Wo, wenn nicht in Katar, sollte diese Geschichte beginnen? Und zwar in einer Zeit, als die drei mäch­tigen Fuß­ball­fürsten ziem­lich beste Freunde waren: Michel Pla­tini, Joseph Blatter und Mohamed Bin Hammam. Damals, im Oktober 2003, bezeich­neten sich der Fran­zose, der Schweizer und der Katari demons­trativ als Brüder.

Der FIFA-Prä­si­dent und Bin Hammam, sein wich­tigster Wahl­helfer, hatten zum Kon­gress des Welt­ver­bandes nach Doha geladen. Die FIFA-Spitze näch­tigte im brand­neuen Ritz-Carlton, wo in der obersten Etage auch Stefan Effen­berg und Josep Guar­diola resi­dierten, die in Katar ihre Spie­ler­kar­riere aus­klingen ließen.

Am Vor­abend des Kon­gresses lud Bin Hammam zum Dinner. Die Nacht hatte früh ihren Schleier über Doha gelegt, als ein Dut­zend Limou­sinen und zwei Klein­busse, begleitet von einer Polizei-Eskorte, auf Bin Ham­mams An­wesen ein­bogen. Alko­hol­freie Getränke und Kana­pees ließ der Haus­herr den Mit­glie­dern des Exe­ku­tiv­ko­mi­tees und ihren Gat­tinnen im Emp­fangs­haus rei­chen. Später wurden die Gemah­linnen ins Haupt­haus geleitet, wo sie mit Blick auf den erleuch­teten Pool mit Bin Ham­mams Frau und den Töch­tern speisten. Die Männer tafelten nebenan in einem Spie­gel­zimmer.

Alle rissen sich um seine Nähe

Wie viele Sport­funk­tio­näre, auch Blatter, sam­melt Bin Hammam die eigenen Reli­quien, in zwei reich­lich dimen­sio­nierten Glas­vi­trinen voller Orden und gerahmter Erin­ne­rungs­fotos. Bin Hammam mit Man­dela, mit Clinton, Gad­dafi, Ber­lus­coni – das volle Pro­gramm. Pla­tini schlen­derte heran, legte seinen linken Arm um Bin Ham­mams Schulter, zog ihn vor eine Vitrine und zeigte lachend auf zwei Bilder: Das gefällt mir beson­ders. Und das erst!“ Ein Foto zeigte Bin Hammam mit Frank­reichs Prä­si­denten Jac­ques Chirac, auf dem zweiten stand Pla­tini selbst neben dem Gast­geber.

Im Umgang mit den Großen der Welt ist dieser Michel François Pla­tini (58) ent­spannter als Bin Hammam (64) oder Blatter (78). Pla­tini bemüht sich nicht um Erin­ne­rungs­stücke, er gewährt sie. Schon als Spieler in Nancy, beim AS Saint-Éti­enne und Juventus Turin war das so. Als Ikone der Equipe Tri­co­lore, die er 1984 mit neun Toren zum Euro­pa­meis­ter­titel schoss, und mit der er davor und danach bei zwei Welt­meis­ter­schaften tra­gisch im Halb­fi­nale an Deutsch­land schei­terte. Als Welt­fuß­baller, Natio­nal­trainer und WM-Orga­ni­sator. Als Bon­vi­vant, denn Pla­tini führte zeit­weise ein Jetset-Leben. Alle rissen sich um seine Nähe. Der Ehr­geiz anderer Funk­tio­näre, sich in der Welt der Rei­chen und Mäch­tigen zu bewegen, blieb Pla­tini ver­borgen. Er gehörte dazu.

