Die 11FREUNDE-Diens­tags­ko­lumne: Jede Woche machen sich Lucas Vogel­sang, Titus Chalk und Frank Baade im Wechsel Gedanken üb er den Fuß­ball, die Bun­des­liga und was sonst noch so pas­siert. Wenn unser heu­tiger Kolum­nist Frank Baade nicht gerade für uns drei Kleinode zusam­men­stellt, schreibt er auf seiner Web­seite über den Fuß­ball­gott und dessen irra­tio­nales Wirken in den Bun­des­ligen und den großen Tur­nieren dieser Fuß­ball­welt.

1.
Pro 3pm

Andere Länder, andere Namen, die For­de­rungen aber sind die glei­chen. Je mehr Zeit ver­ging, desto mehr dachte ich, immer ein­samer zu werden hier in der Rau­cher­ecke des Links­spie­ßer­tums als ein­ziger Sen­ti­men­ta­list, der diese Kacke der Ter­min­an­set­zungen rund um die Wochenend-Uhr gerne abschaffen würde. Aber: Ich bin nicht alleine. Es gibt pro­mi­nente Unter­stüt­zung.

Auf­ge­fallen ist mir das übri­gens nur, weil Wayne Rooney es ret­weetet hat. Der echte, mit diesem Häk­chen am Twitter-Account. Toll, wenn man mit den ganz Großen gemein­same For­de­rungen teilt. Wird zwar eh nix ändern, fühlt sich aber gut an. (Die Ironie in ihren Tweets, in einem ihrer kom­plett gekauften Stra­ßen­züge ver­fasst, mit Blick auf den Mit­ar­beiter, der einzig zur War­tung des Rasen­mä­hers ein­ge­stellt ist, lassen wir heute mal unbe­trachtet. Pro 3pm!) 

2.
Fried­helm Fun­kels nicht ganz ast­reine Gedanken zur Fair­ness im Fuß­ball

Unbe­merkt von der großen Fuß­ball­welt hat sich ges­tern bei der Partie Ale­mannia Aachen gegen Erz­ge­birge Aue etwas ereignet, was Aachens Trainer (jawollja) Fried­helm Funkel zum Anlass nahm, mal aus seinen Klei­dern zu steigen und für alle ganz anschau­lich zu defi­nieren, wie man mit großem Sports­geist vor­an­geht und Fair­play demons­trieren sollte.

Was war pas­siert? (Ich liebe diese Boulevard’sche Wei­ter­lei­tung, die nur dazu dient, wei­ter­zu­leiten, aber sonst nichts.)

Mehr von Trainer Baade auf seiner Web­seite »

Erz­ge­birge Aue erzielte auf dem neuen Tivoli den Aus­gleich, nachdem ein leib­ei­gener, also ein hei­mi­scher Ball­junge extrem schnell mit­ge­dacht und gehan­delt hatte.

Nach einem Befrei­ungs­schlag ins Sei­tenaus war der Ball noch in der Luft, als ein Ball­junge durchaus eil­fertig ein Spiel­gerät an die Gäste wei­ter­reichte.

Ein Ding der Unmög­lich­keit, findet jener Mann, von dem wir hier annahmen, er sei noch nach altem Schrot und Korn, so sieht er jeden­falls aus, und würde dem­gemäß auch echtes Fair­play im Stil eines Gen­tle­mans jenem unwür­digen Tricksen und Betuppen an den kleinen Stell­schrauben, an denen man als Heim­mann­schaft über­haupt drehen kann, jeder­zeit vor­ziehen. Weit gefehlt. Fried­helm Funkel ist zwar nach altem Schrot und Korn, aller­dings eben kein Sports­mann dieser Cou­leur, son­dern einer dieser kleinen, mie­se­pe­trigen, irgendwie übel auf­sto­ßenden Vor­teils­er­hei­scher, bei denen einzig das sichere Wissen Trost spendet, dass dieser Mensch in nur wenigen Jahren aus­giebig über dem Höl­len­feuer geschmort werden wird. Denn wie bewer­tete Fried­helm Funkel die Aktion des durchaus staats­män­nisch fair han­delnden Ball­jungen?

