Nachts um Viertel vor zwölf, am Gate 28 des Glas­gower Flug­hafen, erfüllt ein gewöhn­li­cher Com­puter den Traum aller Ver­tei­diger: Er degra­diert die legen­däre Elf des FC Bar­ce­lona kom­plett zum Nichts. Er löscht sie ein­fach aus. Kein ein­ziger Name mehr erscheint in der Pas­sa­gier­liste des Char­ter­flugs, der die Mann­schaft schon längst vom­Cham­pions-League-Spiel bei den Glasgow Ran­gers zurück nach Bar­ce­lona bringen sollte.



So schnell werden aus Welt­klas­se­fuß­bal­lern belie­bige Tou­risten. Einer nach dem anderen muss nach dem Ver­sagen der Infor­matik vor­treten und seinen Pass zeigen. Eine kleine, kräf­tige Ste­war­dess indi­scher Abstam­mung in schreiend blauer Uni­form, die glän­zenden Haare zum strengen Pfer­de­schwanz gebunden, nimmt die Namen erneut im Com­puter auf. Die Ver­spä­tung wächst, vor eins wird es nicht los­gehen. An die Wand gelehnt, unter­nimmt Tor­wart Victor Valdés einen Rekord­ver­such in der Dis­zi­plin größtes Gähnen der Welt; ohne seine famosen Hände zu benutzen. Ronald­inho bewäl­tigt die fri­sche Okto­ber­nacht wie ein echter Schotte im kurz­ärm­ligen Polo­hemd. Er tele­fo­niert; ob das gut funk­tio­niert, bleibt schlei­er­haft, er hält das Handy auf sein linkes Ohr, in dem wei­terhin der Ohr­stöpsel seines Musik­players steckt. Thierry Henry, beflissen, ernst, steht schon vor der Ste­war­dess am Schalter. Sie ver­gleicht sein Foto im Rei­se­pass mit dem Gesicht vor ihr, als ob sie es noch nie­mals gesehen hätte. Es ist die Nacht, in der es so schwer wie nie fällt, Thierry Henry wie­der­zu­er­kennen.

Kann ein Spieler bei gleich drei Ver­einen zur Legende werden?


Drei Stunden zuvor atmen in der luft­feuchten Dun­kel­heit 50?000 Fana­tiker im Ibrox Park heißen Dampf aus. Ihre Ran­gers ver­tei­digen sich mit allem, was sie haben, gegen das große Barça. Henry steht mit dem Rücken zum Tor. Es ist die natür­liche Hal­tung des Stür­mers, man ver­gisst es so leicht: wie viel Zeit sie damit ver­bringen, nach hinten zu schauen, zu warten auf den einen Pass, den plötz­li­chen Ball, der sie los­schickt, der ihre Sinne rasend macht. Denn sie wissen, sie, nur sie, können in einem ein­zigen Moment die Welt ver­än­dern; oder zumin­dest die Illu­sion erzeugen, die Welt sei eine andere. Der Pass kommt, mehr als einmal. Aber das Warten hört nicht auf in dieser Nacht. Das Tor wendet sich Henry par­tout nicht zu. Er gilt, pau­schal und für immer, als einer der besten Stürmer aller Zeiten, Welt- und Euro­pa­meister mit Frank­reich, Europas Fuß­baller des Jahres 2004, Europas bester Tor­schütze 2005 und 2006, Rekord­tor­schütze der fran­zö­si­schen Natio­nalelf, die Auf­zäh­lung der Aus­zeich­nungen ließe sich fort­setzen, bis der auf­merk­samste Leser ein­ge­schlafen ist. Thierry Henry, Meister aller Klassen, wird in Ibrox von seinen Mit­spie­lern nicht gefunden.
Sie passen und passen, es ist das berühmte Barça-Spiel, el toque wird es genannt, die Berüh­rung, weil die Spieler den Ball per­ma­nent berühren, stoppen und passen, passen, passen. Aber der letzte, der atem­be­rau­bende Pass zum Mit­tel­stürmer ver­küm­mert. Sie sehen Henrys Sprints zu spät oder er ist nicht in der Posi­tion, in der sie ihn erwarten. Dann, end­lich, hat er einmal den Ball. Er will sich drehen, und schon hat der Unglaube 50?000 Stimmen, 50?000 schot­ti­sche Schreie in der feuchten Luft. David Weir, 37 Jahre alt, ein Spieler aus der guten, alten Genera­tion, als schot­ti­sche Ver­tei­diger noch mit Zahn­lü­cken aus den Par­tien gingen, hat Thierry Henry ein­fach an seiner Brust abprallen lassen, ihm den Ball geraubt – ihn zum Nichts degra­diert. Es ist Nacht, in der tin­ten­schwarz und schreiend das Fra­ge­zei­chen auf­taucht. Was ist los, Titi?