Er war als Profi eine Diva

Pla­tini war früh ganz oben und ist finan­ziell unab­hängig. Er muss kein Funk­tionär sein, obwohl ihm das ganz gut gefällt. Er hat sich eine läs­sige Gemüt­lich­keit bewahrt und einen bübi­schen Charme. Als die UEFA vor drei Jahren im Maison du Foot­ball Euro­péen in Nyon ihr Finan­cial-Fair­play-Pro­gramm vor­ge­stellt hatte, balan­cierte Pla­tini nach Dienst­schluss mit einem großen, voll­be­legten Sil­ber­ta­blett die Treppe hinab. Er ver­ab­schie­dete sich beschwingt von den Damen an der Rezep­tion, hielt kurz inne, sah die ungläu­bigen Blicke des Gastes und sagte: Ich hatte gerade Besuch einer spa­ni­schen Dele­ga­tion – Melón con Jamón. Da ist viel übrig­ge­blieben. Magst du? Den Rest nehme ich mit nach Hause, da steht noch eine Fla­sche Rot­wein. Kann man doch nicht ver­kommen lassen, das gute Zeug.“

So ist Pla­tini. So ist er auch. Inso­fern waren seine aus­wei­chenden Ant­worten auf die Frage, ob er FIFA-Prä­si­dent werden wolle, lange Zeit nicht nur Koket­terie. Erst ging es um die Wahl 2011, nun um 2015. Glaubt ihr wirk­lich, ich brauche das und will es mir antun, ständig in die Karibik oder nach Ozea­nien zu fliegen wie der Sepp“, fragte er nicht nur einmal. Mir sind schon die Reisen nach Ost­eu­ropa zu weit. Ich will abends zu Hause sitzen.“ Pla­tini ist mehr er selbst, als dass er sich spielt. Aber wer länger mit ihm gear­beitet hat, kennt auch seine andere Seite. Er war als Profi eine Diva, uner­schüt­ter­lich selbst­be­wusst, mit­unter extrem eigen­sinnig, und so ist er geblieben. Pla­tini kann andere, ver­let­zend arro­gant, seine Macht spüren lassen. Die Stim­mung im UEFA-Haupt­quar­tier ist nicht die beste.

Früher als Spieler durfte sich Pla­tini auf seine Intui­tion ver­lassen. Ein Frei­stoßtor, ein unwi­der­steh­li­ches Dribb­ling, ein genialer Pass, oft aus dem Bauch heraus ent­schieden. Diese Spiel­weise hat er sich erhalten. Nur lassen sich die Pro­bleme des großen Fuß­balls zwi­schen Big Busi­ness und Politik auf Dauer so nicht lösen. Pla­tini reiht seit Jahren ein Dribb­ling ans nächste, setzt eine Finte an die andere – und wun­dert sich, dass die Pro­bleme nicht ver­schwinden.

Die Ver­mark­tung der Cham­pions League hat schon vor Pla­tini funk­tio­niert und wird auch nach ihm Rekord­um­sätze gene­rieren. Die Frage ist viel­mehr, wann Pla­tini kon­se­quent han­delt und im Finan­cial-Fair­play-Pro­gramm, das ab der kom­menden Saison greift, harte Sank­tionen gegen Ver­eine durch­setzt, die hor­rende Schulden machen oder sich den Show­be­trieb von Ölscheichs und obskuren Olig­ar­chen finan­zieren lassen. Einer der ersten Kan­di­daten für Sank­tionen wäre Paris Saint-Ger­main, das bisher mit fast einer halben Mil­li­arde Euro Spiel­geld aus einem kata­ri­schen Staats­fonds aus­ge­stattet wurde und aus einem absurd hohen Spon­so­ren­deal nun 200 Mil­lionen Euro jähr­lich von der Qatar Tou­rism Aut­ho­rity kas­siert, um die Regeln des Finan­cial Fair­play zu umgehen.

