Seite 2: Eine Fußballnation zerreißt sich das Maul

Dass bei ihm irgend­wann immer sel­tener über Sport­li­ches, son­dern auch abend­fül­lend über sein Pri­vat­leben oder gar sein Gewicht dis­ku­tiert wurde, war ernied­ri­gend. Dass ein Focus-Autor einen ent­täuschten Brief an ihn ver­öf­fent­lichte, war uner­träg­lich. Und dass Lothar Mat­thäus – der ja selbst nicht müde wird, über die Unge­rech­tig­keit seiner Wahr­neh­mung hier­zu­lande zu klagen – ihm medi­en­wirksam zum Kar­rie­re­schritt nach China riet, war kein Scherz des Pos­tillon. Son­dern eine Schlag­zeile, zu der sich Men­schen ernst­haft äußern sollten. Es ist absurd. 

Und wäh­rend sich eine Fuß­ball­na­tion über Mario Götze das Maul zer­riss, warfen sich wenigs­tens die BVB-Bosse Watzke und Zorc bei jeder Gele­gen­heit schüt­zend vor Götze. Das ist ihnen hoch anzu­rechnen.

Ist das noch Medizin?

Nun wurde öffent­lich, dass Götze unter einer Stoff­wech­sel­krank­heit leidet, die ihn für unbe­stimmte Zeit außer Gefecht setzt. Die Mel­dung war keine zwei Stunden alt, da hatte so man­ches Bou­le­vard­blatt schon einen Sport­me­di­ziner gefunden, der sich zur Fern­dia­gnose hin­reißen ließ. Das ist nicht nur im weiten Feld der Stoff­wech­sel­er­kran­kungen haar­sträu­bend. Es ist der vor­läu­fige Tief­punkt.

Viel­leicht sollten wir alle ein­fach ein paar Dinge akzep­tieren: Mario Götze kann ein über­ra­gender Fuß­baller sein. Aber er darf auch ein ganz nor­maler Mensch sein. Mit Stärken, Schwä­chen und Geheim­nissen.

Mario Götze ist 24 Jahre alt. Er ist krank. Details kennen nur wenige. Wie schwer die Krank­heit ist, wissen wohl nur sein Arzt und er.

Er muss mal Luft holen. Ganz tief. Man sollte ihn ein­fach in Ruhe lassen.