So ruft es ihm in Groß­buch­staben das Sport­blatt »El Mundo Depor­tivo«, die respek­table Haus­zei­tung des bar­ce­lo­nismo, nach dem 0:0 in Glasgow von der Titel­seite ent­gegen. 100 Tage sind ver­gangen, seit Thierry Henry, genannt Titi, vom FC Arsenal in London für 24 Mil­lionen Euro Ablöse zum FC Bar­ce­lona wech­selte und die sen­sa­tio­nellste Elf einer Dekade, das Barça des Zau­bers und der Wucht, vor Ele­ganz und Elan zu platzen schien. Ein Sturm mit Ronald­inho, Eto’o, Messi und nun noch Henry. »Es ist nicht sehr schön, wenn ich das sage«, sprach Henry bei seiner Prä­sen­ta­tion, »aber die Wahr­heit ist: Du schaust dir die Namen an und sie machen Angst.« Alle vier auf ein Foto zu bekommen, war die jour­na­lis­ti­sche Her­aus­for­de­rung des Som­mers. Es dau­erte bis zur dritten Trai­nings­woche, bis es ein Foto­graf ein­fing; dass sich Henry gerade bückte, um einen Socken hoch­zu­ziehen, und also sein Gesicht gar nicht zu sehen war, spielte eine unter­ge­ord­nete Rolle, der Schnaps­schuss ging trotzdem um die Welt. Längst war ein Begriff im Umlauf: die Fan­tas­ti­schen Vier. 100 Tage später ver­steht man besser denn je, wie fan­tas­tisch der Fuß­ball Barças ist – wenn selbst Thierry Henry enorme Pro­bleme hat, sich in das ein­zig­artig kunst­volle Angriffs­spiel ein­zu­fügen.

Ein­ge­wöh­nungs­schwie­rig­keiten beim Wechsel von Land und Verein sind das Nor­malste der Welt. Henry wird sie über­winden, er wird wieder besser spielen, nie­mand käme auf die Idee zu behaupten, er sei nun, mit 30, am Ende. Doch nie­mand kann über­sehen, dass hinter seinen nicht für mög­lich gehal­tenen blut­armen Auf­tritten in der Anfangs­zeit in Bar­ce­lona tie­fere, inter­es­san­tere, Fragen ste­cken: Kann es sein, dass er nicht wirk­lich in diese Mann­schaft des schwin­del­erre­genden Kurz­pass­spiels passt; kann es sein, dass ein Spieler seiner Klasse in irgend­eine Mann­schaft nicht passt? Kann kein Fuß­baller in zwei ver­schie­denen Ver­einen zur Legende werden? Was für ein Fuß­baller ist Thierry Henry über­haupt? Was ist los, Titi?

»Alles in Ord­nung«, ant­wortet er – einige Tage vor Glasgow, als der Spruch Qué pasa, Titi? noch keine ernst­hafte Schlüs­sel­frage, son­dern eine harm­lose Begrü­ßung im Tief­ge­schoß des Sta­dion Camp Nou ist. Henry erscheint zum Pres­se­ge­spräch mit einer golden glit­zernden Krone. Aller­dings trägt er sie nicht auf dem Kopf, son­dern auf dem mili­tär­grünen T‑Shirt. Pro­fi­fuß­baller haben eine Schwäche für schrei­ende Klei­dung mit aller­hand Auf­dru­cken, und dieses win­zige biss­chen Selbst­in­sze­nie­rung gestattet sich auch Thierry Henry. Nach 13 Pro­fi­jahren als gekrönte Aus­nah­me­be­ga­bung hat er sich die Aus­strah­lung eines beschei­denen Anfän­gers bewahrt. »Ver­steht mich bitte nicht falsch«, sagt er, als das Gespräch auf seine Prä­sen­ta­tion in Bar­ce­lona kommt, zu der 30?000 Fans im Camp Nou erschienen, 30?000, nur um ihn in Person zu sehen. »Aber mir war es ein wenig pein­lich. Ich stand da unten auf dem Rasen, sah hoch zu den Leuten und fragte mich: Und was soll ich jetzt über­haupt machen?«

174 Tore in 254 Spielen für Arsenal


Er lacht. Wie viele berühmte Fuß­baller, von denen alle Welt ständig flotte Sprüche ein­for­dert, lacht er oft selbst schon über seine Sätze, bevor der Gegen­über die Chance hat zu schmun­zeln. Als ob er dem eigenen Charme nicht traut und glaubt, seinen Witz mit dem Lachen ver­stärken zu müssen. Wenn seine kugel­runden Augen lachen, ist der böseste Mensch wehrlos: Dann muss ihn jeder mögen. Doch sein Lachen wird immer wieder auf die Schnelle ein­ge­fangen vom hei­ligen Ernst, der in ihm steckt. Ronald­inho?… »Ich weiß«, unter­bricht er. »Ronald­inho lächelt immer wäh­rend des Spiels. Und ich nie. Es liegt daran, dass ich nie absolut glück­lich sein kann.« Für einen Moment, einen kurzen Augen­blick, der ewig lange erscheint, ist es ruhig im Tief­ge­schoß des Camp Nou, wo Leder­sofas stehen und das Sta­dion wie eine miss­lun­gene Kreu­zung aus Park­haus und Hotel aus­sieht. Und die betre­tene Stille trägt die Gedanken sieben Jahre zurück nach Nord-London. Als ich ihm das erste Mal begegnet bin.

