Es waren die Fans des FC Augs­burg, die für die zün­denden Ideen an diesem Janu­ar­abend im Rosen­au­sta­dion sorgten. Erst brannten sie ben­ga­li­sche Feuer ab, später fun­kelten die Stern­chen einer von Sil­vester übrig geblie­benen Rakete über der Ost­tri­büne. Ottmar Hitz­felds Spieler führten zu diesem Zeit­punkt 2:0 gegen den Zweit­li­gisten aus der Fug­ger­stadt. Und sie spielten vor 25.000 Zuschauern so, wie sie vor dem Jah­res­wechsel und dem Coming-Out ihres Trai­ners gespielt hatten: wenig inspi­riert, eher ergeb­nis­orie­niert.

Bei­nahe wäre sogar das schief gegangen. Erst schossen die schwä­bi­schen Under­dogs gegen den großen FC Bayern Mün­chen den Anschluss­treffer und waren dann auch noch drauf und dran, den Aus­gleich zu machen. Immerhin blieb den Bayern-Stars und seinem unter beson­derer Beob­ach­tung ste­henden Trainer diese Bla­mage erspart.

Ver­liert Hitz­feld Auto­rität und gestal­te­ri­scher Kraft?

Als Trainer des FC Bayern steht man immer im Fokus. Aber es gibt noch eine Stei­ge­rung, wie die Situa­tion beim deut­schen Rekord­meister der­zeit offen­bart. Ist Ottmar Hitz­feld das, was sie in Ame­rika lame duck“ (lahme Ente) nennen, eine Füh­rungs­kraft, deren Termin der Demis­sion bereits fest­steht und die damit an Auto­rität und gestal­te­ri­scher Kraft ver­liert?

Diese Frage stand nach dem Test­spiel in den Kata­komben des Rosen­au­sta­dions im Raum, und sie wird auch in den nächsten Wochen und Monaten bei den kleinsten Anzei­chen einer Schwäche des Rekord­meis­ters gestellt werden.

Hitz­feld wäre nicht der erste Trainer, der an solch einer lame duck“-Konstellation schei­tert, auch wenn ihm, dem General“, ins­be­son­dere die Fähig­keit zuge­schrieben wird, selbst in schwie­rigsten Situa­tionen den Laden zusam­men­halten zu können. Wohl­weis­lich hat Hitz­feld, der in Punkto Zukunfts­pla­nung zwi­schen einem Enga­ge­ment als Schweizer Natio­nal­trainer oder als Fern­seh­ex­perte schwankt, schon mal ange­kün­digt, die Mann­schaft in der Rück­runde noch straffer“ zu führen.

Nach der wenig berau­schenden Leis­tung beim Start der Abschieds­tour in Augs­burg gab Hitz­feld aller­dings den nach­sich­tigen Kom­pa­nie­chef. Es war die fünfte Trai­nings­ein­heit nach der Win­ter­pause. Das Spiel war gut, um den Rhythmus zu finden“, dik­tierte der Noch-Bayern-Trainer den für ein simples Vor­be­rei­tungs­spiel an einem Win­ter­abend auf­fal­lend vielen Jour­na­listen in die Mikro­phone und Blöcke. Wir sind vom Gegner kör­per­lich gefor­dert worden“, fügte Hitz­feld hinzu. Und er wolle mit dem FC Bayern die Meis­ter­schaft und noch den einen oder anderen Pokal gewinnen“.

Alles Gute für die Rück­runde“

Wenig später bei der offi­zi­ellen Pres­se­kon­fe­renz im muf­figen VIP-Raum betonte Hitz­feld, er freue sich auf die nächsten Übungs­ein­heiten mit seiner Mann­schaft und das Trai­nings­lager im warmen Mar­bella. Seine Miene blieb aber ernst. Augs­burgs Trainer Ralf Loose wünschte seinem Kol­legen schon mal alles Gute für die Rück­runde“. Loose, der zuvor den FC St. Gallen trai­niert hatte und Hitz­feld in der Schweiz öfter begegnet war, meinte das auf­richtig, ohne eine Spur von Sar­kasmus.

Draußen im Gang war Hamit Alt­intop der erste Bay­ern­spieler, der mit dem Kul­tur­beu­tel­chen in der Hand aus der Kabine trat und sich von den war­tenden Jour­na­listen auf­halten ließ. Er denke nicht, dass sich die Ankün­di­gung des Trai­ners, den Verein am Ende der Saison zu ver­lassen, negativ auf die Leis­tung der Mann­schaft aus­wirke, sagte jener Spieler, der von Hitz­felds Ver­trauen in der Vor­runde pro­fi­tiert und zur Über­ra­schung vieler einen Platz im 80-Mil­lionen-Star-Ensemble der Münchner gefunden hat. Das sehen viel­leicht die Jour­na­listen so.“ Bas­tian Schwein­s­teiger hatte tags zuvor sogar von einer zusätz­li­chen Moti­va­tion gespro­chen: Ottmar Hitz­feld hat es ver­dient, einen schönen Abschied zu haben.“

Gegen Augs­burg waren jeden­falls Schwein­s­teiger und seine Team­kol­legen meist wie lame ducks“ über den Platz gewat­schelt.