so explo­dieren sehen.“

Auch danach explo­dierte Weah so ziem­lich überall, wo er hinkam. Mit Paris Saint-Ger­main gewann er die fran­zö­si­sche Meis­ter­schaft, mit Milan die ita­lie­ni­sche. 1989 wurde er erst­mals zu Afrikas Fuß­baller des Jahres gewählt, 1995 zum Welt­fuß­baller des Jahres, 1998 zu Afrikas Fuß­baller des Jahr­hun­derts.

Weah ist für uns wie eine Flamme“

Wäh­rend dieser Zeit musste er aus der Ferne mit­an­sehen, wie kri­mi­nelle Clans und War­lords seine Heimat in Schutt und Asche legten. Im libe­ria­ni­schen Bür­ger­krieg kamen 250.000 Men­schen ums Leben, über eine Mil­lion Men­schen waren auf der Flucht.

Schon damals umwehte Weah etwas Zau­ber­haftes. Er wirkte wie eine mär­chen­hafte Figur, ein sanfter und gut­mü­tiger Riese, der alle Men­schen eint. Als er sich Mitte der Neun­zi­ger­jahre wie­der­holt in Reden an seine Lands­leute wandte, ließen die für einige Zeit ihre Waffen ruhen. Weah zeigt der Welt, dass Libe­rianer keine Killer, son­dern Men­schen mit Gefühl und Talent sind“, sagte der stolze Sport­mi­nister Fran­cois Mas­s­aquoi.

1996 qua­li­fi­zierte sich Liberia erst­mals für den Afrika Cup. Mit Weah und natür­lich wegen Weah. Als dem Ver­band das Geld aus­ging, sprang der Stürmer ein. Er trieb Spon­soren auf und bezahlte Flüge und Hotels für die kom­plette Mann­schaft. Auch auf dem Feld gab er sich selbstlos. Weil die Natio­nal­mann­schaft im Sturm gut besetzt war, half Weah auf anderen Posi­tionen aus, einige Male spielte er sogar als Libero. Der libe­ria­ni­sche Jour­na­list Ken­neth Jackson schrieb: Weah ist für uns wie eine Flamme. Solange sie brennt, können wir die Schmerzen ver­gessen und von Frei­heit träumen.“

100 Mil­lionen Dollar – ein­fach ver­schwunden

Es über­raschte kaum jemanden, als Weah nach seiner Pro­fi­lauf­bahn in die Politik ging. Als UNICEF-Bot­schafter erhielt er 2004 den Arthur Ashe Cou­rage Award für seinen huma­ni­tären Ein­satz. 2005 trat er zur Prä­si­dent­schafts­wahl an, aber er verlor. Andere Poli­tiker hatten sich im Wahl­kampf über seine feh­lende Bil­dung lustig gemacht. Also machte Weah das Abitur nach und stu­dierte Betriebs­wirt­schaft, um beim nächsten Mal besser gewappnet zu sein. Ende 2017 schließ­lich ließ er sich erneut zur Wahl auf­stellen – diesmal mit Erfolg. Seit dem 22. Januar 2018 ist Weah Staats­prä­si­dent von Liberia. In der Haupt­stadt Mon­rovia stehen nun ein Denkmal des Fuß­bal­lers Weah und ein Denkmal des Prä­si­denten Weah.

Das erste Jahr seiner Prä­si­dent­schaft war tur­bu­lent, das Denkmal des Poli­ti­kers bekam jeden­falls schon nach wenigen Monaten ein paar Risse. Denn über Nacht ver­schwanden etwa 100 Mil­lionen Dollar aus der Haus­halts­kasse. Weah kün­digte Unter­su­chungen an, die aber bis­lang nichts ergaben. In Inter­views gibt er sich bis heute wenig aus­kunfts­freudig.