Was für ein Wochen­ende in den Regio­nal­ligen! Die Tra­di­ti­ons­ver­eine gaben sich die Klinke in die Hand und spielten einen Klas­siker nach dem anderen gegen­ein­ander aus. VfB Olden­burg gegen den SV Meppen (1:2), BFC Dynamo gegen Carl Zeiss Jena (3:1) oder Ale­mannia Aachen gegen Rot Weiß Essen (1:0) lau­teten die Begeg­nungen unter anderem. Letz­tere ver­zeich­nete gar einen Zuschau­er­re­kord. Über 30.000 Zuschauer wollten live mit­er­leben, wie Gold­kehle Steffen Simon das Spiel für den WDR in die weite Welt kom­men­tierte. Doch nicht überall rannten die Fans die Sta­di­en­tore nieder.

KAPRAGZ: Kas­sels PR-Abtei­lung gegen den Zuschau­er­schwund

Das Heim­spiel Hessen Kas­sels gegen die SpVgg Nec­karelz etwa wollten ledig­lich“ 3.500 Zuschauer erleben. Für die vierte Liga gar nicht schlecht, mögen die einen sagen, doch den Ver­ant­wort­li­chen ist das lange nicht genug. Und so erweist sich der Verein als äußerst findig und fahndet auf unge­wöhn­li­chen Wegen nach dem ver­loren gegan­genem Zuspruch. Nachdem man sich Ende des ver­gan­genen Jahres auf die Suche nach einem Vor-Meckerer gemacht hatte, ver­kauft der Verein nun eine soge­nannte Klug­scheißer-Karte“. Mit Geld-Zurück-Garantie. Beim Kauf der Dau­er­karte für die letzten sieben Spiele, kann der Aus­gang getippt werden. Wer zum Sai­son­ende bei allen Heim­spielen vorher genau wusste, wann die Löwen siegen, wann es eine Nie­der­lage gibt oder beide Teams punkten, der erhält sein Geld zurück“, heißt es dazu auf der Home­page des Klubs. Dort ist übri­gens auch zu erfahren, dass die Stelle des Chef­mäh­rers“ noch nicht besetzt wurde. Dabei hätte es am Wochen­ende allen Grund gegeben, sich ordent­lich die Mei­nung zu geigen. Gegen Nec­karelz setzte es eine 0:1‑Niederlage.


Lot­to­ge­winn André Schürrle

32 Mil­lionen Euro gab der VfL Wolfs­burg bekannt­lich aus, um Welt­meister-Siegtor-Vor­be­reiter André Schürrle in die Kul­tur­me­tro­pole Wolfs­burg zu locken. Und was macht die Bun­des­liga? Hebt, so sie nicht auf Geld­bün­deln gebettet ist, mah­nend den Zei­ge­finger. Wir müssen die Kirche im Dorf lassen. 32 Mil­lionen für Schürrle – ja, wo sind wir denn gelandet“, fragte Frank­furts theo­lo­gi­scher Leiter Heri­bert Bruch­hagen in einer Dis­kus­si­ons­runde des Bezahl­sen­ders SKY. 

Für die Fans des Lud­wigs­ha­fener SC hin­gegen hätte die Ablö­se­summe für Schürrle ruhig noch ein paar Mil­lionen Euro höher aus­fallen können. Schließ­lich ist der Jugend­verein des Welt­meis­ters am Ver­kauf betei­ligt. Anders als im Fall von Toni Kroos, dessen Wechsel zu Real Madrid seinem ersten Verein aus Greifs­wald nach einigem Hin und Her eine Aus­bil­dungs­ent­schä­di­gung von 60.000 Euro ein­brachte, kas­siert man in Lud­wigs­hafen wegen des soge­nannten Soli­da­ri­täts­me­cha­nismus“. Wir bitten um Nach­sicht, dass wir uns die Ein­zel­heiten an dieser Stelle ersparen. 

In Kurz­form aber heißt das im Fall Schürrle: Fünf Pro­zent der gesamten Trans­fer­summe ent­fallen auf die ehe­ma­ligen Ver­eine des Stür­mers. So erhält Mainz 05 circa eine Mil­lion Euro, Bayer Lever­kusen rund 300.000 Euro und der Lud­wigs­ha­fener SC exakt einen Pro­zent. Macht 320.000 Euro und Fei­er­biest­laune im Ver­eins­heim. Doch in der Rhein-Neckar-Metro­pole bleibt man auch nach dem als Lot­to­ge­winn“ gefei­erten Geld­regen mit beiden Beinen auf dem Boden. So verrät LSC-Sport­chef Jakob Brunn im Inter­view mit dem Ver­eins-Blog, wie das Geld ein­ge­setzt werden soll: „ Es hat einen Inves­ti­ti­ons­stau gegeben. Im Club­haus muss die Abwas­ser­an­lage saniert werden, die Gar­ten­wirt­schaft soll auf­ge­päp­pelt und ver­schö­nert werden. Zudem werden wir Rück­lagen für die Zukunft bilden, bei­spiels­weise für das Dach des Club­hauses.

Doch natür­lich soll der ver­eins­ei­gene Gold­esel“ auch ent­spre­chend seiner Bedeu­tung geehrt werden. So kann sich Sport­chef Brunner durchaus vor­stellen, im Klub­haus eine Art André-Schürrle-Ecke“ ein­zu­richten. Frei­lich erst, wenn die Abwas­ser­an­lage wieder funk­tio­niert.