Pla­tini igno­riert seinen Inter­es­sen­kon­flikt

Katar, immer wieder Katar. Unmit­telbar nachdem Pla­tini bei der Ver­gabe der WM 2022 für Katar gestimmt hatte, wurde sein Sohn Lau­rent Euro­pa­chef der Qatar Sports Invest­ment (QSI), die kurz darauf PSG kaufte. Inzwi­schen ist Lau­rent nach Genf gewech­selt und arbeitet als Gene­ral­ma­nager des Sport­ar­ti­kel­kon­zerns Burrda, eine QSI-Tochter, mit der Katar in der Sport­welt wei­tere Abhän­gig­keiten schafft. Pla­tini senior hat kein Pro­blem damit und igno­riert diesen Inter­es­sen­kon­flikt munter weiter.

Die welt­weit anhal­tend scharf geführte Dis­kus­sion über die WM 2022, über Skla­ven­ar­beit und Kor­rup­tion in Katar, ist auch eine Debatte über die Zukunft von Pla­tini geworden. Sein Schicksal hängt mehr an Katar als das seines eins­tigen Bru­ders, Lehr­meis­ters und jet­zigen Feindes Joseph Blatter. Viel wird davon abhängen, was der von der FIFA ein­ge­setzte ame­ri­ka­ni­sche Ermittler Michael Garcia zusam­men­trägt. Ob die WM in den Winter ver­schoben oder gar neu ver­geben wird, soll sich im Früh­jahr 2015 ent­scheiden.

Mein Arbeits­stil ist es, ein biss­chen zu pro­vo­zieren und dann demo­kra­ti­sche Ent­schei­dungen treffen zu lassen“, hat Pla­tini kürz­lich auf dem UEFA-Kon­gress in Kasach­stans Haupt­stadt Astana gesagt. Wohin aber steuert Pla­tini mit seinen Pro­vo­ka­tionen? Mit der Auf­blä­hung der EM-End­runde von 16 auf 24 Teams, die kein Land mehr bezahlen will. Wes­halb es 2020 aus der Not heraus eine Euro­pa­meis­ter­schaft in 13 Nationen geben wird. Beim letzten Kon­gress haben die Dele­gierten ihm die nächste Pro­vo­ka­tion abge­segnet, ohne genau zu wissen, wie das funk­tio­nieren soll: die Nations League ab 2018. Wenn Pla­tini abstimmen lässt, dann so: Ein biss­chen Früh­sport! Heben Sie ihre Hände!“ Das ähnelt Blat­ters Ver­halten auf FIFA-Kon­gressen.

Ich bin der Ein­zige, der Blatter schlagen kann!“

Im Über­schwang des Kon­gresses in Astana und ange­sichts der UEFA-Rekord­ein­nahmen von zwei Mil­li­arden Euro in der nächsten Saison, sagte Pla­tini: Ich bin der Ein­zige, der Blatter schlagen kann!“ In der FIFA-Zen­trale in Zürich, und nicht nur dort, lachten sie dar­über schal­lend. Solange Blatter gesund bleibt, ihm keine Kor­rup­tion nach­ge­wiesen wird und die WM in Bra­si­lien nicht im Chaos ver­sinkt, wird er im Mai 2015 in Zürich seine fünfte Amts­zeit als Prä­si­dent des Welt­ver­bands antreten. Egal, wer sich als Her­aus­for­derer stellt. In Nord- und Süd­ame­rika wird Blatter fast alle Stimmen gewinnen. In Afrika eben­falls, das ist sein Hoheits­ge­biet. Das reicht bei­nahe schon. In Asien holt er min­des­tens die Hälfte, und dass Europa geschlossen für Pla­tini stimmen würde, glaubt nicht einmal der Fran­zose.

Als Pla­tinis Lands­mann Jérôme Cham­pagne (55) im Januar seine Kan­di­datur für den FIFA-Vor­sitz erklärte, sagte er, dass er gegen Blatter keine Chance habe. Mit Pla­tini indes könnte es Cham­pagne durchaus auf­nehmen, schließ­lich hat er lange Jahre an Blat­ters Seite gear­beitet und war sein Mann für die schwie­rigen Fälle, oder wie er mal for­mu­lierte: Ich war der Cleaner.“ Cham­pagne ist der här­teste Arbeiter und der klügste Kopf unter den drei mög­li­chen Anwär­tern auf die Prä­si­dent­schaft ab 2015. Er und Blatter argu­men­tieren in Bezug auf den euro­päi­schen Fuß­ball fast deckungs­gleich, und in den außer­eu­ro­päi­schen der 155 FIFA-Mit­glieds­na­tionen ver­fängt die Bot­schaft: Europa soll den Welt­fuß­ball nicht noch stärker domi­nieren.