Es war im Mai 2000. Arse­nals glä­serner Trai­nings­pa­last liegt im Nie­mands­land bei London-Colney, nur ein wei­teres Gebäude gibt es in der Nähe, eine Auto­wasch­an­lage. Die gehöre Tor­wart David Seaman, erzählte damals Arse­nals deut­scher Mit­tel­feld­spieler Alberto Méndez. Thierry Henry erschien in der Klub­ca­fe­teria mit einem weißen Hemd unter einem grauen Pull­over mit V‑Kragen. Es war die Klei­dung eines braven Schü­lers, und er sah darin aus wie ein Rapper, cool, selbst­be­wusst. Weil es Eng­land war, wo Humor und Selbst­ironie die höchsten Werte sind, begann das Gespräch in harmlos wit­ziger Stim­mung. Es bekam schlei­chend, auto­ma­tisch, einen – seinen – pas­to­ralen Ton. Selbst, als Thierry Henry noch immer witzig klang, war er längst ernst. »Ich sollte mehr Tore schießen, ich schieße nie genug, um mich zufrie­den­zu­stellen.« Er hatte damals, in seinem ersten Jahr bei Arsenal, gleich 17-mal getroffen. »Aber ich schieße nie ein­fache Tore, nie. So wie Gerd Müller. Er war ein groß­ar­tiger Spieler, obwohl er nicht schnell oder tech­nisch beson­ders gut war. Aber er hatte diesen unglaub­li­chen Tor­instinkt. Meine Tore sind immer gleich.« Tat­säch­lich erin­nert man sich, wenn man an Henrys Tore denkt, an eines, das sich unend­lich oft wie­der­holt: Von Links­außen dringt er in den Straf­raum ein und schießt den Ball mit dem rechten Innen­rist flach, in leichter Kurve um den Tor­wart herum ins rechte Toreck. Es sind wun­der­schöne Tore. »Aber ich würde so gerne einmal einen ein­fa­chen Abstauber aus zwei Metern rein­ma­chen. Zum Anfang meiner Kar­riere habe ich in Monaco mit David Tré­zé­guet gespielt, und wenn ein Schuss vom Pfosten abprallte, lan­dete er immer vor seinen Füßen, nie vor meinen. Ich sagte zu ihm: ›David, beim nächsten Mal stehe ich an dem Pfosten.‹ Natür­lich prallte der Ball beim nächsten Mal vom anderen Pfosten ab, und wieder war er zur Stelle.«

Wir saßen ihm gegen­über, ein halbes Dut­zend Jour­na­listen, und wie auf Auto­pilot, ohne es zu merken, begannen wir plötz­lich jede Frage mit »Aber?…?«. Aber wenige Spieler schießen so viele Tore wie du, Thierry. Aber, Thierry, kaum ein Stürmer ver­fügt über solch ein Arsenal an Fähig­keiten wie du. Jour­na­listen, die gekommen waren, um kühl Fragen zu stellen, ver­tei­digten ihn am Ende gegen sich selbst. Später sagte er in einem Inter­view mit »France Foot­ball«: »Ich kann nicht anders sein. Mein Vater hat mich so erzogen.« Er wuchs als Sohn von Ein­wan­de­rern aus Gua­de­loupe in der Pariser Peri­pherie auf, »als Kind kam ich nach Hause: ›Papa, ich habe ein Tor gemacht!‹ Und er würde sagen: ›Ja, aber du hät­test einen Pass spielen sollen.‹« Lang­jäh­rige Weg­ge­fährten in der fran­zö­si­schen Natio­nalelf wie Lilian Thuram sagten ihm damals oft: Titi, nimm nicht alles zu ernst. Und er nickte: Ich weiß, ich weiß.

Thierry Henry, das Arsenal-Trikot hing ihm aus Hose, brachte sams­tags um drei in High­bury mit jeder Bewe­gung auf den Punkt, was Ele­ganz ist. In einem rasenden Sport besaß er die Frech­heit, sich ein­fach eine Pause zu nehmen: Er blieb, den Ball am Fuß, in Tor­nähe vom Gegner bedrängt, stehen. Alles tobte und er stand. Und nach einem scheinbar ewigen Moment der Pause schwebte er, als sei es das Leich­teste, mit einem Haken, einer Finte am Gegner vorbei. 174 Tore in 254 Pre­mier-League-Spielen erzielte er in sieben Jahren für Arsenal; ein­malig. Für uns Zuschauer ver­kör­perte sein Spiel mehr als alles andere die Schwe­re­lo­sig­keit. Und Thierry Henry selbst konnte die wun­der­bare Leich­tig­keit des Seins nie finden.

