Ich habe Wies­baden und Halle in dieser Woche besucht und fest­ge­stellt: Trotz des sport­li­chen Erfolgs bekommen beide Ver­eine nicht die Auf­merk­sam­keit, die sie ver­dienen – wenn auch auf unter­schied­liche Weise. Wäh­rend die Liga einen Zuschau­er­boom ver­zeichnet, bleibt in Wies­baden das Sta­dion leer. 8076 Zuschauer kamen laut DFB-Sta­tistik im Schnitt zu den bis­he­rigen 248 Par­tien. Auf dem letzten Rang dieser Sta­tistik liegt der aktu­elle Tabel­len­dritte der Liga. 

Tabel­len­schluss­licht Wies­baden

Hit­zige Heim­spiel-Atmo­sphäre in der hes­si­schen Lan­des­haupt­stadt? Fehl­an­zeige! 2209 Zuschauer kamen im Schnitt in die Brita-Arena. Das ent­spricht einer Aus­las­tung von 18 Pro­zent. Da stellt sich für mich die Frage nach dem Wett­be­werbs­nach­teil, die ich in einem län­geren Gespräch mit Rüdiger Rehm dis­ku­tieren durfte. Er hat zuge­geben, dass diese Situa­tion durchaus ein paar Pro­zent­punkte kosten kann und dadurch ein noch höheres Maß an Selbst­mo­ti­va­tion nötig sei. Inter­es­san­ter­weise hat mir der Trainer aber auch erzählt, dass in der Stadt durchaus ein großes Inter­esse am Verein spürbar sei – nur ins Sta­dion wollen leider die wenigsten. 

Keine Euphorie in Halle

Ähn­lich aber doch irgendwie anders ist die Situa­tion in Halle: Zwar bietet der Erdgas Sport­park mit durch­schnitt­lich 7469 Zuschauern und einer Aus­las­tung von 50 Pro­zent eine ordent­liche Kulisse – auch wenn Trainer Torsten Zie­gner natür­lich noch lieber häu­figer über 10.000 hätte wie gegen Ros­tock im Oktober 2018. Was mich aber viel mehr über­rascht hat: Wie wenig das Thema Fuß­ball über die Grenzen des Sta­dions hinaus ange­kommen ist, obwohl der Verein sport­lich erfolg­reich ist und die Prä­senz in der Stadt durch Mar­ke­ting­maß­nahmen deut­lich erhöht hat. Ich habe mit vielen Men­schen auf der Straße über den HFC gespro­chen und das Ergebnis war ernüch­ternd. 95 Pro­zent hatten keine Ahnung, wie es da gerade läuft. Die Basis ist zwar größer als in Wies­baden, aber die Euphorie im nahen Umfeld ist in der Stadt bisher nicht ange­kommen, obwohl die Mann­schaft um den Auf­stieg spielt. 

Beide Ver­eine ver­bindet nicht nur die aktu­elle Punkt­zahl, son­dern auch die Tat­sache, dass ihre bis­he­rigen Sai­son­leis­tungen deut­lich mehr Auf­merk­sam­keit ver­dient hätten, als sie aktuell bekommen. Warum das so ist, konnten am Ende beide Trainer nicht erklären. Eine grö­ßere Wert­schät­zung für die Arbeit von Rüdiger Rehm in Wies­baden und Torsten Zie­gner in Halle sowie brei­tere Unter­stüt­zung für die lei­den­schaft­li­chen Auf­tritte der beiden Mann­schaften wäre in meinen Augen aber mehr als gerecht­fer­tigt.