End­lich ist sie vorbei, diese elende Win­ter­pause. Klar, wir hatten Zeit auch einmal über den Tel­ler­rand hinaus zu schauen: Eng­land, Spa­nien, Afrika- und Asien-Cup. Alles schön und gut. Aber seien wir ehr­lich. Wir haben auch Darts geschaut, die Vier­schan­zen­tournee und als wir dachten, nie­mand würde uns dabei beob­achten, haben wir uns einen Samstag lang die nor­di­sche Kom­bi­na­tion gegeben. Doch das ist nun vorbei. Die Bun­des­liga ent­schul­digt sich prompt mit einer eng­li­schen Woche und auch die unteren Ligen erwa­chen so langsam aus der Win­ter­starre. Auch wenn man man­ches Mal noch nach­helfen muss, wie etwa in Regens­burg. 

Regens­burg ohne Handys – mit Schnee­pflug

Die Lage beim dor­tigen Jahn Regens­burg ist prekär. Letzter der dritten Liga, seit acht Spielen ohne Sieg, neun Punkte Rück­stand auf das ret­tende Ufer. Da war ein Dreier im Auf­takt­spiel gegen die zweite Mann­schaft von Borussia Dort­mund Pflicht. Der Verein ver­stärkte sich in der Win­ter­pause dem­entspre­chend, holte fünf Neue und zog auch in der Vor­be­rei­tung alle Register. So ließ Trainer Chris­tian Brand, einst lang­haa­riger Spiel­ma­cher­traum aller Werder-Fans, im Trai­nings­lager im bay­ri­schen Wald sämt­liche Spieler-Handys ein­sam­meln. Die ein­leuch­tende Begrün­dung: Auf dem Platz gibt es auch kein Insta­gram.“ An dieser Stelle übri­gens: Ein­spruch, Herr Brand!

Aber was nützt die beste Vor­be­rei­tung, wenn die Natur nicht mit­spielt? Die Mann­schaft war fit, und dank Handy-Entzug fokus­siert wie lange nicht, da drohte der Win­ter­ein­bruch der Auf­hol­jagd einen Strich durch die Rech­nung zu machen – 15 Zen­ti­meter Neu­schnee, das Spiel stand auf der Kippe. Doch der Verein ließ nichts unver­sucht und rief öffent­lich zum Schnee­schippen auf. Und alle packten mit an. Ob Geschäfts­stel­len­mit­ar­beiter, Ehren­amtler oder Fans. Selbst vor den Spie­lern machte die Hilfs­ak­tion nicht halt. So wurden alle Spieler, die es nicht in den Kader für das Spiel gegen Dort­mund schaffen würden, dazu ange­halten, eben­falls gegen die Schnee­massen im Jahn­sta­dion vor­zu­gehen. Mit Erfolg. Der Platz war bespielbar“ und Regens­burg pflügte die Dort­munder mit 3:0 vom Acker. Ob die Spieler ihre Handys inzwi­schen zurück­be­kommen haben, wissen wir nicht. Wir rufen stünd­lich an und errei­chen immer nur die Mailbox.

Zu wenig Unpar­tei­ische im Norden – Hilfe aus dem Knast?

Man muss schon aus einem beson­deren Holz geschnitzt sein, um frei­willig Schieds­richter zu werden. Eine der beiden Mann­schaft ist eigent­lich immer unzu­frieden mit der eigenen Leis­tung, die Zuschauer zwei­feln jede unlieb­same Ent­schei­dungen laut­stark an, sodass die Auf­wands­ent­schä­di­gungen wohl eher als Schmer­zens­geld zu ver­stehen sind. Und trotzdem ent­scheiden sich Jahr für Jahr junge Men­schen für eine Aus­bil­dung zum Schieds­richter. Doch zumin­dest in Nord­deutsch­land schlägt man nun Alarm. Es gibt zu wenig Unpar­tei­ische im Alter zwi­schen 20 und 40 Jahren“, klagte unlängst Carsten Byer­netzki vom Ham­burger Fuß­ball­ver­band den Kieler Nach­richten“. Die spielen halt lieber„, erklärte der ehe­ma­lige DFB-Schieds­richter und Fifa-Schieds­rich­ter­as­sis­tent weiter und gestand zudem ein, dass viele junge Nach­wuchs­schiris den stän­digen Pöbe­leien von Spie­lern und Zuschauern nicht gewachsen sind. Zumal wir ins­ge­samt das Gefühl haben, dass der Respekt gegen­über Schieds­rich­tern nach­ge­lassen hat“, so Byer­netzki. Und auch im angren­zenden Schleswig Hol­stein sieht man die Lage kri­tisch. Mit Geld­strafen und Punkt­ab­zügen ver­sucht man dort den Ver­einen zu begegnen, die zu wenig Schieds­richter stellen. Noch sei der Spiel­be­trieb gewähr­leistet, doch immer mehr Unpar­tei­ische müssten am Wochen­ende mehr­fach los. Auf Dauer sei das eine nicht hin­zu­neh­mende Belas­tung, so Fabian Thiessen vom Schleswig-Hol­stei­ni­schen Fuß­ball­ver­band. 

Eine Lösung des Pro­blems könnte nun von uner­war­teter Stelle kommen – aus dem Gefängnis. So haben jüngst im Rhein­land zwölf Insassen der JVA Witt­lich ihre Abschluss­prü­fung bestanden. (Hier geht’s zu einem Video von Fuss​ball​.de) Zur fei­er­li­chen Zeugnis-Über­gabe lud der Fuß­ball­ver­band Rhein­land unter anderem Hans-Peter Briegel ein, der den Absol­venten gestand: Fuß­ball spielen ist ein­fach. Trainer oder Schieds­richter zu sein, ist viel schwerer.“ Sollte das Bei­spiel Schule machen, über­legen es sich manche Fans und Trainer in Zukunft sicher zweimal, ob sie den harten Jungs mit der Pfeife wirk­lich die Mei­nung geigen. Reso­zia­li­sie­rung hin oder her.