»Es liegt daran, dass ich nie absolut glück­lich sein kann«


Er rief damals in London Jour­na­listen an, wenn sie seiner Mei­nung nach etwas Unrich­tiges geschrieben hatten und dis­ku­tierte sach­lich und sanft mit ihnen dar­über. Mit Oliver Holt, dem Chief Foot­ball Writer des »Daily Mirror«, kam er zunächst nicht weit. »Thierry«, sagte Holt, »ich stehe gerade barfuß an der Sicher­heits­kon­trolle bei der Ein­reise in die USA, kannst du später anrufen?« Und Henry rief später an. Er enga­gierte sich in Fuß­ball­pro­jekten mit schwie­rigen Kin­dern, wollte aber auf keinen Fall, dass dar­über berichtet wurde; aus Angst, es könnte als PR-Stunt miss­ver­standen werden. Einmal führte er den FC Fulham in einem Liga­spiel alleine vor und schlich­tete dann väter­lich, als zwei frus­trierte Fulham-Profis auf­ein­ander los­gingen. Als der deut­sche Ver­tei­diger Markus Babbel beim FC Liver­pool sein Come­back nach einer Krank­heit gab, die ihn zeit­weise gelähmt hatte, war es Henry, der zu ihm kam und sagte: »Wir sind alle froh, dass du wieder da bist.« Er war dort ange­kommen, wo es für einen Fuß­baller nicht weiter hinauf geht, die Legende in einem der pres­ti­ge­träch­tigsten, erfolg­reichsten Klubs. Und er konnte nicht anders als immer noch unbe­frie­digt wei­ter­zu­su­chen, nach etwas Unbe­stimmten, nach einer Rolle, die es im Fuß­ball nicht wirk­lich gibt. Er ver­suchte – ja, was? – zu sein: vor­bild­li­ches Vor­bild, Über­figur – Bun­des­prä­si­dent des Fuß­balls? Die lang­jäh­rigen Weg­ge­fährten gaben es auf, ihm zu sagen, Titi, nimm nicht alles so ernst.

Selbst wenn er zuhause in Hamp­stead, dem Viertel, wo London mitten in der Stadt ein Dorf ist, Fuß­ball im Fern­sehen schaute, konnte es ihm nie ein­fach nur ein Ver­gnügen sein. »Letz­tens sah ich Angers gegen Amiens«, fran­zö­si­sche 2. Liga, erzählte er einmal der Zei­tung »L’Equipe«, »ich schaue das und suche nach guten Spie­lern. Das ist meine Art, diesen Spie­lern Respekt zu zollen.« Er schaut fana­tisch Fuß­ball. Er schaut eng­li­sche 3. Liga, hol­län­di­sche Liga, Bun­des­liga. Als ihn 2004, zur Hoch­zeit des Spek­ta­kel­fuß­balls der Galác­ticos bei Real Madrid, die spa­ni­sche Zei­tung »Marca« nach der Elf fragte, die er am liebsten sehe, ant­wor­tete er: »Es gibt eine Mann­schaft, die mich begeis­tert. Sochaux. Nie­mand kennt sie, sie haben keine Stars, aber die Art, wie sie den Ball passen – wun­derbar. Ah, und ich darf Stutt­gart nicht ver­gessen! Diese Jungen spielen sehr gut.«

Nur sich selbst sieht er sich nicht an im Fern­sehen. »Es ist merk­würdig – ich kann das nicht.« Nur einmal habe er eine Aus­nahme gemacht, nach einem 5:1‑Sieg mit Arsenal bei Inter Mai­land. »Da habe ich das Video ein­ge­legt, weil es so einen Sieg nicht alle Tage gibt.« Was er nicht erwähnt, ist Arse­nals fünftes Tor in jener Partie. Ein Spieler rennt aus der eigenen Hälfte über den Platz, die Fern­seh­tech­niker stoppen nachher mit und zählen nach: Thierry Henry ist neun Sekunden unter­wegs, ohne dass ihn ein Gegner vom Ball trennen kann, er legt sich den Ball sechsmal selbst vor. Es ist etwas, was man heut­zu­tage im Spit­zen­fuß­ball kaum noch sieht: einen Spieler, der sich den Ball selbst vor­legt und hin­ter­her­läuft. Zwi­schen engen Abwehr- und Mit­tel­feld­li­nien ist dafür der Spiel­raum nicht mehr vor­handen, zudem haben sich die ath­le­ti­schen Fähig­keiten aller Profis mitt­ler­weile auf höchstem Niveau so ange­gli­chen, dass fast nie­mand mehr den anderen ein­fach davon­laufen kann. In diesem Spiel ohne Raum und Zeit ist es eine seiner Spe­zia­li­täten geblieben: Ball vor­legen und davon­laufen.

