Seite 2: Wie aus einem Fußballer ein Investitionsprojekt wurde

Dass Beckham sich vom Trai­ning beur­lauben ließ, weil sein Sohn krank war, und Vic­toria gleich­zeitig auf der London Fashion Week foto­gra­fiert wurde, wollte dem tra­di­tio­nell struk­tu­rierten Schotten nicht in den Kopf. Sollte die Frau doch aufs Kind auf­passen! Als United im Februar 2003 im FA Cup gegen Arsenal verlor, kickte Fer­guson wut­ent­brannt einen Schuh durch die Kabine, der Beckham im Gesicht traf und eine Wunde ver­ur­sachte, die mit meh­reren Sti­chen genäht werden musste. Auch wenn Fer­gu­sons eins­tiger Lieb­lings­schüler ein Zufalls­opfer war, so zählte in diesem Fall doch die Sym­bolik der Tat: Man­chester United war nicht länger David Beck­hams Zuhause.

Eine Mil­lion ver­kaufte Tri­kots – im ersten Jahr

Die logi­sche Folge danach war: Real Madrid. Und Beckham ab sofort nicht mehr in erster Linie Fuß­baller, son­dern Inves­ti­ti­ons­ob­jekt. Für seine Prä­sen­ta­tion in Madrid im Sommer 2003 wurden 547 Jour­na­listen akkre­di­tiert, und eine Klinik zahlte allein 360 000 Euro dafür, dass sie exklusiv den Medi­zin­check durch­führen durfte. Wer die König­li­chen des­halb für ver­rückt hielt, hatte die Sache nicht ganz ver­standen. Es ging halt nicht mehr um Fuß­ball. Gleich im Anschluss an die Prä­sen­ta­tion jet­tete Real Madrid nach Fernost, um mit dem dort extrem popu­lären Neu­zu­gang im Gepäck seine Posi­tion auf dem asia­ti­schen Markt zu stärken. In Beck­hams erstem Ver­trags­jahr hat der Verein eine Mil­lion Tri­kots mit seinem Namen ver­kauft. Mis­sion erfüllt.

Der Sport inter­es­sierte also nur noch am Rande, erst recht später bei Los Angeles Galaxy, Milan oder Paris Saint-Ger­main. Gelenkt wurde das alles vom Manager der Beck­hams, Simon Fuller, der die Spice Girls und Pop Idol“ (hier: Deutsch­land sucht den Super­star“) erfunden und einmal gesagt hat, ein Pop­star sei nichts weiter als eine Marke, die bis zum letzten Tropfen aus­ge­quetscht werden müsse. In seinen sechs Jahren in der sport­lich zweit­klas­sigen Major League Soccer soll Beckham mit allen Neben­ak­ti­vi­täten 250 Mil­lionen Dollar ver­dient haben.

David Beckham war der Traum jedes Sport­mar­ke­ting-Spe­zia­listen: talen­tiert, fotogen und mit einer Pop­sän­gerin ver­hei­ratet. Dass er rhe­to­risch nicht beson­ders beschlagen war und in Inter­views oft eine unfrei­willig komi­sche Figur abgab, konnte seinem Ruf nichts anhaben. Auf dem Höhe­punkt seiner Popu­la­rität nannte ihn der Jour­na­list Mark Simpson, der Mann, der diesen Begriff einst erfunden hatte, den ulti­ma­tiven Metro­se­xu­ellen“: ein hete­ro­se­xu­eller Mann, der seine innere Frau umarmt und sich nicht mehr nur für Fuß­ball, Fleisch und Waffen inter­es­siert wie die anderen Jungs. Natür­lich gab es zuvor George Best und ein paar andere, doch Beckham war der erste rich­tige Pop­star des Fuß­balls. Oder schon der erste Post-Pop­star, der nicht mehr dafür bewun­dert wurde, dass er etwas beson­ders gut konnte, son­dern ein­fach dafür, dass er war, wie er war.

Beckham in der Jury der Bri­tish Book Awards“

Hier sind 17 Dinge, die vor David Beckham bei Fuß­bal­lern nicht vor­kamen oder nie­manden inter­es­sierten: In seiner Hei­mat­stadt Ching­ford gibt es einen Beckham-Pfad, wo man die Orte seiner Kind­heit besu­chen kann. Im Jahr 2004 zählte das ame­ri­ka­ni­sche Magazin Time“ Beckham zu den 100 welt­weit ein­fluss­reichsten Per­sön­lich­keiten. Obgleich nicht beson­ders belesen, gehörte er 2006 zur Jury der Bri­tish Book Awards“. Elton John ist der Paten­onkel seiner Söhne Brooklyn und Romeo. Zu seiner Will­kom­mens­party in Los Angeles kamen Tom Cruise, Katie Holmes, Eva Longoria, Arnold Schwar­zen­egger, Jen­nifer Love Hewitt, Will Smith, Jim Carrey, George Clooney und Oprah Win­frey. Seine Frau Vic­toria plau­derte in einem Fern­seh­in­ter­view aus, dass David gerne mal ihre Schlüpfer auf­trägt. Er leidet an einer Zwangs­stö­rung, in seinem Kühl­schrank muss alles sym­me­trisch sein, und wenn er drei Dosen Bier hat, schmeißt er eine weg, weil es eine unge­rade Zahl ist.