Aber wird Pla­tini gegen Blatter antreten? Offi­ziell will er sich im Herbst ent­scheiden, aber diesmal macht er wohl ernst. Anfang des Jahres hat er mit dem CNN-Mode­rator Pedro Pinto einen per­sön­li­chen Pres­se­chef in sein Prä­si­di­al­büro geholt, so hat das Blatter auch ständig gemacht. Ende März ver­kün­dete die UEFA die Ver­pflich­tung des Eng­län­ders Mike Lee und seiner Firma Vero Com­mu­ni­ca­tions. Damit ist die Rich­tung klar. Mike Lee ist ein Cam­pai­gner. Ein Spin Doctor des alten Schlags, der viel Geld gemacht hat mit den erfolg­rei­chen Olym­pia­be­wer­bungen von London, Rio de Janeiro und Pye­ong­chang – und der WM-Bewer­bung 2022 von Katar.

Man weiß nie, wer gerade mit wem schläft und wer den Bruder betrügt

Die kleine Welt an der Spitze von FIFA und UEFA ist ein biss­chen kom­pli­ziert. Man weiß nie, wer gerade mit wem schläft und wer den Bruder betrügt. Viel­leicht hilft es daher, sich in diesem Fami­li­en­zwist an einem Zeit­strahl zu ori­en­tieren, der im Früh­jahr 1995 beginnt, als Blatter noch FIFA-Gene­ral­se­kretär ist und Ärger hat. Er braucht schnell einen Ersatz­aus­richter für die U20-WM, die in Nigeria statt­finden sollte. Katar signa­li­siert Bereit­schaft. Blatter lässt sich einen Atlas bringen, um nach­zu­schauen, wo Katar liegt. Sechs Wochen später hat das win­zige Land am Ara­bi­schen Golf die WM gemeis­tert und Blatter ver­spricht, des Emirs Ober­fuß­baller Bin Hammam ins Exe­ku­tiv­ko­mitee zu hieven.

Im Früh­jahr 1998 ist Blatter immer noch Gene­ral­se­kretär. Er will für die FIFA-Prä­si­dent­schaft kan­di­dieren, und der fran­zö­si­sche Ver­band unter­stützt ihn. Pla­tini ist damals einer der beiden Bosse des Orga­ni­sa­ti­ons­ko­mi­tees der WM in Frank­reich. Jérôme Cham­pagne, ein ehe­ma­liger Diplomat, der auch Ara­bisch spricht, arbeitet als sein Pro­to­koll­chef. Im Juni 1998 wird Blatter in Paris zum FIFA-Prä­si­denten gekrönt, der Emir von Katar hatte seinen Wahl­kampf massiv unter­stützt. Wochen­lang war Blatter mit Bin Hammam im Jet des Emirs in Afrika und Asien auf Stim­men­fang.

Im Januar 2007 rächt sich Blatter an Lennart Johansson

Nach der WM wech­selt Cham­pagne zur FIFA nach Zürich, und Pla­tini wird hoch­be­zahlter tech­ni­scher Berater Blat­ters – mit Büro in Paris. Im Früh­jahr 2002, als einige Exe­ku­tiv­mit­glieder Blatter wegen Miss­wirt­schaft und Bestechung vor Gericht zerren wollen, düst der Schweizer mit Bin Hammam wieder durch Afrika und Asien. Erneut zahlt Katar eine Menge, nun ja, Ent­wick­lungs­hilfe. Es sei normal, sagt Blatter, dass der Mohamed dann schaut, dass seine Freunde in Posi­tionen kommen, die ihnen zu­stehen“. So läuft das. Blatter gewinnt gegen Issa Hayatou aus Kamerun und beginnt seine zweite FIFA-Amts­zeit. Bin Hammam wird Prä­si­dent der asia­ti­schen Kon­fö­de­ra­tion AFC.