Joan Laporta sah diesen Spieler im Fern­sehen. Laporta ist von Beruf ein ratio­naler Mann, Anwalt, er hat nach seiner Wahl zum Ver­eins­prä­si­denten im Juli 2003 mit seiner Füh­rungs­riege den zur melo­dra­ma­ti­schen Vor­abend­serie ver­kom­menen FC Bar­ce­lona finan­ziell und sport­lich saniert. Seine Ratio musste auch Laporta sagen, dass Barças ver­schwen­de­risch mit Angriffs­kraft bestückte Elf Henry nicht brauchte. Aber daheim vor dem Fern­seher war Laporta auch nur einer von uns, den Fans. »Mein Traum«, gestand er im Herbst 2005 in intimer Atmo­sphäre, »ist es, Henry im Barça-Trikot zu sehen.« Ernst­haft konnte Laporta nicht glauben, dass der Satz geheim blieb. Denn so nett und uner­fahren die jungen Stu­denten waren, denen er das Geständnis bei einem Gast­vor­trag machte, so viel Berufs­in­stinkt hatten sie doch schon, um den Wert der Nach­richt abzu­schätzen. Es waren Jour­na­lis­ten­schüler der Uni­ver­sität Pompeu Fabra.

Der Fuß­ball hat eine große Schwäche für Herz­schmerz­dramen. So führte er zum Ende der Saison 2005/06 in Henrys Geburts­stadt Paris Bar­ce­lona und Arsenal im Cham­pions-League-Finale zusammen. Just, bevor Henry zu Barça wech­seln sollte. Er habe bereits zuge­sagt, ver­si­cherten beim FC Bar­ce­lona in jenen Mai­tagen vor dem Finale ver­schie­dene und beru­fene Quellen im Pri­vat­ge­spräch. Die Frage schien nur noch, wie er denn kommen würde: Raubte Henry im Finale von Paris mit einem Siegtor den zukünf­tigen Mit­spie­lern den Lebens­traum; lief er nach einem ent­schei­denden Fehl­schuss zu den Sie­gern über?

Sein Pflicht­ge­fühl verbot ihm, Arsenal im Stich zu lassen


End­spiele sind nicht für groß­ar­tige Auf­tritte gedacht, son­dern dazu da, gewonnen zu werden. Es wurde ein Finale in dieser Tra­di­tion. Die frühe Rote Karte für Arse­nals deut­schen Tor­wart Jens Leh­mann limi­tierte das Spiel. Arsenal ver­tei­digte, Barça griff an, zuneh­mend hys­te­risch statt rational ele­gant. In diesem Schema waren die Konter von Thierry Henry die Schau. Er alleine zer­riss Barças Abwehr. Schon bald wussten sich Barças Ver­tei­diger, vor allem Carles Puyol und Ole­guer Presas, in erster Linie noch mit ver­zwei­felten Fouls gegen die dro­hende Lächer­lich­keit zu wehren. Das Tor jedoch fand Henry nicht. Barças Tor­wart Victor Valdés flog, von der Inspi­ra­tion geküsst. Es war die schrei­ende Unge­rech­tig­keit des Abends, dass nach Barças 2:1‑Sieg alle Welt von Leh­manns Platz­ver­weis redete und nie­mand von dem Tor­wart, der das End­spiel wirk­lich ent­schied. Der Euro­pa­pokal kam vorbei, nachts in den Gängen des Stade de France, Juliano Bel­letti, der Schütze des Sie­ges­tores, trug ihn, »Ronald­inho hat es mir erlaubt!«, sagte er. Der Pokal roch nach abge­stan­denem Alkohol, Bel­letti sagte, »ich werde ihn ein wenig strei­cheln.« Und irgend­wann, viel später, kam dann Thierry Henry aus der Umklei­de­ka­bine.

Etwas war pas­siert. Man sah es in seinem Gesicht. Dort war der Schmerz zuhause, mit seinem kleinen Bruder, dem Trotz. Jemand fragte Henry nach seinem Wechsel zu Barça und er ant­wor­tete mit einer Rede über die Tritte, die ihm Barças Ver­tei­diger ver­passt hätten. Zwei Tage später über­raschte er alle mit der Ankün­di­gung, er werde »für immer« bei Arsenal bleiben. »Nachdem, was am Mitt­woch im Finale pas­siert ist, kann ich Arsenal nicht im Stich lassen. Ich denke mit dem Herzen und mein Herz sagt mir, bleib.« In dieser spon­tanen Ent­schei­dung, den Wechsel nach Bar­ce­lona zu ver­gessen, offen­barte sich Henry wie viel­leicht nie zuvor, nie danach: Sein ver­dammtes Pflicht­be­wusst­sein eines Bun­des­prä­si­denten, er müsse dem nach der Nie­der­lage danie­der­lie­genden Arsenal bei­stehen; sein immenser, trot­ziger Stolz, nicht als Ver­lierer, nicht zu denen, die ihn getreten hatten, über­zu­laufen; sein bers­tender Ehr­geiz, jetzt erst recht mit Arsenal die Cham­pions League zu gewinnen, den einen Pokal, der sich ihm stand­haft ver­wehrt. All das macht ihn aus, macht ihn beson­ders. Aber all das war nicht genug, Bar­ce­lona zu ver­gessen.

