Torsten Mat­tuschka, bei Union werden die Brat­würste noch auf Holz­kohle gegrillt. Packt Sie auf dem Rasen manchmal der Appetit?
Mit der neuen Haupt­tri­büne hat sich das gelegt. Aber früher, als wir noch von den Con­tai­nern, die uns damals als Kabi­nen­er­satz dienten, über die Anlage ins Sta­dion ein­ge­laufen sind, hat man den Geruch schon deut­lich wahr­ge­nommen. Da habe ich des Öfteren gedacht: Eine Brat­wurst, mmmh, das wäre jetzt nicht schlecht!

Sie kamen 2005 zum 1. FC Union, kurz nach dem Abstieg in die Ober­liga. Beschreiben Sie mal die dama­lige Spiel­stätte.
Ein altes, marodes Sta­dion, völlig aus der Zeit gefallen. Dafür war alles sehr eng, enger als heute sogar. Wäh­rend die Zuschauer jetzt drei, vier Meter vom Rasen ent­fernt sind, waren sie damals gerade einen Meter von uns weg. Es kamen zwar weniger Zuschauer als heute, aber die hat man dafür umso deut­li­cher gespürt.

Nehmen Sie ein­zelne Anfeue­rungen wahr? Wenn Sie ein­werfen oder Eck­bälle aus­führen bei­spiels­weise?
Sie meinen, so wie die Leute früher am alten Aachener Tivoli immer Wil­liiiiii“ gerufen haben, wenn Willi Land­graf die Linie rauf und runter gerannt ist? Nein. Ich habe jeden­falls noch vor keiner Ecke gehört: Tusche, jetzt spiel den Ball aber mal lang rein.“

Aber Sie bekommen mit, wenn die Fans im Spiel das berühmte Torsten-Mat­tuschka-Lied anstimmen?
Klar bekomme ich das mit! Aber das lenkt mich nicht ab, ganz im Gegen­teil. Zu Beginn der Saison merkte ich auch, dass das Sta­dion durch die umge­baute Haupt­tri­büne noch mal einen Tick lauter geworden ist.

Was bekommen Sie wäh­rend des Heim­spiels an der Alten Förs­terei“ sonst noch von den Rängen mit?
Ich erin­nere mich noch gut an unser Spiel vor kurzem gegen den FC St. Pauli. Wir lagen mit 0:2 zurück, gewannen am Ende aber mit 3:2. Der Sieg­treffer fiel vier Minuten vor Schluss. Im Sta­dion war es so unglaub­lich laut, dass ich wäh­rend des Spiels Gän­se­haut bekommen habe. Diese Inten­sität, die man von den Rängen erfährt, wäre ohne die Nähe zum Spiel­feld gar nicht denkbar. Die Zuschauer sind fast phy­sisch zu spüren.

Wäh­rend des Umbaus der Steh­platz­tri­büne in den Jahren 2008 und 2009 mussten Sie auf den Jahn­sport­park aus­wei­chen. Was hat Ihnen dort am meisten gefehlt?
Die Nähe der Fans. Manche haben den Jahn­sport­park gemieden. Am Ende der Saison sind wir trotzdem auf­ge­stiegen. Des­halb habe ich das Jahr in guter Erin­ne­rung. Die Freude,
vor den neuen Steh­platz­tri­bünen im hei­mi­schen Sta­dion Zweit­li­ga­fuß­ball zu spielen, war dann aber umso größer.

Die neue Steh­platz­tri­büne ist unter tat­kräf­tiger, ehren­amt­li­cher Mit­hilfe der Fans ent­standen. Sie haben sogar eine der soge­nannten Paten­schaften“ für einen der Bau­trupps über­nommen.
Ich habe die Jungs von meinem Bau­trupp immer wieder mal auf der Bau­stelle getroffen, und wir haben dort ein biss­chen gequatscht. Ver­rückt, was einige auf sich genommen haben, um ihrem Verein zu helfen. Manche haben Jah­res­ur­laub genommen, andere haben sich sogar krank­schreiben lassen, um beim Bau dabei zu sein. Ich nenne hier also besser keine Namen. (Lacht.)

In die reno­vierte Haupt­tri­büne wurden nun der Spie­lertrakt mit dem schi­cken Ent­mü­dungs­be­cken und eine eigene Kunst­ra­sen­fläche zum Warm­spielen ver­baut. Eine ganz neue Art von Luxus für die Ver­hält­nisse des tra­di­ti­ons­rei­chen Arbei­ter­klubs.
Der Wandel des Sta­dions und der gesamten Anlage ist für uns wie der Sprung von der Kreis­klasse in die Cham­pions League. Wenn ich nur an die Kabine denke. Vorher hatten wir Con­tainer. Die waren auch okay, wir kannten es ja nicht anders. Des­wegen haben wir uns auch nicht beschwert. Wenn man aber sieht, was jetzt daraus geworden ist, mit Sauna und Ent­span­nungs­be­cken, das ist schon der Wahn­sinn, das hätte man gern auch schon früher gehabt.

Zur Finan­zie­rung der Haupt­tri­büne sind Alte-Förs­terei-Aktien“ ver­kauft worden. Haben Sie auch eine?
Natür­lich! Nach acht Jahren im Verein war das für mich selbst­ver­ständ­lich. Die Aktie hängt ordent­lich gerahmt in meinem Wohn­zimmer.

Haben Sie abge­sehen vom Brat­wurst­stand noch einen anderen Lieb­lings­platz im Sta­dion?
Eigent­lich nicht. Ich bin gerne in der Kabine bei den Jungs. Obwohl, das neue Ent­span­nungs­be­cken ist schon schön. Gerade wenn es jetzt im Winter wieder kälter wird.

So modern das Sta­dion inzwi­schen auch ist, was fehlt aus Ihrer Per­spek­tive noch in der Alten Förs­terei“?
Die erste Liga! Das Sta­dion ist längst erst­li­ga­reif, es wäre schön, wenn wir als Mann­schaft jetzt auch nach­ziehen könnten. Dann sollen Bayern und Dort­mund mal sehen, was für ein super Fuß­ball­sta­dion wir hier haben.