Es war eine recht unbe­deu­tende Szene zu Beginn der Partie zwi­schen Borussia Mön­chen­glad­bach und der SpVgg Greu­ther Fürth. Oscar Wendt spielte einen Ein­wurf in Rich­tung eigenes Tor, anstatt seinen Vor­der­mann Juan Arango anzu­peilen. Doch weil der Schwede nicht seinen besten Tag erwischt hatte, entlud sich nach dieser Szene der gesamte ange­staute Frust der Ost­ge­rade in Rich­tung des Links­ver­tei­di­gers. Wendt quit­tierte den Unmut mit einer wütenden Geste und goss noch einmal Öl ins Feuer. Fortan wurde jede Aktion von deut­lich ver­nehm­baren Pfiffen begleitet, was wie­derum die treu­esten der Treuen in der Nord­kurve auf die Palme brachte. Scheiss Tri­büne“ hallte es zurück. 

Auch der glück­liche 1:0‑Sieg der Glad­ba­cher gegen die SpVgg Greu­ther Fürth konnte Mann­schaft und einen Teil der Fans am Ende nicht ver­söhnen. Wäh­rend sich Wendt für seine Aktion ent­schul­digte, sah sich Tor­hüter Marc-André ter Stegen nach dem Abpfiff dazu berufen, zum Ver­bal­schlag aus­zu­holen. Ich finde es unver­schämt, wenn man einen eigenen Spieler aus­pfeift. Dafür habe ich kein Ver­ständnis und das macht mich ein Stück weit traurig“. Schließ­lich waren es die Spieler gewöhnt, selbst nach schwa­chen Spielen wie beim Aus­scheiden aus der Europa League im Römer Olym­pia­sta­dion, von den eigenen Anhän­gern stun­den­lang gefeiert zu werden.

Dabei sollte ter Stegen genau diesen Quer­trei­bern danken. Seitdem man am Nie­der­rhein in der Saison 2010/2011 dem Abstieg von der Schippe sprang und sich nur ein Jahr später für die Europa League qua­li­fi­zierte, herrscht rund um den Borussia Park Kri­tik­verbot. Sport­di­rektor Max Eberl und ins­be­son­dere Trainer Lucien Favre haben das Umfeld mit kon­se­quenter Tief­sta­pelei gera­dezu hyp­no­ti­siert und erschufen damit sowohl eine Wohl­fühl­oase als auch ein Blanko-Alibi. Miss­erfolge und schwache Leis­tungen lassen sich im Jahr 2013 aller­dings nicht mehr mit einem Bei­nahe-Abstieg von vor zwei Jahren ent­schul­digen.

Fuß­bal­le­risch sta­gniert die Borussia seit Sai­son­be­ginn. Auf wich­tige Siege folgen lust­lose Vor­stel­lungen wie zuletzt bei der 0:2‑Nierderlage gegen Frei­burg. Europa ist zum Greifen nah, doch im ent­schei­denden Moment fehlte in dieser Saison bis­lang der letzte Biss. Ein Umstand, der nicht nur das ver­meint­liche Event­pu­blikum auf die Palme bringt, son­dern auch Vize-Prä­si­dent Rainer Bonhof dazu ver­an­lasste, vor dem Fürth-Spiel auf den Tisch zu hauen. („Wenn man kein Risiko ein­geht, kann man auch keine Chance kre­ieren“)

Dass Bonhof mit seiner Mutlos-Kritik einen Nerv getroffen hat, zeigen auch die Unmuts­be­kun­dungen der Ost­ge­rade. Am Ende sind es aber viel­leicht genau diese Reiz­punkte, die aus Spie­lern das letzte Pro­zent her­aus­kit­zeln. Oscar Wendt nutzte die nega­tive Energie nur wenig später, als er Luuk de Jong den Ball mus­ter­gültig zum Sieg­treffer ser­vierte und in Klins­mann-Manier die Wer­be­bande ein­trat. Ein Emo­ti­ons­aus­bruch, wie man ihn beim eher unter­kühlten Schweden selten gesehen hat.

Das Grup­pen­ku­scheln scheint vor­erst beendet. Aber jede funk­tio­nie­rende Bezie­hung benö­tigt eben auch Rei­bungs­punkte. Spä­tes­tens wenn die Borussia nach dem 34. Spieltag auf Platz Sechs steht, dürften sich im Borussia Park wieder alle in den Armen liegen. Denn was sich liebt, das neckt sich.