Sport­jour­na­listen ver­fallen oft in den Irr­glauben, jede Geschichte sei rational und ein­deutig erklärbar. So wurde gierig nach dra­ma­ti­schen Vor­fällen gesucht, um logisch erklären zu können, warum Henry nur ein Jahr nach seinem ewigen Treue­schwur von Paris doch von Arsenal zu Barça über­lief. Aber es gab kein Drama. Was zwi­schen Arsenal und Henry pas­sierte, geschieht jedes Jahr in zehn­tau­senden der besten, lang­jäh­rigen Arbeits­ver­hält­nisse. Etwas nutzt sich ab, etwas ver­schleißt sich im täg­li­chen Umgang mit­ein­ander, in gewissen Momenten häufen sich die Schwie­rig­keiten, und einer hat keine Lust mehr, um die Rück­kehr des Glücks zu kämpfen. Auf einmal erscheint es als die viel simp­lere Lösung, ein­fach zu gehen. Henry war im ver­gan­genen Jahr zum ersten Mal ernst­haft ver­letzt, ein Riss in den Adduk­toren zog sich hin, er ver­passte die halbe Saison. Er fand sich, zum ersten Mal bei Arsenal, in einer Elf wieder, die im Genera­ti­ons­wechsel steckte, die statt um die eng­li­sche Meis­ter­schaft zu spielen, tas­tend ihren Weg suchte. Zuhause ver­stand er sich mit seiner Ehe­frau Claire nicht mehr, im Juli würden sie die Schei­dung ein­rei­chen. Bei Arsenal wurde sein Freund, Vize­prä­si­dent David Dein, in den Abschied gedrängt. Thierry Henry stand auf dem Spiel­feld, schrie bitter die Mit­spieler an und ges­ti­ku­lierte wütend mit den Armen.

Henry wird nie der eine Mann im Ein-Mann-Team sein

Und aus Bar­ce­lona schickte Laporta noch immer Blumen. Irgend­wann will man nicht mehr kämpfen, son­dern ein­fach wieder geliebt werden.
Es liegt daran, dass ich nie absolut glück­lich sein kann. Die Stille ver­fliegt, die der Satz für einen ewig langen kurzen Augen­blick hin­ter­lassen hat im Tief­ge­schoß des Camp Nou. Für die Öffent­lich­keit kam er als Star nach Bar­ce­lona, als der vierte Fan­tas­ti­sche. In Wirk­lich­keit kam er, um wieder auf die Beine zu kommen, um seine Lon­doner Pro­bleme hinter sich zu lassen. Er redet weiter im Tief­ge­schoß, er lacht weiter, wieder zu früh, er sagt, dass es für keinen Fuß­baller leicht sei, sich an einen neuen Spiel­stil zu gewöhnen, dass ihm nach der Ver­let­zung noch etwas fehle, dass »ich auch wütend und frus­triert bin, weil ich nicht das Nötige bei­trage«. Und dann sagt er, der Ton bleibt unge­zwungen, selbst­be­wusst, selbst­ver­ständ­lich: »Ver­gesst den Thierry Henry von Arsenal. Wir werden ihn nicht mehr sehen.« Im ersten Moment klingt es wie: Ich, Thierry Henry, werde nie mehr so gut sein wie ich einmal war. Tat­säch­lich meinte er es in dem Sinne, dass er in Barças Spiel­system nie mehr der eine Mann im Ein-Mann-Team sein, dass er in Barças Star­system nie mehr der Bun­des­prä­si­dent sein wird. Aber ist das im Prinzip nicht das­selbe: Wird etwa er, Thierry Henry, bei Barça nie mehr so strahlen wie bei Arsenal?

Bei Arsenal agierte er zunächst mit Dennis Berg­kamp im Sturm. Berg­kamp, der aus der Kälte des Raums kam, fand sein natür­li­ches Revier zwi­schen den Linien, im Nie­mands­land zwi­schen Angriff und Mit­tel­feld. Vor ihm hatte Henry die gesamte Breite des Angriffs­drit­tels für sich, um zu streunen, um Finten zu schlangen und los­ziehen, wenn ihn Berg­kamp mit seinen ansatz­losen Pässen in den Raum auf die Reise schickte. In den späten Lon­doner Jahren dann, nach Berg­kamps Kar­rie­re­schluss, spielte Henry meist als ein­samer Stürmer. Er lebte von seinem Spiel­raum. Er konnte von der Mit­tel­linie auf­wärts Fahrt auf­nehmen, seine Schnel­lig­keit aus­spielen. Die gesamte Mann­schaft spielte für ihn. »Er schüch­terte uns regel­recht ein«, sagt Arse­nals heu­tiger Stern, Fran­cesc Fàb­regas. »Wir glaubten, immer zu ihm, immer so spielen zu müssen, wie er es wollte.«

