Oliver Kraft hat in den ver­gan­genen Tagen alle Hände voll zu tun. Die Wogen glätten, lautet seine Auf­gabe in einem Kon­flikt zwi­schen Fans von Rot-Weiss Essen und der Mar­ke­ting­ab­tei­lung des FC Schalke 04. Kraft, 41 Jahre alt, akku­rate Frisur und BWL-Absol­vent ist nicht einmal Fuß­ballfan. Weder Anhänger von Schalke 04, noch von RW Essen. Trotzdem muss der Center-Manager des Ein­kaufs­zen­trums Lim­be­cker Platz“ der­zeit viele Inter­view­an­fragen beant­worten.

Heim­spiel in Essen. Sep­tember 2013“ stand seit ver­gan­genem Mitt­woch in weißer Farbe auf einer königs­blauen Holz­wand, die den Ein­gang des geplanten Schalke-Fan­shops am Lim­be­cker Platz ankün­digen sollte. Auf etwa 70 Qua­drat­me­tern will der Ruhr­pott-Klub seine Anhänger mit Mer­chan­di­sing beglü­cken. Zum Ärger zahl­rei­cher Essener, die sich vom Verein aus der Nach­bar­stadt pro­vo­ziert fühlen und dem Center-Manage­ment ECE den Lokal­pa­trio­tismus abschreiben.

Stan Libudas Erbe

Ver­brennt das Ding“, Der Laden steht eh nicht lange unbe­schadet da“ oder Was erlauben Ver­mieter?“ sind nur einige Aus­züge aus der schier endlos langen Kom­men­tar­liste gegen den Fan­shop. RWE-Fans planen einen Gene­ral­boy­kott gegen das größte inner­städ­ti­sche Ein­kaufs­zen­trum Deutsch­lands, sehen den Fan­shop als blauen Sta­chel in einer roten Stadt“.

Denn die Fehde zwi­schen Essen und dem FC Schalke exis­tiert schließ­lich nicht erst seit heute. 1971 waren Schalker Spieler wie Stan Libuda und Klaus Fichtel am soge­nannten Bun­des­liga-Skandal ver­wi­ckelt, an dessen Ende auch Rot-Weiss Essen abstieg. Auch die anschlie­ßende Nicht­be­rück­sich­ti­gung bei der Stand­ort­ver­gabe zur Welt­meis­ter­schaft 1974 wird aus Essener Sicht den Schal­kern ange­lastet. Der seitdem ver­wen­dete Kose­name FC Meineid 04“ ist wohl nur die harm­lo­seste Folge.

Ach­tung, BVB!

Des­halb ist auch für Oliver Kraft klar: Der Fuß­ball ist im Ruhr­ge­biet immer ein großes, mit Emo­tionen ver­bun­denes Thema. Wir hatten mit einer gewissen Kritik gerechnet, aber nicht in diesem Umfang.“ Für die Eröff­nung des Geschäfts werde das Ein­kaufs­zen­trum ein Sicher­heits­kon­zept ent­wi­ckeln, so Kraft. Ob das Ein­kaufs­zen­trum dem­nächst weniger Kunden zu ver­zeichnen habe, müsse man abwarten. Zumin­dest der Heim­spiel-Slogan ist in Absprache mit dem Verein vor­zeitig ent­fernt worden. Wir hoffen, dass es allein bei der Kritik, die in fried­li­cher Weise auch in Ord­nung ist, bleibt und sich die Wogen schon bald glätten“, so Kraft.

Eine bewusste Pro­vo­ka­tion dürfte S04 hin­gegen abge­spro­chen werden. Nach Ver­eins­an­gaben habe man den Standort Essen wahr­ge­nommen, da dort die meisten Schalke-Fans außer­halb von Gel­sen­kir­chen zu finden seien. Ein gefun­denes Geschäft also. Im 15 Kilo­meter ent­fernten Ober­hau­sener CentrO können sich Anhänger der Knappen schon seit einiger Zeit mit Trikot, Toaster und Bett­wä­sche der Königs­blauen ein­de­cken. Beim Revier­nach­barn in Dort­mund sollte man hin­gegen gewarnt sein, denn dem Betreiber des Essener Ein­kaufs­zen­trums gehört schließ­lich auch die Thier-Galerie in der Dort­munder Innen­stadt. Ein poten­ti­eller Standort also, falls die Schalker weiter expan­dieren wollen.