Borussia ist im Pokal­fi­nale. Hallo! Borussia ist im Pokal­fi­nale! Haaal­loooo?! Also, noch mal: Boruuuuussia ist im Pooo­kaaaal­fi­naaaa­leeee! Warum höre ich hier keinen Jubel? Keine Gefühls­aus­brüche? Viel­leicht jetzt: DER BVB STEHT IM POKAL­FI­NALE!!!!!! Ich geb’s auf.

Dieses Selbst­ge­spräch führe ich seit dem Sieg gegen Jena. Borussia zog nach 19 laaa­angen Jahren wieder ins DFB-Pokal­fi­nale ein, und an mir zog alles vorbei wie ein Film. Sturm der Emo­tionen? Eher gefühlte Flaute. Total unwirk­lich und unglaub­lich. Ich kann mir nicht erklären, woran es liegt. Ich ver­mute, es hat mit der klaf­fenden Lücke zwi­schen Anspruch und Wirk­lich­keit bei meiner Borussia zu tun. Sehr gut mög­lich, dass der Anspruch nur gefühlt ist. Hat Aki Watzke nicht vor der Saison ver­si­chert, es gebe kein Sai­son­ziel? Klar, ich habe da zwi­schen den Zeilen immer ein deut­li­ches „„Wir wollen in den inter­na­tio­nalen Wett­be­werb“ gehört. Aber für das, was man zwi­schen den Zeilen zu hören glaubt, ist man ja letzt­lich selbst ver­ant­wort­lich, oder?

Es häufen sich die Ent­täu­schungen

Ich habe mir die Mann­schaft ange­sehen und das gedacht, was ver­mut­lich die Mehr­heit der BVB-Fans auch gedacht hat: Die indi­vi­du­elle Klasse unserer Spieler sollte rei­chen, um zwi­schen Platz fünf und neun zu landen. Das glaube ich sogar immer noch. Dumm nur, dass die Spieler sie so selten zeigen, die indi­vi­du­elle Klasse. Und als geschlossen starke Mann­schaft treten sie noch sel­tener auf. Statt­dessen häufen sich auf dem Rasen die Ent­täu­schungen. Immer und immer wieder.

Auf große Spiele folgen schlechte und sehr schlechte Par­tien. Die Mann­schaft ver­sprüht keinen Esprit, keine Lei­den­schaft, keine Freude. Natür­lich gehe ich nicht ins Sta­dion, um mich zu amü­sieren, son­dern um meine Mann­schaft anzu­feuern. Aber ich will ehr­lich sein: Mit Spaß ist es doch deut­lich schöner. Wie lange ist es eigent­lich her, dass Borussia zu Hause ein Spiel ver­loren hat, ein­fach weil der Gegner besser war? Nicht, weil unsere Mann­schaft sich dumm ange­stellt hat, tak­ti­sche Defi­zite offen­barte oder ein­fach schlecht spielte? Mir fällt da eine 1:2‑Heimniederlage gegen Bayern Mün­chen ein. Statt­dessen gehen wir selbst nach Siegen aus dem Sta­dion und ärgern uns über den unin­spi­rierten Fuß­ball, den unsere Jungs da mal wieder gezeigt haben.

Es fällt schwer, sich in dieser Saison auf über­haupt irgend­etwas zu freuen. Und aus­ge­rechnet in dieser Situa­tion schafft der BVB das, worauf ich mich seit 19 Jahren freue: Pokal­fi­nale! Wie sich das schreibt, spricht, fühlt – herr­lich! P‑O-K-A-L-F-I-N-A-L‑E. Wie es auf der Zunge zer­geht!

Erfolg mit Bei­geschmack

Fünf Siege, eine gute Por­tion Glück – UEFA-Cup erreicht. Das wäre ja okay, wenn die Mann­schaft die Siege im Pokal durch enga­gierte Lei­tungen im Ligaalltag zumin­dest halb­wegs gerecht­fer­tigt hätte. Aber so kommt mir die Teil­nahme am Pokal­fi­nale vor wie eine Farce. Ich schaffe es ein­fach nicht, mich auf das Pokal­fi­nale zu freuen. Klar, ich finde es super, dass wir es geschafft haben, wieder nach Berlin zu kommen. Aber das spielt sich irgendwie nur im Kopf ab. Ich erin­nere mich, wie ich mich früher vor mög­li­chen Titel­ge­winnen gefühlt habe. Da war diese Auf­re­gung. Ständig spukte Borussia in meinen Gedanken herum. Ich kann nicht mal behaupten, dass ich Angst vor einer Nie­der­lage im Finale hätte. Ich fürchte mich eher vor einer Bla­mage. Davor, dass 100.000 Borussen nach Berlin fahren, und die Mann­schaft auf dem Platz nicht alles, alles, alles gibt, um den Pott nach Dort­mund zu holen. In nega­tiver Hin­sicht traue ich dieser Mann­schaft so unend­lich viel zu. Das macht mich traurig.

Nun ja, viel­leicht belehrt mich die Mann­schaft eines bes­seren und gibt im Finale wirk­lich alles. Ich hoffe es. Und in dem Moment, da ich voller Hoff­nung an eine gegen über­le­gene Bayern kämp­fende Borussia denke, kommt auch die Vor­freude aufs Finale in mir hoch. Wir sind im Finale! Los! Hin­tern hoch! Und mal ehr­lich: Was hat unsere Stim­mung, was hat unsere Vor­freude denn mit denen da auf dem Rasen zu tun? WIR fahren nach Berlin. Und die Mann­schaft nehmen wir ein­fach mit.