Barça dagegen spielt mit drei Angrei­fern und zwei offensiv aus­ge­rich­teten Mit­tel­feld­spie­lern dahinter, er als nomi­neller Mit­tel­stürmer kann sich nie zurück­fallen lassen; da ist überall schon ein anderer. Jeder – und er als zen­traler Stürmer beson­ders – ist viel mehr auf seine Posi­tion fest­ge­legt. Bewe­gung ent­steht weniger durch Sprints in den freien Raum als durch Pass­kom­bi­na­tionen. Wäh­rend bei Arsenal die erste Mög­lich­keit zum Steil­pass genutzt wurde, läuft bei Barça der Ball von links nach rechts, von rechts nach links und auf einmal ent­steht ein Gewebe, in dem sich der Gegner ver­fängt, tut sich das Loch, der freie Raum auf. »Wir im Mit­tel­feld müssen ihn durch schnel­leres Abspielen akti­vieren«, kri­ti­sierte sich Xavi Hernández selbst. Es war nett gemeint. Aber Henry weiß, dass es so nicht sein darf: »Ich muss mich an Barças Stil anpassen und nicht Barça an meinen. Es ist mein Pro­blem.«

Ein neuer Sonntag kommt, der erste nach Glasgow, es kommt ja immer ein neuer Sonntag im Fuß­ball, selbst nach Tagen wie Glasgow. Abends um sieben im Camp Nou, wenn die Herbst­dun­kel­heit über­fall­artig erscheint und sich das Sta­dion in einen gigan­ti­schen Licht­kegel ver­wan­delt, trägt er die Nummer 14 auf dem Rücken. Es war schon bei Arsenal seine Nummer, aber hier in Bar­ce­lona wird es immer die Rücken­nummer von Johan Cruyff sein. Kein Barça-Spieler vor Henry hat sie je frei­willig gewählt. Die Angst, mit Cruyff, dem Mythos des bar­ce­lo­nismo, ver­gli­chen zu werden, die Furcht, als anma­ßend zu gelten, waren über­mächtig. Die 14 bekamen Spieler aus den Tiefen der Team­hier­ar­chie, Amu­nike, Gerard, Ezquerro. Sie konnten sich nicht wehren; ihnen blieb keine andere Nummer.

UD Almería heißt der Gegner, ein Auf­steiger. 80?000 sind da, denn der Gegner spielt keine Rolle, sie kommen, um Barça zu sehen. Ver­gan­gene Saison hat die Elf alle Titel ver­juxt, das Spiel war stumpf und kraftlos geworden. Dies ist die Saison der Wie­der­kehr. Henry sollte für den Neu­auf­bruch stehen. Die Fan­tas­ti­schen Vier. »Wer die Fan­tas­ti­schen Vier sehen will, muss ins Kino gehen«, sagt Henry. Hier im Sta­dion jeden­falls sind die Vier tat­säch­lich nicht zu sehen. Dass Eto’o, Ronald­inho, Henry, Messi alle gemeinsam spielen, war sowieso nie geplant. Das 4 – 3‑3-System würde unan­ge­tastet bleiben. Doch nun kehrt das unwi­der­steh­liche Barça langsam, aber sicher zurück, und es wird – welche Ironie – außer von Leo Messi in erster Linie von Unfan­tas­ti­schen getragen, Spie­lern wie Andrés Iniesta, Eric Abidal, Yaya Touré. Eto’o ist ver­letzt, Ronald­inho wie Henry eine melan­cho­li­sche Erin­ne­rung an früher. Am sechsten Spieltag, aus­wärts bei UD Levante, hing noch ein mit zitt­riger Hand geschrie­benes Bett­laken im Barça-Fan­block: »Henry, heute triffst du!« Und er schoss beim 4:1‑Sieg gegen den Tabel­len­letzten prompt einen Hat­trick, seine ersten Tore in der spa­ni­schen Pri­mera Divi­sión. Nun flat­tert im Camp Nou ein Plakat mit der Auf­schrift: »Henry, du ver­sagst öfter als mein Wire­less-Anschluss zuhause!« Hat er Angst vor den Pfiffen der Fans? »Ich habe nur Angst vor dem Tod.«