Im Januar 2007 rächt sich Blatter an Lennart Johansson, der ihn lange Jahre kri­ti­siert hatte. Blatter und Cham­pagne machen Pla­tini zum UEFA-Prä­si­denten. Ein anderer Unter­stützer heißt Marios Lef­ka­ritis. Der stein­reiche Zypriot sagt das Wahl­er­gebnis von 27:23 exakt voraus. Als die UEFA wenig später die EM 2012 an Polen und die Ukraine ver­gibt, folgen Kor­rup­ti­ons­vor­würfe. Ver­blüf­fend viele Spuren führen in Anwalts­kanz­leien und Off­shore-Firmen auf Zypern. Lef­ka­ritis wird Finanz­chef der UEFA und immer wich­tiger für Pla­tini. Auch ihre Frauen ver­stehen sich blen­dend.

Im Mai 2007 wird Blatter ohne Gegen­kan­didat für die dritte Amts­zeit als FIFA-Prä­si­dent bestä­tigt. Sein Ver­spre­chen von 1998, dass es ein Maximum von zwei Amts­zeiten geben sollte, ist längst ver­gessen. Bin Hammam sagt den­noch brav: Ich danke Ihnen, Herr Prä­si­dent, dass Sie uns Ihre Vision gegeben haben!“ Im Früh­jahr 2008 lässt Pla­tini die EM-End­runden von 16 auf 24 Teams erwei­tern, um sich beim ost­eu­ro­päi­schen Wahl­volk zu bedanken.

Im Herbst 2008 hat Bin Hammam genug. Er merkt, dass Blatter nicht daran denkt, den Platz als FIFA-Prä­si­dent für ihn frei­zu­ma­chen, wie er das ver­spro­chen hat. Der Katari for­dert nun, die Amts­zeit des FIFA-Prä­si­denten auf drei Wahl­pe­ri­oden zu begrenzen. Das Tisch­tuch ist zer­schnitten. Im Mai 2009 ver­sucht Blatter ver­geb­lich, Bin Hammam als AFC-Chef zu stürzen. Im Dezember 2009 will Bin Hammam gemeinsam mit Hayatou, Jack Warner aus Tri­nidad und Pla­tini wie­derum Blatter schwä­chen: In der Exe­ku­tiv­sit­zung auf Robben Island sorgen sie für die Ent­las­sung von Cham­pagne. Blat­ters wich­tigster Mann und Stra­tege ist ihnen zu mächtig geworden.

Im Dezember 2010 wird Katar die WM 2022 zuge­spro­chen. Pla­tini hat für Katar gestimmt, Blatter wohl für die USA. Die ersten beiden von 24 Exe­ku­tiv­mit­glie­dern sind wegen Kor­rup­tion bereits sus­pen­diert. Seither ist neun wei­teren Mit­glie­dern Kor­rup­tion nach­ge­wiesen worden, bei sechs anderen gibt es zahl­reiche Indi­zien für Vet­tern­wirt­schaft, Käuf­lich­keit und gerichts­feste Belege der Mit­wis­ser­schaft an Kor­rup­ti­ons­vor­gängen. Bin Hammam über­lässt damals Pla­tini die Ent­schei­dung, 2011 gegen Blatter zu kan­di­dieren, doch der will aus Angst vor einer Nie­der­lage nicht. Bin Hammam zahlt Mil­lionen an den schwer kor­rupten Jack Warner, der die nord­ame­ri­ka­ni­schen Stimmen bisher immer an Blatter gelie­fert hat. Der Umsturz soll beginnen.