Das habe ich so in vielen Jahren auch noch nicht erlebt“, staunte Trainer Fried­helm Funkel, der am Samstag 58 Jahre alt wurde. Als Ball­junge einer Heim­mann­schaft, die führt, muss man das Spiel ver­zö­gern.“

3. Uli Hoeneß singt
Man würde kaum glauben, dass die zu Beginn rechts im Bild befind­liche Steffi Graf zum Zeit­punkt der Sen­dung am 12. Dezember 1984 tat­säch­lich schon 15 Jahre alt war. Dass Udo Lattek Modell für Mr. Burns stand, glaubt aller­dings jeder sofort. So, und jetzt den Gold­kehl­chen aus Mün­chen gelauscht. Weil’s so arg schön ist, heute auch mal in Breit­wand. 






4. Armer Robben oder was macht eigent­lich Sergei Alei­nikow?

Aus gege­benem Anlass stellen wir uns die Frage, was dieser omi­nöse Sergei Alei­nikow zur Zeit so treibt, wenn er sich nicht gerade in seiner jün­geren Inkar­na­tion inner­halb des FC-Bayern-Kaders selbst iso­liert.

Nun, Sergei Alei­nikow, unter­le­gener EM-Final-Teil­nehmer 1988, ein Tur­nier, bei dem er den schnellsten EM-Treffer aller Zeiten erzielt hatte, eine Best­leis­tung, die er mitt­ler­weile wieder los­ge­worden ist, war einer der ersten sowje­ti­schen Spieler, die ins west­eu­ro­päi­sche Aus­land wech­seln durften, wovon er heute noch pro­fi­tiert.

Nachdem er 1989 von Dinamo Minsk zu Juventus Turin trans­fe­riert worden war, gewann er dort 1990 den ita­lie­ni­schen Pokal sowie den UEFA-Pokal. Einem Wechsel nach Lecce folgte ein Enga­ge­ment in Japan sowie gegen Ende der Kar­riere Auf­tritte in Schwe­dens erster Liga.

Neben der sowje­ti­schen Natio­nal­mann­schaft beehrte er nach der Auf­lö­sung der Sowjet­union zunächst das Team GUS“ und später jenes von Weiß­russ­land mit seinem Können im Mit­tel­feld. Zwar absol­vierte er nur 4 Par­tien für Weiß­russ­land, das reichte aber, um ihn 2003 zum Golden Player“ von Weiß­russ­land zu wählen, einer Ehrung für den besten Spieler der ver­gan­genen 50 Jahre.

Es schloss sich eine Kar­riere als Trainer an, die er eben­falls in Ita­lien begann und welche ihn immer noch dort, inzwi­schen beim NK Kras ver­weilen lässt. Ein Klub einer Stadt im Friaul, wo es sich bekannt­lich ganz gut aus­halten lässt.

Alles gut soweit also mit dem echten Sergei Alei­nikow, der sicher über­haupt nichts vom Schicksal ahnt, wel­ches sein Nach­name im deut­schen Fuß­ball ereilte (und diese Ver­ball­hor­nung exis­tiert ja nicht erst, seit sie Kader­mit­glieder des FC Bayern ver­wenden. Viel­mehr gibt es diese Kon­no­ta­tion schon seit dem ersten Auf­treten von Sergei Alei­nikow in inter­na­tio­nalen Spielen, so dass man seinen Namen auch als öffent­lich-recht­li­cher Zuschauer mit nur drei Pro­grammen ken­nen­lernen konnte.

Wer hätte nicht mit irgend­einem Spieler in einer Mann­schaft gespielt, der diese Bezeich­nung ver­diente — und auch erhielt?)

Dass Sergei Alei­nikow mitt­ler­weile aus­sehen soll wie eine alte, ver­wit­terte Hexe, wie Wiki­pedia behauptet, konnte aller­dings nicht veri­fi­ziert werden.