Als Mit­tel­stürmer steht Henry zu oft mit dem Rücken zum Tor


Es gibt keine Fan­kurve im Camp Nou. Einmal im Jahr schaut Real Madrid zum Klas­siker vorbei, dann speit das Sta­dion Galle, ansonsten begleitet ein kon­zen­triertes, ner­vöses Schweigen die Par­tien. Wenn ein Spieler im Camp Nou für ein gewöhn­li­ches Abspiel mit Applaus bedacht wird, muss es ihm schon sehr schlecht gehen – dass die Zuschauer glauben, ihn auf­mun­tern zu müssen. Aber Henry gibt ihnen noch nicht einmal dazu oft die Gele­gen­heit, bis er nahe der Halb­zeit das 1:0 erzielt. Es ist ein gewöhn­li­cher, ordi­närer Abpraller. Er feiert, als habe ihn das Tor in den Wahn­sinn getrieben. Er rennt zur Eck­fahne und wirft sich bäuch­lings, mit Karacho auf den Boden. Wie er sich damals in London solch ein Tor gewünscht hatte – welche Ironie: Nun heißt es, war doch nur ein Abstauber und Abseits dazu. Beson­ders irri­tie­rend ist, dass er in den Duellen eins gegen eins nicht mehr am Gegner vor­bei­kommt. Richtig taut er bei dem all­täg­li­chen 2:0‑Sieg erst – wie so oft in seiner Anfangs­zeit bei Barça – gegen Ende des Spiel auf, was als inter­es­santes Detail gelten kann: wenn der Gegner, müde und im Rück­stand, die Räume öffnet.

»Er ver­sucht zwar per­ma­nent, sich mit kleinen Dia­go­nal­sprints frei­zu­laufen, aber er muss bei Barça als Mit­tel­stürmer ein­fach sehr oft mit dem Rücken zum Tor warten, das ist nicht sein opti­maler Fuß­ball«, sagt im Pres­se­raum Albert Ferrer. Er diente als Außen­ver­tei­diger Barça jah­re­lang, später heu­erte er beim FC Chelsea an, dort kreuzte sich sein Weg mit Henry. Nun schreibt er als Kolum­nist für »Mundo Depor­tivo« und hat von uns Jour­na­listen zumin­dest schon einmal die nach­läs­sige Klei­dung ange­nommen: Er trägt eine spe­ckige Leder­jacke. »Das war immer eine Haupt­rolle, gegen Thierry zu spielen«, sagt er. »Und hin­terher konn­test du dich wenigs­tens damit raus­reden, er sei ein­fach unauf­haltsam.« Heute kommt Trainer Frank Rij­kaard in den Pres­se­raum und sagt: »Henry muss sich wieder in den Ball ver­lieben.«

Auf dem Heimweg fliegen die Gedanken: von Diego Mara­dona über Roberto Baggio zu Andrej Schewt­schenko; Mara­dona, an den wir uns nur im Napoli-Trikot erin­nern, Baggio, der so richtig nur im Schwarz-Weiß von Juventus exis­tierte, Schewt­schenko, den wir wirk­lich doch nur im Milan-Dress gesehen haben. Gar nicht so viele Fuß­baller der abso­luten Spit­zen­klasse haben in mehr als einem Verein tri­um­phiert, Lothar Mat­thäus, der schon, bei Bayern Mün­chen und Inter Mai­land. Dies ist das Barça Ronald­inhos und Messis. Es wird nie das Barça Henrys werden. »Ich bin über­zeugt, dass er uns noch viele bes­sere Auf­tritte als bisher zeigen wird«, sagt der alte Spieler und neue Jour­na­list Albert Ferrer, »aber nicht auf dem Niveau, das er bei Arsenal hatte.« Barças Spiel wird nie auf ihn zuge­schnitten werden, es wird nie das Beste aus ihm her­aus­holen. Aber er wird sich, früher oder später, damit arran­gieren. Er wird, zumin­dest für Momente, dem Unglauben 100?000 Stimmen ver­schaffen, wenn das Camp Nou sieht, wie alles tobt und er stehen bleibt und dann mit einer Finte, einem Haken vor­bei­zieht. Und viel­leicht?…

Das Trai­ning läuft noch in Bar­ce­lona an einem belie­bigen Vor­mittag im Herbst, zehn gegen zehn, ein Spiel. La Masía, der Trai­nings­platz des FC Bar­ce­lona, ist spürbar kleiner als genormte Fuß­ball­rasen, Eck­bälle kann man des­halb hier nicht trai­nieren, aber Eck­bälle will diese Mann­schaft
auch gar nicht trai­nieren, die nur tiki­taki spielt, wie das in Spa­nien heißt: tik, berühren und tak, berühren. Da kommt doch einmal ein hoher Ball, Henry steigt hoch – und rammt ver­se­hent­lich Sil­vinho sein Knie in den Rücken. Hart getroffen sinkt der kleine bra­si­lia­ni­sche Außen­ver­tei­diger zu Boden. Ronald­inho kommt lachend zu ihm. »Vor­sicht mit Titi«, sagt er zu Sil­vinho, »der kommt aus Eng­land.« Henry, der noch wenig Spa­nisch kann, ver­steht allen­falls die Hälfte von sol­chen Scherzen. Was er wahr­nimmt, ist das Gefühl der guten Laune, das diese Elf aus­strahlt. Er lacht mit, mit den kugel­runden Augen, mit den blit­zenden Zähnen, mit dem ganzen Gesicht.

Und viel­leicht?… wird er hier einmal absolut glück­lich sein.