Bin Hammam wird lebens­lang gesperrt

Im März 2011 wird Pla­tini in Paris für vier Jahre als UEFA-Boss im Amt bestä­tigt. Zugleich ver­spricht Blatter seine letzte Amts­zeit als FIFA-Prä­si­dent. Im Mai lässt Bin Hammam bei Warner in Port of Spain je 40 000 Dollar in bar an kari­bi­sche Funk­tio­näre ver­teilen. Die Sache fliegt auf, Blatter lässt ihn und Warner sus­pen­dieren. Am 1. Juni wird Blatter zum dritten Mal im Amt bestä­tigt und badet beim Kon­gress in Zürich in einem Ozean der Soli­da­rität“. Wenig später tritt Warner zurück, Bin Hammam wird lebens­lang gesperrt. Das ist eine ultra­kurze Fas­sung der Fuß­ball­fa­mi­li­en­saga.

Geschichte wie­der­holt sich. Erst hatte Blatter Bin Hammam die FIFA-Prä­si­dent­schaft ver­spro­chen, sicherte sich dessen Dienste und brach sein Ver­spre­chen. Danach war Pla­tini naiv genug, an einen Deal mit Blatter zu glauben. Doch der würde eher als FIFA-Prä­si­dent sterben, als seinen Platz frei­zu­geben.

Frei über­setzt: Geld gegen Stimmen

Aber Pla­tini gibt nicht auf. Lang­jäh­rige Gefährten bezeichnen ihn als streets­mart. Nun macht er also das, was er nicht zuletzt bei Blatter gelernt hat: soge­nannte Ent­wick­lungs­hilfe. Anfang April bereiste er die Karibik und schloss für die UEFA ein Koope­ra­ti­ons­ab­kommen mit der kari­bi­schen und nord­ame­ri­ka­ni­schen Kon­fö­de­ra­tion, ein Memo­randum of Under­stan­ding“. Frei über­setzt: Geld gegen Stimmen. 2012 hatte Pla­tini schon Ozea­nien und Asien mit derlei Ver­trägen beglückt, im Februar 2014 Afrika. Fehlen noch die Süd­ame­ri­kaner, aber die Kassen der UEFA sind ja prall gefüllt.

Bis zur Prä­si­den­ten­wahl 2015 bleibt das Thema Katar viru­lent. Momentan kommt das Blatter zugute. Pla­tini hat für Katar gestimmt, sein Sohn arbeitet für Katar, und er gehört mit seinem UEFA-Kumpel Lef­ka­ritis zu jenen Exe­ku­tiv­mit­glie­dern, die Befug­nisse des FIFA-Ermitt­lers Garcia ein­dämmen wollen. Lef­ka­ritis hat 2011 Län­de­reien für 32 Mil­lionen Euro an den Staats­fond Qatar Invest­ment Aut­ho­rity ver­kauft und wei­tere Deals im Raf­fi­ne­rie­ge­schäft gemacht.

Bei der Lösung der Katar-Frage könnte der dritte Mann aus dem einst brü­der­li­chen Trio wieder eine Haupt­rolle spielen: Mohamed Bin Hammam. Im März wurden Bank­be­lege öffent­lich, die beweisen, dass er kurz nach der WM-Ver­gabe an Katar mehr als zwei Mil­lionen Dollar an Jack Warner und dessen Söhne über­wiesen hat. Wei­tere Durch­ste­che­reien sind zu erwarten. Das soll offenbar Emir Tamim Al-Thani und die WM-Orga­ni­sa­toren aus der Schuss­linie nehmen, nach dem Motto: Wir haben sauber gear­beitet, Bin Hammam hat ohne unser Wissen betrogen. In der Mon­ar­chie am Golf müsste Bin Hammam dieses Opfer für seinen Herr­scher bringen. Im Fuß­ball hat er ohnehin alles ver­loren. Bin Hammam wird Blatter und Pla­tini nie wieder in seinem Haus emp­fangen und Brüder nennen.